Umbruch im deutschen Biathlon? Die zweite Garde klopft an

David Zobel, Justus Strelow, Anna Weidel, Sophia Schneider. Nicht allen deutschen Biathlon-Fans werden die Namen was sagen. Aber die zweite Reihe rückt nach und macht Druck.
Biathlet David Zobel beim Anschießen. © Sven Hoppe/dpa

Da staunten sogar die Top-Stars der Biathlon-Szene. Denn mit drei Podestplätzen in vier Rennen haben die deutschen Skijäger den besten Saisonstart seit dem Winter 2015/2016 hingelegt.

«Ich bin sehr beeindruckt, vor allem von den jungen Leuten. Das ganze Team ist richtig gut», sagte der französische Weltcup-Gesamtsieger und zweimalige Peking-Olympiasieger Quentin Fillon Maillet. Und auch Norwegens Superstar Johannes Thingnes Bö, beim Start im finnischen Kontiolahti Doppelsieger, zollte Respekt: «Es sieht sehr gut aus für die Deutschen.»

Nach den Rücktritten von Erik Lesser, Simon Schempp und Arnd Peiffer ist nur noch Benedikt Doll (32) von der goldenen Generation übrig, aber sein Karriereende ist absehbar. Viele fragten sich, wie es ohne die großen Drei weitergeht. Aber bisher scheint vieles in die richtige Richtung zu laufen, die zweite Reihe mit Leuten wie David Zobel (26) und Justus Strelow (25) rückt nach.

Das trifft auch auf die Damen zu, wo in Anna Weidel (26) und Sophia Schneider (25) zwei im Weltcup noch Unerfahrene vorne anklopften. Und Vanessa Voigt, auch erst in ihrem zweiten Weltcup-Winter von Beginn an, untermauerte gleich in Kontiolahti ihre Leistungen aus der Vorsaison.

Hermann-Wick freut sich über Druck von unten

«Wir haben viele tolle Resultate gesehen. Vor allem von Athletinnen und Athleten, die in den letzten Jahren noch nicht so durch Topergebnisse auf sich aufmerksam gemacht haben, die den Anschluss an die Weltspitze hergestellt haben», sagte der neue Sportdirektor Felix Bitterling. «Das macht was mit dem Team, auf sehr positive Art.»

Es sei sehr wichtig, dass solch gute Ergebnisse so früh in der Saison kämen. «Gerade für die im Team, die solche Topergebnisse nicht gewohnt sind. Sie fangen an, daran zu glauben», sagte Bitterling. Und ein guter Einstieg gibt Selbstvertrauen, besonders mit Blick auf die Heim-WM im Februar in Oberhof.

Auch die Arbeit mit den beiden neuen Co-Trainern Uros Velepec aus Slowenien (Männer) und Sverre Olsbu Röiseland aus Norwegen (Damen) kommt gut an und trägt scheinbar sofort Früchte. «Das zeigt, dass wir viel richtig gemacht haben», sagte der in der Gesamtwertung auf Rang drei liegende Rees. Velepec war ebenfalls zufrieden: «Diese Woche war sehr gut, besser als wir erwartet haben. Wir sind glücklich, aber es ist eine lange Saison. Ich hoffe, dass wir es fortsetzen können.»

Anna Weidel profitiert schon jetzt von der Arbeit mit Röiseland. «So eine gute Stimmung wie jetzt habe ich noch nie erlebt. Es macht Spaß mit Sverre. Er bringt einen coolen Input und er ergänzt sich gut mit Kristian Mehringer», sagte die 26-Jährige.

Auch Denise Herrmann-Wick freut sich über den Druck von unten. «Es ist schön zu sehen, dass die jungen Mädels, gerade die Mitte 20, gut den Anschluss finden. Man hat schon im Training gesehen, dass sie heiß sind und mitlaufen wollen. Das bringen sie gerade extrem gut rüber», sagte die mit 32 Jahren Älteste im Team: «Wir hoffen, dass es so weitergeht», meint die Olympiasiegerin. Die nächste Chance zum Beweisen gibt es ab Donnerstag im österreichischen Hochfilzen.

© dpa ⁄ Sandra Degenhardt und Thomas Wolfer, dpa
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