Carlsen weiter Champion: Fit mit Fußball und Basketball

10.12.2021 Magnus Carlsen hat die Titelverteidigung perfekt gemacht. Der Norweger hatte seinen überforderten Herausforderer klar im Griff. Nur zu Beginn des Duells spielte Jan Nepomnjaschtschi auf Augenhöhe.

Schach-Weltmeister Magnus Carlsen hat seinen Titel gegen Jan Nepomnjaschtschi erfolgreich verteidigt. Foto: Jon Gambrell/AP/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Wer Magnus Carlsen für einen kühlen, disziplinierten Rationalisten hält, liegt falsch.

Der Weltmeister, der seine Titelverteidigung in Dubai am Freitag vorzeitig perfekt machte, ist deshalb so gut im Schach, weil er es schafft, sowohl am königlichen Spiel als auch am Training und an der Vorbereitung Spaß zu haben. Das Auswendiglernen von Zugfolgen hält der Weltmeister deutlich kürzer als seine Rivalen. In Stellungen, von denen andere gelangweilt sind, findet er oft noch Details, die ihn auf die Gewinnerstraße bringen.

Vierte Titelverteidigung für Carlsen

In Dubai gelang dem Norweger in der elften Partie der vierte Sieg gegen seinen russischen Herausforderer Jan Nepomnjaschtschi, damit machte der während des WM-Duells 31 Jahre alt gewordene Carlsen in der auf 14 Partien angesetzten Weltmeisterschaft frühzeitig alles klar. Mit 7,5:3,5 verteidigte er seinen Titel bereits zum vierten Mal mit Erfolg.

Ihm gelang es öfter als seinem Gegner, präparierte Zugfolgen aufs Brett zu bringen. Mit einem klaren Vorteil aus der Eröffnung kam er aber nur in der zweiten Partie und vergab seine Chance durch ein Übersehen. Mindestens so wichtig wie seine Eröffnungsvorbereitung erwies sich seine mentale Stärke. Vor dem Match hatte Carlsen über seinen Gegner gesagt: «Es wird vielleicht seine größte Herausforderung, wie er Rückschläge wegsteckt.»

Anfangs spielte Nepomnjaschtschi auf Augenhöhe. Nach dem Remis in der fünften Partie äußerte er erstmals Unmut, weil er aus einer vorteilhaften Stellung nicht mehr gemacht habe. In der sechsten Partie erschwerte er sich durch einige unverständliche Entscheidungen die Verteidigung. Obwohl noch kurz vor Ende ein Remis drin war, musste sich der Russe nach fast acht Stunden Spielzeit und 136 Zügen geschlagen geben. Es war die nach Zügen längste Partie in der bis 1886 zurückreichenden Geschichte der Schachweltmeisterschaft.

Nach dieser strapaziösen Partie schaffte es der Herausforderer am folgenden Tag nicht, mit Weiß Druck zu machen. In der achten und neunten Partie unterliefen ihm dann schwere Patzer, wie sie auf höchstem Niveau sonst nicht zu sehen sind. Nepomnjaschtschi gab zu und leistete Abbitte, dass sein Spiel eines Großmeisters nicht würdig war.

Konzentration dank physischer Fitness

Carlsen dagegen blieb konzentriert, und das verdankt er auch seiner physischen Fitness. Am liebsten spielt er Fußball und Basketball, was auch an den spielfreien Tagen in Dubai für ihn auf dem Programm stand. Um nach Partien den Kopf frei zu kriegen, schaut er gerne Spiele der Premier League, La Liga oder NBA.

Seine bevorstehende Titelverteidigung ist auch eine gute Nachricht für die Play-Magnus-Firmengruppe, die seit Beginn der Pandemie stark expandiert hat und an die Osloer Börse gegangen ist. Sein Aktienpaket ist derzeit umgerechnet acht Millionen Euro wert.

Für Carlsen war es bereits der fünfte Sieg in einem WM-Kampf - und sein bestbezahlter: 1,2 Millionen Euro Preisgeld kassiert er als Champion, für Nepomnjaschtschi sind es 800 000 Euro. Der nächste Titelkampf ist für das Frühjahr 2023 geplant. Carlsens kommender Herausforderer soll im Spätsommer oder Herbst 2022 ermittelt werden.

Sechs Teilnehmer des nächsten WM-Kandidatenturniers, darunter Nepomnjaschtschi und Alireza Fioruzja, der mit 18 Jahren bereits Weltranglistenzweiter ist, stehen bereits fest. Zwei WM-Kandidaten werden noch beim Grand Grix von 3. Februar bis 4. April 2022 ermittelt. Zwei der drei Grand-Prix-Turniere werden am 3. bis 17. Februar und 21. März bis 4. April in Berlin stattfinden.

Notifikation der elften Partie:

Weiß: Jan Nepomnjaschtschi (Russland)
Schwarz: Magnus Carlsen (Norwegen)

11. WM-Partie, Italienisch

1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lc4 Sf6 4. d3 Lc5 5. c3 d6 6. O-O a5 7. Te1 La7 8. Sa3 h6 9. Sc2 O-O 10. Le3 Lxe3 11. Sxe3 Te8 12. a4 Le6 13. Lxe6 Txe6 14. Db3 b6 15. Tad1 Se7 16. h3 Dd7 17. Sh2 Td8 18. Shg4 Sxg4 19. hxg4 d5 20. d4 exd4 21. exd5 Te4 22. Dc2 Tf4 23. g3 dxe3 24. gxf4 Dxg4+ 25. Kf1 Dh3+ 26. Kg1 Sf5 27. d6 Sh4 28. fxe3 Dg3+ 29. Kf1 Sf3 30. Df2 Dh3+ 31. Dg2 Dxg2+ 32. Kxg2 Sxe1+ 33. Txe1 Txd6 34. Kf3 Td2 35. Tb1 g6 36. b4 axb4 37. Txb4 Ta2 38. Ke4 h5 39. Kd5 Tc2 40. Tb3 h4 41. Kc6 h3 42. Kxc7 h2 43. Tb1 Txc3+ 44. Kxb6 Tb3+ 45. Txb3 h1=D 46. a5 De4 47. Ka7 De7+ 48. Ka8 Kg7 49. Tb6 Dc5 0-1

Endstand: 7,5:3,5 für Carlsen

© dpa-infocom GmbH

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