In Marokko ein Held: Sabiris großer Tag

Marokko hat gute Chancen, zum ersten Mal seit 36 Jahren wieder ein WM-Achtelfinale zu erreichen. Mitverantwortlich dafür: Ein ehemaliger deutscher Junioren-Nationalspieler.
Marokkos Abdelhamid Sabiri jubelt nach seinem Tor zum 0:1 gegen Belgien. © Frank Augstein/AP/dpa

Es wäre das Spiel seines Lebens. Deutschland gegen Marokko ist bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar immer noch eine mögliche Achtelfinal-Konstellation. In diesem Fall würde der frühere deutsche U21-Nationalspieler Abdelhamid Sabiri mit der marokkanischen Mannschaft gegen das Land antreten, in dem er bei der TSG Frankfurter Berg, KSV Klein-Karben, TuS Koblenz und Darmstadt 98 ausgebildet wurde.

Der 25-Jährige wurde in Marokko geboren und wuchs in Deutschland auf. Für den bislang größten Auftritt seiner Karriere brauchte er am Sonntag nur sechs Minuten. Beim so überraschenden wie verdienten 2:0 gegen Belgien wurde Sabiri in der 67. Minute eingewechselt. In der 73. verwandelte er einen Freistoß zum 1:0 direkt.

«Vier Punkte nach zwei Spielen gegen Kroatien und Belgien zu haben, ist herausragend für Marokko», sagte Trainer Walid Regragui. «Aber wenn wir jetzt nicht respektvoll damit umgehen, erreichen wir gar nichts.» Noch fehlt seiner Mannschaft ein Punkt aus dem letzten Gruppenspiel gegen Kanada, um zum ersten Mal seit 36 Jahren ein WM-Achtelfinale zu erreichen. Der Gegner 1986 in Mexiko: Eine deutsche Mannschaft, die durch ein Tor kurz vor Schluss von Lothar Matthäus mit 1:0 gewann.

Sabiri selbst sagte nach seinem großen Auftritt gar nichts. Mit dem Sprung über ein Absperrseil floh er geradezu vor den wartenden Journalisten. Wahrscheinlich ist in den ersten Jahren seiner Karriere schon genug von ihm und über ihn gesagt worden.

Als Jungprofi des 1. FC Nürnberg ließ er sich mehrfach krankschreiben, um seinen Wechsel nach England zu erzwingen. Nach dem Bundesliga-Aufstieg des SC Paderborn kehrte er zwei Jahre später von Huddersfield Town nach Deutschland zurück - und wechselte nur ein Jahr später weiter nach Italien.

Dass sich der hochveranlagte Spieler im Nachhinein über zu wenige Einsätze in Paderborn beklagt, passte dem damaligen Trainer Steffen Baumgart überhaupt nicht. «Hamid arbeitet für keine Mannschaft. Er arbeitet nur für sich», sagte er.

In Marokko und Italien sieht man das offenbar anders. Sabiri wechselte im Januar vom Zweitliga-Club Ascoli zum früheren Meister Sampdoria Genua. Und längst sind auch Europapokal-Teilnehmer an ihm dran. Der AC Florenz möchte ihn offenbar schon nach dieser WM verpflichten.

© dpa
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