Frodeno zu Unfall bei Ironman-EM: «Es war chaotisch»

Der vierte Platz Jan Frodeno in dessen letzten Profi-Rennen in Deutschland interessiert nur noch am Rande. Der Tod des Fahrers eines Begleitmotorrads legt sich wie ein Schatten auf die Ironman-EM.
Ironman-EM
Denis Chevrot

Der tödliche Unfall bei der Ironman-Europameisterschaft in Hamburg schockte auch Jan Frodeno. Der dreimalige Weltmeister war Augenzeuge, als bei einem Frontalzusammenstoß eines Begleitmotorrads mit einem Amateur-Triathleten auf der Radstrecke der Motorrad-Pilot starb.

«Da ist alles andere zweit, dritt- oder fünftrangig. Mein ganz herzliches Beileid an die Verbliebenen», sagte der deutsche Triathlon-Superstar. Frodeno hatte vom Ausmaß des Unfalls erst erfahren, nachdem er als Vierter mit mehr als fünf Minuten Abstand auf den alten und neuen Europameister Denis Chevrot aus Frankreich das Ziel auf dem Rathausmarkt erreicht hatte. «Es war so chaotisch. Ich habe gerade erst gehört, dass der Motorradfahrer verstorben ist. Ich war direkt neben dran und habe das Fahrrad gefühlt in tausend Teile zerspringen sehen», berichtete Frodeno. «Ich habe mich umgedreht und den Motorradfahrer am Boden gesehen und dachte mir, das kann nicht gut sein.»  

Der Unfall geschah 2:25 Stunden nach dem Start auf einer geraden Strecke parallel zu einem Deich im Hamburger Stadtteil Ochsenwerder. Der Livestream bei ironman.com zeigte, dass der Motorradfahrer mit einem Fotografen auf seiner Maschine andere Motorräder überholte und dann mit dem Sportler kollidierte.  

Der Motorradfahrer starb noch am Unfallort

Von den Organisatoren kam erst Stunden nach der Tragödie ein Statement. «Mit großem Bedauern müssen wir den Tod des Motorradfahrers aufgrund eines schwerwiegenden medizinischen Ereignisses bestätigen», hieß es von der in Tampa (Florida) ansässigen Organisation World Triathlon Corporation. «Unsere Gedanken und Sorge sind bei der Familie, die wir in dieser schwierigen Zeit so gut wie möglich unterstützen werden.»

Der WTC gehört die Marke Ironman. Sie vermarktet sie weltweit. Der Chef von Ironman Germany, Oliver Schiek, sagte nichts und verwies auf die WTC-Mitteilung. Ironman arbeite weiter mit den örtlichen Behörden an der Lösung der Situation, war in der Stellungnahme weiter zu lesen. «Die Gesundheit und das Wohlbefinden aller an der Veranstaltung Beteiligten stehen an erster Stelle, und wir werden weiterhin gemeinsam mit allen Beteiligten eine möglichst sichere Veranstaltung organisieren.»

Die Polizei teilte mit, dass der 70 Jahre alte Motorradfahrer noch am Unfallort starb, der Sportler (26) schwer verletzt wurde. Der Kameramann (50) auf dem Motorrad habe einen Schock erlitten und sei wie der Triathlet in ein Krankenhaus gebracht worden.

Frodeno: «Falsche Zeit, um Kritik zu äußern» 

«Hintergründe des Zusammenstoßes - ob das medizinisch vorbedingt war beim Kradfahrer - sind rein spekulativ», hatte der Einsatzleiter schon zuvor der ARD-«Sportschau» gesagt. «Ob es ein Ausweichverhalten gab, ist eigentlich fast nicht zu erklären, weil es eine gerade Strecke ist. Eigentlich ein unspektakulärer Streckenverlauf für diesen Bereich.» 

Frodeno wollte nicht direkt Kritik üben. «Es ist vielleicht die falsche Zeit, um Kritik zu äußern», sagte er - um dann doch deutlicher zu werden. «Rein sportlich gesehen war es nicht fair, weil die Motorräder einfach viel zu nahe dran waren», sagte Frodeno. «Das war eine völlige Farce. Und dann auch noch mit dem Gegenverkehr.»

Es sei einfach so unfassbar eng gewesen, «da dürfen keine Motorräder sein», meinte er weiter. «Ich weiß, dass es immer medial begleitet werden muss, aber die Athletensicherheit muss irgendwie vorgehen».

Nachdem die Unfallstelle abgesperrt worden war, gab es die absurde Szene, dass die Triathleten ihre Fahrräder über den Deich vorbeitragen mussten. Das Rennen wurde trotz des Vorfalls nicht abgebrochen. Die Entscheidung fällte die World Triathlon Corporation in den USA.

Kritik in den sozialen Medien

In den sozialen Medien gab es an der Entscheidung Kritik. Die geplante Party nach dem Rennen wurde abgesagt. Die ARD brach unmittelbar nach dem Interview mit dem Polizei-Einsatzleiter ihre Live-Übertragung ab.

Angesichts der Tragik geriet das letzte Profi-Rennen von Frodeno in Deutschland in den Hintergrund. Der 41 Jahre alte Olympiasieger von 2008 hatte im Schwimmen und auf dem Rad immer in der Führungsgruppe gelegen. Beim abschließenden Marathonlauf - unter anderem um die Alster - war der gebürtige Kölner lange in Führung.

Nach der Hälfte der Marathonstrecke überholte ihn Chevrot. Wenige Kilometer vor dem Ziel musste er auch noch Belgier Pieter Heermeryck und dem Dänen Kristian Hogenhaug ziehen lassen. Für ihn war es das Comeback nach langer Verletzungspause. Frodenos Ziel ist die WM im September in Nizza. In Hamburg waren aber plötzlich andere Dinge wichtiger.

© dpa ⁄ Claas Hennig und Markus Tischler, dpa
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