DVV-Team geht ins Risiko - Wieder «Besondere Geschichte»?

Der Superstar fehlt. Ohne Georg Grozer bestreiten die deutschen Volleyballer eine WM des Ungewissen. Zahlt sich die Arbeit des neuen Bundestrainers schon aus? Ist eine Sensation wie 2014 denkbar?
Seit April 2022 Bundestrainer der deutschen Volleyball-Nationalmannschaft: Der Pole Michał Winiarski. © Matthias Koch/dpa

Träumen ist erlaubt. Acht Jahre nach dem sensationellen Bronze-Coup bei der WM in Polen würden die deutschen Volleyballer diese Erfolgsgeschichte nur zu gerne wiederholen.

Ohne Superstar Georg Grozer und mit einer Mannschaft im Neuaufbau werden sich die Hoffnungen auf Medaillenspiele aber kaum erfüllen. «Mein Traum ist es, wieder Kattowitz zu erreichen», formulierte der neue Bundestrainer Michał Winiarski seinen Wunsch mit dem deutschen Team vor dem Auftakt in Gruppe D gegen Olympiasieger Frankreich am 26. August (17.30 Uhr/sportdeutschland.tv).

Winiarski war früher selber Nationalspieler und wurde mit Polen 2014 in Kattowitz Weltmeister, wo diesmal wieder Gold, Silber und Bronze vergeben werden. Im Halbfinale vor acht Jahren schalteten Winiarskis Polen die Deutschen um Lukas Kampa und Christian Fromm aus, die sich schließlich die erste WM-Medaille nach 44 Jahren sicherten.

Deutschland soll noch agieren

«Das wäre natürlich eine besondere Geschichte, wahrscheinlich auch, weil es meine letzte Weltmeisterschaft sein wird», meinte Kapitän Kampa (35) über eine Wiederholung der Traumreise, die auch durch das WM-Co-Gastgeberland Slowenien führt. Der Zuspieler ist zusammen mit Außenangreifer Fromm (32) der einzige Deutsche aus dem aktuellen Kader mit WM-Erfahrung.

Das muss kein Nachteil sein. Winiarski hat aber ohnehin genug Arbeit vor sich. Erst Anfang April wurde der 38-Jährige Nachfolger des Italieners Andrea Giani, der Auftaktgegner Frankreich betreut, und versuchte die Nationenliga zum Herantasten zu nutzen.

Deutschland soll noch mutiger agieren. «Ich will, dass wir ein bisschen mehr riskieren als sonst üblich», verkündete Winiarski und meinte damit insbesondere den Aufschlag. «Es geht nicht darum, dass jeder eine Faust macht und wild auf den Ball einprügelt», sagte Kampa. Es werde «keinen Harakiri-Volleyball» geben.

Ohne Grozer «vielleicht ein bisschen variabler»

Kapitän Kampa hofft, dass seine Mannschaft bei der WM schwerer auszurechnen ist. Das hängt mit der Absage von Grozer (37) zusammen, über den sonst alle Angriffe laufen. Der Diagonalangreifer nimmt sich auch wegen seines hohen Sportler-Alters immer wieder Auszeiten von der Nationalmannschaft.

«Georg ist nicht da, und er ist ständig Thema bei jeder Pressekonferenz», befand Kampa. «Er ist präsent, aber wir haben andere, die in die Verantwortung gehen können. Was ich bisher gesehen habe, machen sie es richtig, richtig gut.»

Grozers Ziel ist wie das der gesamten Mannschaft die Qualifikation für Olympia 2024 in Paris. Diese WM, die nach dem Angriffskrieg gegen die Ukraine Russland entzogen wurde, ist eine Zwischenstation.

«Georg ist schon eine Persönlichkeit, die ein Team-Konstrukt nochmal wirklich fordert. Er nimmt schon viel Aufmerksamkeit und Energie auf sich. Das ist absolut positiv gemeint, es bedeutet aber manchmal auch, dass andere weniger Aufmerksamkeit bekommen, als sie es sollten und könnten», erläuterte Kampa. Die Deutschen seien nun «vielleicht sogar ein bisschen variabler».

Kampa & Co. hoffen darauf, in Ljubljana gegen Frankreich Selbstvertrauen zu sammeln. Dann geht es am 28. August (17.30 Uhr) gegen Leichtgewicht Kamerun und zum Gruppen-Finale am 30. August (20.30 Uhr) gegen Vize-Europameister Slowenien.

Danach soll die WM-Reise der deutschen Volleyballer noch nicht beendet sein. Und dann gibt's vielleicht auch TV-Präsenz. Man müsse zeigen, «dass es sich lohnt einzuschalten», sagte Kampa.

© dpa
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