Düstere Kerber- und Damen-Bilanz bei Australien Open

18.01.2022 Angelique Kerber scheitert an ihrem 34. Geburtstag als letzte deutsche Tennisspielerin bei den Australian Open. Wie bei den French Open 2021 steht keine bei den Damen in der zweiten Runde.

Mit einem Blumenstrauß als Geburtstagsgeschenk in der Hand konnte Angelique Kerber trotz ihres ernüchternden Erstrunden-Scheiterns bei den Australian Open wieder lächeln.

«Nicht das Ergebnis, auf das ich auf dem Platz heute gehofft habe, aber ich werde trotzdem heute Abend ein bisschen feiern», schrieb die seit Dienstag 34-Jährige wenige Stunden nach ihrem 4:6, 3:6 gegen die Estin Kaia Kanepi in einem Gruß an ihre Fans auf Instagram.

Schon kurz nachdem mit ihrem Aus die schlechste Damen-Bilanz bei den Australian Open seit 45 Jahren festgestanden hatte, blickte die deutsche Nummer eins kämpferisch in die Zukunft. «Ich spiele immer noch mit Leidenschaft Tennis. Ich hoffe, dass ich immer noch den einen oder anderen Sieg und Titel mit nach Hause bringen kann», sagte die Kielerin, als sie als letzte deutsche Tennisspielerin in Melbourne ausgeschieden war.

Auch Petkovic und Maria scheitern

Keine von anfangs ohnehin nur drei Damen ist damit beim ersten Grand-Slam-Turnier in der zweiten Runde mehr vertreten. Seit 1977 war das in Down Under nicht mehr der Fall gewesen, als zu ganz anderen Tennis-Zeiten mehrheitlich Australierinnen bei den Australian Open dabei waren und eine Deutsche von Beginn an im Tableau fehlte.

Wenn man auf alle Grand-Slam-Turniere blickt, muss man für dieses Resultat überhaupt nicht lange zurückblättern: Erst im vergangenen Jahr war bei den French Open in Paris ebenfalls für alle deutschen Damen in Runde eins Schluss gewesen. Hinter der goldenen Generation um Kerber klafft eine eklatante Lücke, das bestätigte sich nun einmal mehr. Ihr Schicksal teilte die dreimalige Grand-Slam-Siegerin diesmal mit Andrea Petkovic (34) und Tatjana Maria (34).

«Das tut natürlich weh», sagte Eurosport-Experte Boris Becker. Aus deutscher Sicht wären mehr Spielerinnen und Spieler in der zweiten Runde schön gewesen. «Aber so ist es nun mal. Bei den Herren bin ich ganz zuversichtlich - da geht auch noch mehr», sagte Becker.

Wenn Alexander Zverev am Mittwoch (2. Spiel nach 9.00 Uhr/Eurosport) gegen den Australier John Millman seine Titel-Hoffnungen wahren will, kann Kerber auch dann noch ihren Geburtstag nachfeiern. «Ich denke, dass die Gesundheit momentan das Allerwichtigste ist», antwortete die Nummer 20 der Welt auf die Frage nach ihren Wünschen zum Ehrentag.

Fehlende Matchpraxis

Das Coronavirus hatte ihr im Dezember einen Strich durch ihre Vorbereitungspläne gemacht. Sie habe Fieber gehabt, auch keinen Geschmack, sie habe sogar um ihre Teilnahme an den Australian Open gebangt. Sie sei mit niedrigen Erwartungen nach Melbourne gereist, hatte sie ein paar Tage vor dem viel zu fehlerhaften Auftritt mit häufigem Zaudern und zu seltenen gelungenen Schlägen berichtet.

Gegen die 36-jährige Kanepi, die ihre besten Zeiten hinter sich hat, spürte sie fehlende Trainingsstunden. «Corona-Folgen habe ich jetzt nicht gemerkt, aber ich habe gemerkt, dass ich vielleicht einen Schritt zu langsam war, zu leichte Fehler gemacht habe. Natürlich hat mir die Matchpraxis gefehlt», erklärte sie. «Es war auf jeden Fall nicht mein bestes Tennis.»

Sechs Jahre ist es inzwischen her, dass ihr erster von mittlerweile drei Grand-Slam-Titeln eine traumhafte Saison 2016 einläutete. Jetzt war für die Linkshänderin zum zweiten Mal nacheinander Down Under in der ersten Runde Schluss. 2021 hatte sie wegen Corona kurz zuvor zwei Wochen in strikter Quarantäne verbracht. Dass ihr an guten Tagen aber noch immer Erfolge bei den Grand-Slam-Events zuzutrauen sind, hatte sie im vergangenen Sommer mit dem Halbfinale in Wimbledon gezeigt.

Dennoch stellt sich bei Kerber immer öfter die Frage nach dem Karriereende. Ähnlich wie bei den Herren bei Philipp Kohlschreiber. Während Jan-Lennard Struff (gegen den Niederländer Botic van de Zandschulp) und Maximilian Marterer (gegen Taylor Fritz aus den USA) wie Kerber am zweiten Turniertag scheiterten, sicherte sich der Routinier eine zweite Herausforderung. Dank des 6:4, 7:5, 7:6 (7:0) gegen den Italiener Marco Cecchinato zog der Augsburger als fünfter Deutscher bei den Herren in die zweite Runde ein.

«Ich habe hier sicherlich ein paar tolle Momente für das Turnier mitgeschrieben oder auch für mich», erinnerte sich der 38-Jährige an all seine Teilnahmen in Australien seit 2005. Völlig außer Reichweite scheint ein Sieg gegen den an 15 gesetzten Spanier Roberto Bautista Agut für ihm am Donnerstag nicht zu sein. Und bis Wimbledon wil Kohlschreiber auf jeden Fall «Vollgas geben».

© dpa-infocom GmbH

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