Brasiliens Neymar-Frage: Wer ersetzt den Superstar?

Antony? Rodrygo? Gabriel Martinelli? Oder etwas defensiver? Brasiliens Coach Tite stehen etliche Alternativen für den verletzten Neymar zur Verfügung. Aber wen stellt er gegen die Schweiz auf?
Der Knöchel schwillt schon wieder ab: Neymar (l) sitzt nach seiner Auswechslung neben Lucas Paqueta (M) und Vinicius Junior auf der Bank. © Robert Michael/dpa

Das Wichtigste vorweg: Der Fuß wird wieder dünner. Auf Instagram hat Neymar nun ein Foto seines Unterschenkels samt Fußgelenk gepostet, und die Schwellung nach seiner Bänderverletzung nimmt tatsächlich ab. Kurz nach dem 2:0-Auftaktsieg der Brasilianer gegen Serbien hatte es noch deutlich schlimmer ausgesehen.

«Auf geht's», schrieb der Fußball-Superstar, der mit aller Macht an seinem Comeback bei der WM in Katar arbeitet. Am Montag (17.00 Uhr/ARD und Magenta TV) gegen die Schweiz wird er der Seleção aber definitiv noch nicht helfen können. So stellt sich für Nationaltrainer Tite die Frage: Wer ersetzt ihn? Und wie?

Etliche Alternativen für Neymar

«Wir haben eine große Auswahl an Stürmern. Ich hätte noch sechs oder sieben andere Spieler nominieren können», hatte Tite schon nach dem souveränen Erfolg gegen die Serben trotzig gesagt. Tatsächlich verfügt keine andere Mannschaft bei diesem Turnier über eine solche Offensivauswahl wie die Brasilianer. Als Neymar im Auftaktmatch nach 79 Minuten verletzt raus musste, brachte der 61-Jährige den im Sommer für fast 100 Millionen Euro von Manchester United verpflichteten Antony. Den Hochgeschwindigkeitsdribbler plagen seit einigen Tagen jedoch Magen-Darm-Probleme. Doch selbst wenn er auch ausfallen sollte, wären da immer noch etliche Alternativen.

Gabriel Martinelli stürmte in den Wochen vor der WM mit dem FC Arsenal fast unaufhaltsam durch die englische Premier League. Rodrygo spielt bislang ebenfalls eine starke Saison für Champions-League-Sieger Real Madrid. Und dann gibt es ja auch noch Arsenal-Angreifer Gabriel Jesus oder etwas defensivere Varianten mit Fred (Manchester United) oder Bruno Guimarães (Newcastle United). «Ich denke, Brasilien hat genug Spieler, um drei Mannschaften zu stellen. Daher macht es die Aufgabe für uns nicht einfacher», sagte der Schweizer Trainer Murat Yakin.

Gegen die Serben agierte Neymar die meiste Zeit als eine Art zweite Spitze hinter Doppeltorschütze Richarlison. Möglich wäre etwa, dass Raphinha in diese Rolle vorgezogen wird und stattdessen Martinelli oder Rodrygo auf dem rechten Flügel zum Einsatz kommen.

Chance auf ein flüssigeres Offensivspiel

Aber wie auch immer Tite sich entscheiden wird: große Sorgen muss er sich wegen des Ausfalls seines Superstars nicht machen. Es gibt zwar niemanden in seiner Mannschaft, der wie Neymar mit einer winzigen Bewegung ganze Spielverläufe drehen kann. Genialität und Extravaganz des 30-Jährigen werden der Seleção gegen die Schweizer - die bei der Europameisterschaft im vergangenen Jahr Weltmeister Frankreich ausgeschaltet hatten - fehlen.

Aber in seinem Ausfall liegt auch die Chance auf ein schnelleres, flüssigeres Offensivspiel. Gegen die Serben hatte sich Neymar nicht nur einmal in unnötigen Dribblings verzettelt und damit Angriffe seiner Mannschaft verzögert. Außerdem hat Brasilien bei der Copa América 2019 bewiesen, dass es große Titel auch ohne den verletzten Star holen kann.

Vielleicht auch deshalb bemühte sich Kapitän Thiago Silva, das Thema nicht zu groß zu machen. «Das sind Dinge, die passieren. Wir sind bei ihm. Und wenn er gegen die Schweiz noch nicht wieder fit ist, dann eben beim letzten Spiel gegen Kamerun», meinte der Innenverteidiger des FC Chelsea pragmatisch. Bis dahin dürfte die Schwellung seines Fußes jedenfalls noch weiter abgenommen haben.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Brasilien: 1 Alisson - 14 Éder Militão, 4 Marquinhos, 3 Thiago Silva, 6 Alex Sandro - 11 Raphinha, 5 Casemiro, 7 Paquetá, 20 Vinicius Júnior - 19 Antony, 9 Richarlison

Schweiz: 1 Sommer - 3 Widmer, 5 Akanji, 4 Elvedi, 13 Rodriguez - 10 Xhaka, 8 Freuler - 23 Shaqiri, 15 Sow, 17 Vargas - 7 Embolo

Schiedsrichter: Ivan Barton (El Salvador)

© dpa
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