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Sportförderung für Frauen, «die einfach anders sein muss»

Die fünf großen deutschen Teamsportarten wollen in den nächsten fünf Jahren verstärkt den Frauensport entwickeln. Die Ausgangsposition der Verbände unterscheidet sich indes stark.
Satou Sabally
Basketballerin Satou Sabally spielt in der WNBA für die Dallas Wings. © LM Otero/AP/dpa

Frauen haben es im Sport von klein auf schwerer als ihre männlichen Kollegen, findet Markus Gaugisch, der Bundestrainer der Handballerinnen.

«Die Bedingungen in der Jugend sind für die Jungs deutlich besser», sagt er. Denn vielen guten Nachwuchsspielerinnen fehle in den Vereinen etwas: ambitionierte Trainer, finanzielle Möglichkeiten, weitere Talente, mit denen sie sich messen können. Gaugisch spricht strukturelle Defizite an, die neben Handballerinnen offenbar auch Eishockey-, Basketball-, Volleyball- und Fußballspielerinnen plagen. Was also tun?

Dieser Frage will am Donnerstag Teamsport Deutschland nachgehen, die Interessengemeinschaft der fünf größten (Profi-)Mannschafts­sport­verbände. Von dem Treffen in Berlin erhoffe man sich «nicht nur einen Impuls in die Politik, sondern auch eine sichtbare Förderung für die Frauen, die einfach anders sein muss, weil die Clubs nicht die finanzielle Leistungskraft wie bei den Männern haben», sagte Andreas Michelmann, Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB), der dpa.

Unterschiedliche Ausgangspositionen in den Verbänden

Was genau «anders» heißt, ist noch zu diskutieren, das Ziel klingt aber erst mal ambitioniert: «Alle fünf Sportarten - Fußball, Handball, Basketball, Volleyball und Eishockey - haben sich vorgenommen, in den nächsten fünf Jahren verstärkt den Frauensport zu entwickeln», verspricht Michelmann. «Ob das umgesetzt wird, muss man sehen. Aber zumindest haben es sich alle vorgenommen.» Die Ausgangspositionen der Verbände unterscheiden sich indes stark.

In Michelmanns DHB, wo laut der jüngsten Bestandsaufnahme des Deutschen Olympischen Sportbundes knapp 38 Prozent der rund 720.000 Mitglieder weiblich sind, stehen bereits Reformen an. Die Clubs müssen ab der Saison 2024/25 einen Mindestetat von 500.000 Euro vorweisen, um professionellere Strukturen schaffen zu können. Und damit auch mehr Spannung?

In der Vorsaison lag der Zuschauerschnitt bei 773, die Länderspiele sind meistens nur im Internet zu sehen, Sponsoren rar. Einen Namenspartner sucht die Bundesliga schon seit ein, zwei Jahren vergeblich. Die Liga will nun einen neuen Modus, indem sie ab der nächsten Saison die Zahl der teilnehmenden Clubs von 14 auf zwölf reduziert und Meister-Playoffs einführt. «Wenn alles festgezurrt ist, der Meister früh feststeht, die Euro-League-Plätze ebenso früh vergeben sind, das Mittelfeld von Platz vier bis elf zementiert ist und am Ende drei Vereine einen oder zwei Absteiger ausspielen, ist das für die Spannung und Attraktivität einer Liga nicht förderlich», sagte Andreas Thiel, Vorsitzender der Liga unlängst im Fachmagazin «Handballwoche».

Trend im Frauenfußball stimmt

 Auch auf Verbandsebene tut sich etwas. Die Talentförderung wird ab 2025 zentralisiert. «Mittel- und langfristig wollen wir die Frauen zur Weltspitze befähigen, indem wir die besten Talente zunächst in Leipzig und Stuttgart konzentrieren. Darüber hinaus wird es drei Standorte geben, wo wir mit Bundesligavereinen kooperieren: Dortmund, Leverkusen und Buxtehude. Das sind die Clubs, die am dichtesten an dem dran sind, was wir uns vorstellen», erklärte Michelmann.

Hohe Ziele hat auch Königin Fußball. Zwar liegt der Anteil an weiblichen DFB-Mitgliedern lediglich bei knapp 16 Prozent - der Trend (plus 6,7 Prozent seit 2018) aber stimmt, und bis 2027 soll die Zahl der Trainerinnen, Spielerinnen und Schiedsrichterinnen um stolze 25 Prozent wachsen. Von rund einer Million Mädchen und Frauen in den Vereinen können die vier anderen Teamsportarten sowieso nur träumen.

