Boxverband mit Kremlew und Gazprom in der Klemme

Der Boxweltverband IBA behält seinen russischen Präsidenten und auch Sponsor Gazprom. Einerseits gibt es deutliche Fortschritte im Verband, andererseits das Russland-Problem. Die olympische Zukunft des Boxens steht auf dem Spiel.
Umar Kremlew bleibt Präsident des Boxweltverbandes AIBA. © Alexander Zemlianichenko/AP/dpa

Der Boxweltverband IBA steckt in einer bösen Klemme und weiß nicht, ob er eine Zukunft hat. Grund ist die Wiederwahl des russischen Präsidenten Umar Kremlew für die nächsten vier Jahre und das damit verbundene Festhalten an Hauptsponsor Gazprom.

Schon allein der Wahlakt in Istanbul hat Kritiker auf den Plan gerufen. Kremlew wurde als einziger Kandidat per Akklamation in seinem Amt bestätigt. Der einzige Gegenkandidat, der Niederländer Boris van der Vorst, war zwei Tage zuvor von einer unabhängigen Überprüfungskommission als nicht wählbar eingestuft und damit nicht zur Wahl zugelassen worden. Eine Abstimmung per Akklamation ist laut Statuten rechtmäßig, wenn es keinen Gegenkandidaten gibt.

Ungewisse Zukunft

Die Zukunft IBA, die früher mal AIBA hieß, aber das Wort Amateure aus ihrer Verbandsbezeichnung strich und sich stattdessen olympisches Boxen nennt, steht auf dem Spiel. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) drohte bereits, Boxen bei den Spielen 2028 in Los Angeles zu streichen, falls es keine Reformen im Verband gebe.

Vor dem Hintergrund des russischen Krieges in der Ukraine verschärft die Wiederwahl Kremlews das IBA-Problem, während im Weltsport Russland isoliert und die Trennung von russischen Oligarchen und Sponsoren vorangetrieben wird. Das werde «Fragen und Zweifel an der Führung der IBA verstärken», ließ das IOC nun mitteilen. 2019 hatte die Weltregierung des Sports die IBA suspendiert. Gründe waren Manipulationen von Kampfurteilen, undurchsichtige Finanzgebaren und zwielichtige Führungspersönlichkeiten wie der Usbeke Gafur Rachimow, dem internationale Drogenschäfte nachgesagt wurden.

Die IBA lechzt nach Rettern. Mit dem Geld von Gazprom sind die auf 16 Millionen Euro taxierten Schulden des Verbandes getilgt worden. Neuerdings werden bei Weltmeisterschaften Prämien gezahlt. 2,4 Millionen Euro erhalten die Medaillengewinnerinnen in zwölf Gewichtsklassen bei der gegenwärtig laufenden Frauen-WM in Istanbul. Die 204 nationalen Boxverbände erhalten finanzielle Unterstützung.

Mit der neuen Satzung unter Mitwirkung international geachteter Rechtswissenschaftler, der Einbeziehung von Chefermittler Richard McLaren und seinem Team zur Aufarbeitung von Rechtsbrüchen einerseits und für die Überprüfung und Nominierung von unbestechlichen Kampfrichtern andererseits sowie der Verpflichtung des weltweit renommierten Wirtschaftsprüfungsunternehmens Pricewaterhouse Cooper für eine transparente Finanzpolitik sind wesentliche Forderungen des IOC erfüllt worden. Ex-Präsident Rachimow ist längst entmachtet, der alte Vorstand mit 28 Funktionären wurde am Samstag beim Wahlkongress abgelöst und durch unbelastete Kandidaten, überprüft von einer internationalen Kommission, ersetzt.

Keine Reaktion vom IOC

«Offiziell hat sich niemand vom IOC zu Kremlew geäußert. Wir wollen endlich klare Aussagen. Hätte das IOC klipp und klar gesagt: Wählt ihr wieder Kremlew, bleibt Boxen suspendiert und wird nicht gefördert, hätte Kremlew keine Stimme gekriegt», sagte Michael Müller, Sportdirektor des Deutschen Boxsport-Verbandes.

An der verfahrenen Situation trägt das IOC Mitschuld. Jahrelang ließ man den im IOC als ehrenwert hofierten Ex-Präsidenten Wu Ching-Kuo schalten und walten. Unter Führung des Taiwaners sollen bis zu 30 Millionen Dollar an Schulden angehäuft worden sein. Die AIBA war pleite, Sponsoreneinnahmen und IOC-Gelder unauffindbar.

Seit drei Jahren ist der Verband suspendiert, muss sich Geldgeber suchen, um überleben zu können. Die Sponsoren stehen nicht Schlange. Das IOC hat rund 30 Millionen Dollar eingefroren, die der IBA aus den vergangenen olympischen Zyklen zustehen. Würde das Geld freigegeben, brauchte der Verband Gazprom nicht. «Wir haben jetzt eine der besten Satzungen der Welt, wir haben überall neue Köpfe, wir haben ein Top-Kampfrichtersystem, wir lassen uns von außen überwachen. Man muss doch die Fortschritte anerkennen», sagte Müller.

© dpa
Weitere News
Top News
Fußball news
Nations League: WM-Zweifel bleiben nach 3:3 gegen England
Musik news
Band: Keyboarder von Wanda stirbt kurz vor Albumveröffentlichung
People news
Herzog von Norfolk: Organisator des Queen-Begräbnisses muss Führerschein abgeben
Tv & kino
Featured: Black Adam: Wann kannst Du die Comicverfilmung mit The Rock streamen?
Familie
Nicht zu bitter, bitte!: Wie Sie zarten Chicorée erkennen
Auto news
Eiskalte Tipps: So kommt das Auto gut durch den Winter
Das beste netz deutschlands
Featured: iPhone 14 einrichten: Die wichtigsten Tipps zum Start
Handy ratgeber & tests
Featured: iOS 16: Diese Sperrbildschirm-Widgets sind in Planung oder schon da
Empfehlungen der Redaktion
Sport news
Sportpolitik: IOC erneuert Kritik an Boxverband: «Keine gute Führung»
Sport news
Boxen: Cas hebt Ausschluss von vier Box-Funktionären bei Wahlen auf
Sport news
Box-Weltverband: IOC entzieht IBA Zuständigkeit für Olympia-Turnier
Sport news
IBA: Verwunderung im Box-Weltverband nach IOC-Vorwürfen
Sport news
Ärger wegen Ukraine-Ausschluss: Russe Kremlew bleibt Präsident des Box-Weltverbands
Sport news
Maßnahmen gegen die IBA: IOC verärgert: Keine Reformbemühungen beim Box-Weltverband
Sport news
IBA: Box-Weltverband suspendiert Ukraine - Protest-Brief aus Kiew
Sport news
Olympia: IOC verschiebt Session in Mumbai wegen Streit in Indien