«Neue Wege gehen»: DOSB forciert nächsten Olympia-Anlauf

Für eine deutsche Bewerbung um Winter-Olympia 2030 ist es «zu spät», sagt DOSB-Präsident Thomas Weikert. Den nächsten Anlauf für Spiele in Deutschland hat der Dachverband aber fest eingeplant.
DOSB-Präsident Thomas Weikert will mehr Dialog mit der Bevölkerung. © Tom Weller/dpa/Archivbild

Mit langem Atem wollen die Spitzen des Sports die Olympia-Stimmung in Deutschland drehen und einen neuen Anlauf für eine Spiele-Bewerbung starten.

«Wir wollen und werden in den nächsten Monaten neue Wege gehen und es anders machen als bei vielen Versuchen in der Vergangenheit», sagte Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds, im Sportausschuss des Bundestags. «Aus voller Überzeugung» werde sich die DOSB-Führung für eine weitere Kandidatur einsetzen, will dabei aber die Fehler bei den zuletzt serienweise gescheiterten Versuchen vermeiden.

Olympia-Bewerbung «nicht um jeden Preis»

«Wir wollen den Versuch nicht um jeden Preis», beteuerte Weikert. Wenn jedoch die DOSB-Mitgliederversammlung im Dezember ihre Zustimmung gebe, will der Dachverband in einen breiten Dialog mit möglichst vielen gesellschaftlichen Gruppen eintreten. «Die Menschen müssen mitgenommen und gehört werden. Nur dann kann ein solcher Prozess erfolgreich sein», sagte der Verbandschef.

Eine Bewerbung um die nächsten noch offenen Spiele, Winter-Olympia 2030, hat Weikert jedoch schon abgeschrieben. «2030 ist zu spät. Da ist alles schon in der Mache», sagte der DOSB-Chef. In Frage für einen neuen deutschen Anlauf für Olympia und Paralympics kämen die Winterspiele 2034 und die Sommerspiele 2036, fügte Weikert hinzu.

Die Anti-Korruptionsexpertin Sylvia Schenk warnte vor einem übereilten Bewerbungsversuch. «Wir sind nicht olympiareif. Wir müssen dringend ins Training einsteigen und uns einen guten Trainingsplan machen», sagte die Leiterin der Arbeitsgruppe Sport von Transparency International. Der deutsche Sport sei «nicht auf der Höhe der Zeit» und international nicht gut genug aufgestellt. Nötig sei ein «Crashkurs in Sachen Nachhaltigkeit», auch bei den Menschenrechtskonzepten hinke der deutsche Sport «weit hinterher».

Bisher große Skepsis - Euphorie in München

Weikert konterte: «Wir haben einen Trainingsplan.» Er räumte allerdings ein, dass die Skepsis in Deutschland gegenüber sportlichen Großveranstaltungen derzeit tief verwurzelt sei. «Die jüngsten Spiele von Peking und die Fußball-WM in Katar sind nicht gerade dazu geeignet, die Kritiker von Sportgroßveranstaltungen in Deutschland zu überzeugen», sagte der 60-Jährige.

Der DOSB wolle sich auch nicht «von temporären Begeisterungsstürmen ablenken» lassen, wie es sie zuletzt um die gelungene Multi-EM in München gegeben habe. «Es wäre für den DOSB ein Leichtes gewesen, die Welle der Begeisterung zu reiten», sagte Weikert mit Blick auf jüngste Rufe nach einer Olympia-Bewerbung.

Siebenmal waren deutsche Olympia-Bewerbungen zuletzt ohne Erfolg geblieben, auch weil die Bürger dagegen waren - etwa beim Bemühen um die Winterspiele für 2022 mit München und um die Sommerspiele für 2024 mit Hamburg. Michael Mronz, Mitbegründer der Initiative für Spiele an Rhein und Ruhr, verwies auf den Erfolg der Werbekampagne für die Fußball-WM 2006: «Die Menschen haben das Sommermärchen gemacht.» Olympia sei «ein Dekadenprojekt mit der Chance, notwendige Investitionen in den Sport zu aktivieren».

Die frühere Sport-Spitzenfunktionärin Schenk hält die aktuellen Konzepte jedoch für nicht zukunftsfähig. «Olympische Spiele werden ganz anders aussehen, als wir uns das jetzt vorstellen», sagte die 70-Jährige. Nur mit einem «völlig neuen Konzept von Städten und Sportstätten» könne man überzeugend wirken. «Da muss Butter bei die Fische, sonst reicht es nicht», sagte Schenk.

© dpa
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