Das verpflichtet zum Handeln, findet Sportsoziologin Petra Tzschoppe von der Universität Leipzig. «Wenn wir uns die Angebotsstrukturen beim Fußball anschauen: Bis heute gibt es für Jungs in jedem Dorf die Option Fußball zu spielen, während solche Angebote für Mädchen eben nicht flächendeckend da sind», kritisierte sie. 

Auch «Equal Pay», das der Handballbund schon eingeführt hat, «wäre ein deutliches Signal. In anderen Ländern ist die Diskussion schon erfolgreich gewesen, ob Spanien, Norwegen oder USA - die machen das.» Der DFB wirbt vor allem für «Equal Play», gleiche Spielbedingungen also, und setzt auf Aktionen wie den Tag des Mädchenfußballs. Veränderung brauche Zeit, wirbt der Verband um Geduld. 

Quantensprung im Fußball bei TV-Vertrag

Immer flotter entwickelt sich die Bundesliga, die im Fernsehen schick rüberkommt, verstärkt Social-Media-Plattformen nutzt und die Fans mit sogenannten Highlight-Spielen in die großen Stadien der Männer lockt. 19.000 Fans kamen am Samstag in die Allianz Arena des FC Bayern, über 21.000 ins Weserstadion des SV Werder - jeweils vereinsinterner Liga-Rekord.

Rekordverdächtig klingt der neue TV-Vertrag, der jährlich 5,17 Millionen Euro brutto bringt. Laut DFB erhöhen sich die Lizenzeinnahmen im Vergleich zur abgelaufenen Rechteperiode damit um das 16-fache. Ein Quantensprung. Katharina Kiel, Technische Direktorin von Eintracht Frankfurt, mahnte mit Blick auf die grundsätzliche Entwicklung dennoch: «Das ist ein Triathlon. Gefühlt sind wir gerade aus dem Wasser gestiegen, müssen noch aufs Fahrrad und auf die Rennstrecke.»

Für die drei kleineren der großen Teamsportarten gilt Ähnliches. Vor allem der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) kommt von ganz weit hinten. Gerade einmal zehn Prozent der rund 19.000 DEB-Mitglieder sind weiblich - und öffentlich kaum sichtbar. Das hat auch historische Gründe: «Beim Eishockey ist es, bezogen auf alte Rollenbilder, noch ausgeprägter als beim Fußball: Das ist ein noch robusteres, körperbetonteres Spiel; und Vorbilder haben Mädchen und Frauen auch keine, an denen sie sich orientieren könnten», erklärt Tzschoppe.

Frauen im Volleyball hätten es jedenfalls leichter gehabt, dort habe es «nicht diesen ganz großen Konflikt mit diesem traditionellen Frauenbild» gegeben, sagt Tzschoppe. Wohl kein Zufall also, dass knapp über die Hälfte der fast 400.000 Mitglieder des DVV weiblich sind und in Hochburgen wie Stuttgart oder Schwerin nicht Männer-, sondern ganz selbstverständlich Frauen-Teams die Lorbeeren einsammeln.

Davon können die Basketballerinnen nur träumen, der Rückstand auf Weltmeister-Kapitän Dennis Schröder und Co. ist immens. Hoffnung auf mehr Sichtbarkeit nähren Topstars wie Satou Sabally vom US-Club Dallas Wings und kommende Top-Events. 54.000 weibliche Mitglieder, die damit ein Viertel des Deutschen Basketball Bunds (DBB) ausmachen, dürfen sich 2025 auf eine EM-Vorrunde in Deutschland freuen, 2026 folgt die WM.

Dass es im hiesigen Ligabetrieb der DBBL gewaltig hapert, was Homepage, TV, Bezahlung oder Zuschauerzahlen angeht, führt Tzschoppe auch auf die Verbandsspitze zurück: «Salopp gesprochen: Sechs alte Jungs bilden das Präsidium - und die hatten bis vor kurzer Zeit mit Frauen- und Mädchen-Basketball nichts weiter am Hut.» Generell fehlten in Sportverbänden Frauen in Führungspositionen, auch das dürfte Thema für die Herren Funktionäre sein. Sofern die Förderung für Frauen künftig «sichtbar» und «anders» sein soll.

© dpa ⁄ Eric Dobias und David Joram, dpa
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