Fünf Schlaglichter zur 109. Tour de France

Gelbes Trikot, Bergtrikot und vier Etappensiege: Das kleine Dänemark beherrscht die Tour de France. Ein bisschen Ruhm fährt auch Simon Geschke ein. Für die Gastgeber verlief die Rundfahrt ernüchternd.
Von Emotionen überwältigt: Dem Dänen Jonas Vingegaard ist der Sieg der 109. Tour de France sicher. © Tim De Waele/Pool Getty Images via AP/dpa

Nach 3343,8 Kilometern endet die 109. Tour de France heute auf dem Pariser Prachtboulevard Champs Élysees.

Erstmals seit 26 Jahren fährt in Jonas Vingegaard wieder ein dänischer Radprofi im Gelben Trikot durch die französische Hauptstadt. Die deutschen Fahrer holten zwar keinen Etappensieg, dafür war Routinier Simon Geschke fast zwei Wochen im Bergtrikot unterwegs.

Danish Dynamite:

Der Grand Départ fand schon stimmungsvoll in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen statt. Mit dem Rückenwind aus der Heimat lieferten die dänischen Fahrer ein Spektakel ab. Jonas Vingegaard schnappte sich auf dem Col du Granon das Gelbe Trikot von Tour-Champion Tadej Pogacar und gab es nicht mehr her, zur Krönung gewann er auch die Bergankunft in Hautacam. Erstmals seit Bjarne Riis 1996 erreicht wieder ein Däne in Gelb Paris. Doch damit nicht genug: Magnus Cort Nielsen trug erst das Bergtrikot und gewann dann die Etappe nach Megeve. Dazu holte sich Ex-Weltmeister Mads Pedersen den Tagessieg in Saint-Etienne.

Wundersame Reise im Bergtrikot:

Eher zufällig schlüpfte Simon Geschke ins Bergtrikot, das er dann nicht mehr hergeben wollte. Mit großem Kämpferherz verteidigte der Mann mit dem Vollbart den rotgepunkteten Dress über die Alpen, durch das Zentralmassiv bis in die Pyrenäen. Ständig ging er in Fluchtgruppen und sammelte Punkte. Auf der letzten Bergetappe war er mit seiner Kraft am Ende und wurde nach neun Tagen von Patron Vingegaard abgelöst. Aus war der Traum vom ersten deutschen Bergkönig in Paris. Dass er das Trikot als Stellvertreter von Vingegaard trotzdem bis nach Paris tragen musste, war ihm eher unangenehm.

Der belgische Alleskönner:

Was kann dieser Mann eigentlich nicht? Als Vingegaard auf der Kopfsteinpflaster-Etappe nach einem Defekt abgehängt war, führte ihn Teamkollege Wout van Aert mit einem beeindruckenden Ritt wieder nah an Pogacar heran. Auch bei der Bergankunft in Hautacam war er die Lokomotive für seinen Kapitän, so dass dieser nur vollenden musste. Die Etappe nach Calais gewann der frühere Cross-Weltmeister im Alleingang, in Lausanne sprintete van Aert zum Sieg. Und ein Weltklasse-Zeitfahrer ist der Belgier auch noch, wie er mit seinem Sieg am Samstag demonstrierte. Der inzwischen lebenslang gesperrte Ex-Tour-Dominator Lance Armstrong traut ihm auch den Gesamtsieg zu. In diesem Jahr erreichte van Aert im Grünen Trikot des Punktbesten Paris.

Krise der Gastgeber:

Das war knapp. Auf der 19. Etappe gelang Christophe Laporte doch noch der erste französische Etappensieg. Damit entging die Grande Nation dem größten Fiasko seit 1999 ganz knapp. Ohne den nach einem Sturz im Frühjahr fehlenden Weltmeister Julian Alaphilippe hatten die französischen Fahrer nicht viel zu bieten. Auch in der Gesamtwertung ist kein Sieganwärter in Sicht. Das Warten auf den Nachfolger von Bernard Hinault geht auch nach 37 Jahren weiter.

Leben mit Corona:

Ab der zweiten Woche verging fast kein Tag ohne einen neuen Corona-Fall bei der Tour. 16 Fahrer mussten nach einem positiven Test das Rennen beenden, darunter auch der viermalige Toursieger Chris Froome und der Deutsche Max Walscheid. Wie in der Gesellschaft stiegen auch bei der Tour mit den Lockerungen die Anzahl der Fälle.

© dpa
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