«One Love»-Kapitänsbinde als «reine Symbolik» kritisiert

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat die Kapitänsbinde der deutschen Fußball-Nationalmannschaft mit der Aufschrift «One Love» als «reine Symbolik» kritisiert. Das sei einfach nur so ein Zeichen, sagte Deutschland-Direktor Wenzel Michalski dem TV-Sender Sky. «Das ist ja kein politisches Statement, sondern man möchte darum herumkommen, die Regenbogenfahne zu tragen», urteilte er. Deswegen habe man sich dann sowas anderes ausgedacht. «Es wirkt ein bisschen unbeholfen, muss ich sagen», befand Michalski.
Deutschlands Joshua Kimmich trägt die spezielle Kapitänsbinde mit der Aufschrift «One Love». © Federico Gambarini/dpa

Nationaltorhüter Manuel Neuer wird die deutsche Mannschaft bei der WM in Katar als Zeichen gegen Diskriminierung und für Vielfalt mit dieser speziellen Kapitänsbinde anführen. Auch beim abschließenden Nations-League-Spiel an diesem Montag (20.45 Uhr/RTL) in London gegen England soll der Stellvertreter für den wegen eines positiven Corona-Tests fehlenden Neuer wieder die «One Love»-Binde tragen.

DFB-Präsident Bernd Neuendorf hatte sich vor der Premiere der Kapitänsbinde bei der 0:1-Niederlage der deutschen Mannschaft gegen Ungarn gegen Kritik gewehrt. «Es ist ein Zeichen für Vielfalt und Offenheit und Toleranz, nicht nur für die LGBTIQ-Szene, sondern auch für Frauenrechte, für Meinungsfreiheit, für Arbeitnehmerrechte», hatte er im ZDF gesagt. «Das alles bildet diese Binde ab, und es ist insofern eine Binde, die für die Werte steht, für die auch der DFB steht.»

Die Rechtslage für Angehörige der LGBTIQ*-Community in Katar steht derzeit im Zentrum der Kritik - mehr noch als die bedenkliche Lage für Gastarbeiter. Vertreter der LGBTIQ*-Community raten bislang von einer Reise nach Katar ab. Die englische Abkürzung steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans-Menschen, intergeschlechtliche sowie queere Menschen. Das Sternchen ist Platzhalter für weitere Identitäten und Geschlechter.

Auf der anderen Seite lobte Michalski aber auch das Engagement des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Zusammenhang mit der WM für Menschenrechte. Dass der Verband einen Wiedergutmachungsfonds zugunsten der Familien von Opfern auf den Baustellen für die WM unterstütze, «ist eine tolle Sache», sagte Michalski. Und weiter: «Ich glaube, der DFB hat einen großen Schritt voran gemacht, jetzt in den letzten Wochen und Monaten. Aber es hat unglaublich lange gedauert.»

© dpa
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