Serena Williams will abtreten - «Großer Schmerz»

Eine Tennis-Ära neigt sich dem Ende zu: Serena Williams kündigt an, dass sie mit dem Profisport aufhört. Die US Open in New York sollen die passende Bühne sein.
Serena Williams plant ihren Rückzug vom professionellen Tennis. © John Walton/PA Wire/dpa

Die Tennis-Dominatorin der vergangenen beiden Jahrzehnte fügt sich in das Unvermeidliche. Statt vom Rücktritt sprach Serena Williams lieber von ihrer Entwicklung weg vom Tennis, doch das soll vielleicht nur den Schmerz über den nun angekündigten Abschied mildern.

In einer Titel-Geschichte für die September-Ausgabe des Magazins «Vogue» kündigte die erfolgreichste Spielerin der Profi-Ära an, dass in wenigen Wochen Schluss sein wird. Und der lange erwartete Schritt tut ihr weh: «Ich empfinde großen Schmerz. Es ist das Härteste, das ich mir jemals vorstellen konnte», erklärte die bald 41 Jahre alte Amerikanerin. Die US Open in drei Wochen in New York dürften die passende Bühne für das letzte Match einer grandiosen Karriere sein.

«Jetzt hat der Countdown begonnen»

«Mein Gott, wie sehr ich Tennis liebe. Aber jetzt hat der Countdown begonnen. Ich werde diese kommenden Wochen genießen», fügte sie bei Instagram hinzu. Danach werde sie sich auf ihre Rolle als Mutter und ihre spirituellen Ziele konzentrieren und eine andere, aber aufregende Serena entdecken.

Erst am Vortag hatte sie nach 14 Monaten und einer langwierigen Verletzungspause beim Turnier in Toronto wieder ein Match gewonnen - nach knapp zwei Stunden mit 6:3, 6:4 gegen Nuria Parrizas Diaz aus Spanien. Danach äußerte sie sich etwas kryptisch über ein Licht am Ende des Tunnels, nun sorgte sie für Klarheit. «Der Sport hat mir so viel gegeben. Ich liebe es zu gewinnen. Ich liebe den Kampf. Ich liebe es zu unterhalten», sagte sie - und das am besten eine Woche mach der anderen.

Dies gelang auch wegen langer Verletzungspausen zuletzt nur noch selten. Das Comeback in Wimbledon war vor einem Monat bereits in der ersten Runde wieder vorbei. Bis zu den US Open gibt es noch weitere Vorbereitungsturniere. «Ich weiß nicht, ob ich bereit sein werde, um New York zu gewinnen. Aber ich werde es versuchen», kündigte sie an. Sie wolle aber nicht unbedingt eine Zeremonie, einen finalen Moment auf dem Platz. «Ich bin furchtbar bei Goodbyes, die Schlechteste der Welt», sagte sie.

«Ich hatte meine Chancen»

Serena Williams holte insgesamt 23 Grand-Slam-Titel und damit noch einen mehr als das deutsche Idol Steffi Graf. Nach einer Babypause jagte die Mutter der bald fünf Jahre alten Tochter Olympia bisher vergeblich den Allzeit-Rekord der Australierin Margaret Court, die 24 Einzel-Triumphe bei den vier wichtigsten Turnieren feiern konnte.

«Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich diesen Rekord nicht wollte», gab sie in der «Vogue» zu. «Vielleicht habe ich zu viel daran gedacht, und das hat nicht geholfen. So wie ich es sehe, müsste ich mehr als 30 Grand-Slam-Titel haben. Ich hatte meine Chancen, nachdem ich Mutter geworden bin», erklärte sie. «Aber ich war 23 Mal zur Stelle, und das ist in Ordnung.»

Ihren ersten Triumph schaffte die viermalige Olympiasiegerin 1999, die mit ihrer gut ein Jahr älteren Schwester Venus auch sehr erfolgreich im Doppel war, bei den US Open in New York. Dort sorgte sie auch für Kontroversen, so wie im Finale Open 2018 gegen die Japanerin Naomi Osaka, als sie dem Schiedsrichter lautstark vorwarf, sie zu bestehlen.

Mehrere langwierige Blessuren im Laufe der Karriere bremsten Serena Williams. Immer wieder kam sie zurück, derzeit ist sie aber nur noch die Nummer 407 der Weltrangliste. In der Zeit abseits des Tennisspiels beschäftigt sie sich viel mit Mode und nutzt ihren Prominentenstatus im Kampf für Gleichberechtigung.

Als Serena Williams Anfang 2017 im Endspiel der Australian Open gegen ihre Schwester Venus siegte, war sie bereits schwanger. Nun offenbarte sie, dass sie und ihr Mann - der Unternehmer Alexis Ohanian - bereits im vergangenen Jahr versucht haben, zum zweiten Mal Eltern zu werden. Als aktive Sportlerin will Serena Williams nie wieder schwanger sein.

© dpa
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