WM-Finale ohne Deutschland-Achter - Nur Zeidler auf Kurs

Selbst das Paradeboot kann den negativen Trend der deutschen Ruderer nicht stoppen. Nach dem WM-Aus des Achters ruhen die DRV-Hoffnungen einzig auf Oliver Zeidler.
Im Deutschland-Achter hat es einen Corona-Fall gegeben. © Sven Hoppe/dpa

Noch lange nach dem bitteren WM-Aus verharrten die Ruderer aus dem Achter fast regungslos auf ihren Rollsitzen. Die Gewissheit, dass zum ersten Mal seit Peking 2008 das Finale eines Saisonhöhepunktes ohne deutsche Beteiligung stattfindet, sorgte für tiefen Frust.

Der dritte Platz im Hoffnungslauf der Titelkämpfe von Racice in Tschechien gut fünf Sekunden hinter den Niederlanden und den USA besiegelte den Knockout des einstigen DRV-Paradebootes. «Wir haben zu wenig PS an Bord. Dann reicht es nur für 900 Meter Kampf und nicht für 2000. Da gehen uns die Mittel aus und wir kämpfen mit stumpfen Waffen», klagte Steuermann Jonas Wiesen.

Corona-Fall im Achter

Wie schon drei Tage zuvor beim enttäuschenden vierten Rang im Vorlauf fuhren die Erfolgsgaranten der vergangenen Jahre der Weltspitze deutlich hinterher. Der kurzfristige Ausfall von Julian Garth nach einem positiven Corona-Test erwies sich als zusätzliches Handicap. Nur bis zur 1000-Meter-Marke war das DRV-Team konkurrenzfähig, verlor danach aber den Kontakt zu den beiden führenden Booten. «Der Abstand zur Weltspitze und den olympischen Qualifikationsplätzen ist sehr groß», bekannte Schlagmann Torben Johannesen, «wir haben ordentlich was aufzuholen und müssen im Winter enger zusammenrücken.»

Bei allem Frust über den Rückschlag warb Trainer Uwe Bender um Geduld mit der zu Saisonbeginn auf gleich sechs Positionen veränderten jungen Mannschaft. Er sieht keinen Anlass für einen weiteren massiven Umbau: «Die anderen haben uns die Grenzen aufgezeigt. Aber wir sind ein sehr junger Achter, der noch nicht auf dem Niveau ist. Bei uns sitzen fünf Ruderer aus der U 23-Altersklasse im Boot.»

Zeidler im Einer auf Medaillenkurs

Anders als der Achter bescherte Oliver Zeidler der DRV-Flotte einen seltenen WM-Lichtblick. Mit seinem souveränen Halbfinal-Sieg über Graeme Thomas (Großbritannien) und Jordan Parry (Neuseeland) untermauerte der Weltmeister von 2019 aus München seinen Anspruch auf eine Medaille. Der famose Auftritt schürte seine Vorfreude auf den Skiff-Showdwn am Sonntag (14.44 Uhr): «Jeder wird mit dem Messer im Mund im Boot sitzen», kommentierte Zeidler mit Verweis auf die engen Abstände in der Weltspitze.

Zeidler ist der letzte verbliebene Trumpf des DRV in den Endläufen der olympischen Wettkampfklassen. Zwar steht noch der Frauen-Doppelzweier in den Finals der 14 olympischen Klassen, dürfte als Halbfinal-Dritter aber kaum Medaillenchancen haben. Obwohl Zeidler am Freitag die beste Einer-Zeit fuhr, gab er die Favoritenrolle an Europameister Melvin Twellaar (Niederlande) weiter, gegen den er das Viertelfinale verloren hatte. «Melvin ist hier bisher ungeschlagen. Aber genauso wie 2019, als ich Weltmeister geworden bin, können alle sechs Finalisten den Titel gewinnen.»

Dagegen ist der Traum von einem Podestplatz für Alexandra Föster zu Ende. Die erst 20 Jahre alte Ruderin aus Meschede, die in dieser Saison mit dem Weltcup-Sieg in Luzern und mit dem dritten Rang bei der Heim-EM von München überrascht hatte, verpasste trotz eines beherzten Schlussspurts als Vierte das Finale. «Anders als in Luzern und München war der Spurt von Alex dieses Mal zu wenig. Letztlich war es in diesem bisher so guten Jahr das schwächste Rennen - leider zum Saisonhöhepunkt», sagte Föster-Trainer Sebastian Kleinsorgen.

© dpa
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