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Jan Ullrich - Aufstieg und Fall eines deutschen Sporthelden

Der Tour-de-France-Champion von 1997 ist im Himmel und in der Hölle, wie er selbst sagt. In einer Dokumentation will er mit seinem bewegten Leben aufräumen.
Jan Ullrich
Der ehemalige deutsche Radrennfahrer Jan Ullrich wird im Dezember 50 Jahre alt. © Gian Ehrenzeller/Keystone/dpa

Als Jan Ullrich an jenem Sommertag am 15. Juli 1997 schier unwiderstehlich die Rampen nach Andorra-Arcalis hinaufstürmt, ist ganz Deutschland plötzlich im Radsport-Fieber. Der sympathische Junge aus Rostock mit den rotblonden Haaren und den Sommersprossen im Gesicht schnappt sich das Gelbe Trikot bei der Tour de France und zieht es bis Paris nicht mehr aus. «Voilà le Patron», titelt das Tour-Organ «L'Équipe», vom «Boris Becker des Radsports» ist die Rede.

Erfolgsgeschichte und packende Duelle mit Armstrong

Fortan versammeln sich jedes Jahr im Juli Millionen Menschen vor dem Fernseher und leiden stundenlang mit Ullrich, wenn es die Bergriesen in den Alpen und den Pyrenäen hinaufgeht. Sponsoren und Veranstalter stehen Schlange. Ullrich ist Everybody's Darling, der Popstar auf zwei Rädern. Der Kumpeltyp, der im Winter auch mal gerne über die Stränge schlägt und ein paar Pfunde zu viel mit sich herumschleppt.

Es folgen packende Duelle mit seinem großen Widersacher Lance Armstrong, der aber am Ende immer etwas schneller ist. Siebenmal gewinnt der wie besessene und vom Krebs geheilte Texaner die Frankreich-Rundfahrt, mit unerlaubten Mitteln, wie sich später herausstellt. Ullrichs Beliebtheit soll darunter nicht leiden. Neben seinem Gesamtsieg 1997 fährt Ullrich fünfmal bei der Tour auf den zweiten Platz. Er wird Weltmeister und Olympiasieger.

Karriereende nach Fuentes-Skandal

Als Ullrich nach Armstrongs Karriereende 2006 noch einmal einen Angriff auf den Tour-Thron unternimmt, schlagen Berichte aus Spanien über die großangelegte «Operacion Puerto» hohe Wellen. Ullrich wird als Kunde des Doping-Arztes Eufemiano Fuentes enttarnt und noch vor der Tour aus dem Starterfeld genommen. Sein T-Mobile-Team zieht die Notbremse, Ullrichs Karriere ist mit einem Schlag beendet. Viele seiner ehemaligen Teamkollegen wie Erik Zabel oder Rolf Aldag legen ein Doping-Geständnis ab. Von Ullrich gibt es immer nur den gleichen Satz zu hören: «Ich habe niemanden betrogen.» Er schweigt - womöglich aus Angst vor den finanziellen Folgen.

Ullrich zieht sich zurück. 2010 teilt er auf seiner Homepage mit, dass er unter einem Burnout-Syndrom leide. Sportjuristisch wird sein Fall 2012 mit einer Sperre durch den Internationalen Sportgerichtshof Cas abgeschlossen, ihm werden alle Erfolge vom 1. Mai 2005 an aberkannt. Kurz darauf räumt Ullrich zumindest die Fuentes-Behandlungen in einem «Focus»-Interview ein. Unterdessen wird ihm in einem Report der Anti-Doping-Kommission des französischen Senats aus dem Jahr 2013 der Gebrauch von Epo bei der Tour 1998 nachgewiesen, was sportrechtlich keine Relevanz mehr hat.

Absturz auf Mallorca

Ullrichs Name wird bei Medien, Sponsoren und Veranstaltern geächtet. So hoch er einst gejubelt wurde, so tief kommt nun sein Fall. Nur für die Fans ist er weiterhin der volksnahe «Ulle», der noch 2017 beim Tour-Abstecher in Deutschland am Straßenrand gefeiert wird. Mit seiner Frau und den Kindern zieht Ullrich nach Mallorca, doch nach 13 Jahren zerbricht das Ehe-Glück.

Ullrich umgibt sich mit zwielichtigen Typen, Kokain und Whiskey bestimmen sein Leben. Nach einem Streit mit Nachbar und TV-Star Til Schweiger landet Ullrich für eine Nacht im Knast und wenig später in der Privatklinik für Suchterkrankungen. Einer der ersten Besucher ist Armstrong, der seinem alten Rivalen hilft.

Neuanfang in Deutschland

Ullrich kehrt nach Deutschland zurück, lebt in der Abgeschiedenheit von Merdingen, in der Nähe zu seinen vier Kindern. Sein bewegtes Leben will er hinter sich lassen. «Ich war im Himmel, und ich war in der Hölle. Jetzt bin ich zurück auf der Erde, auf dem Weg in die Mitte», sagt Ullrich dem «Stern». Im Dezember wird er 50 Jahre alt. Vorher will er in der Dokumention «Jan Ullrich - Der Gejagte», die ab 28. November bei Amazon Prime zu sehen ist, erzählen, wie alles gewesen ist. Einen Schritt, den er wohl besser vor 17 Jahren gemacht hätte. 

© dpa ⁄ Stefan Tabeling und Manuel Schwarz, dpa
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