Aufwärtstrend bei Schwimm-WM: Positives Fazit mit Makeln

16 Tage schwammen, spielten und sprangen in Budapest Sportlerinnen und Sportler um WM-Medaillen. Aus deutscher Sicht prägte ein Schwimmer die Titelkämpfe besonders.
Gewann fünf WM-Medaillen in Budapest: Florian Wellbrock. © Gian Mattia D'alberto/LaPresse via ZUMA Press/dpa

Die Schwimmer um Ausnahmeathlet Florian Wellbrock haben vorgelegt, die Wasserspringer zogen ohne Patrick Hausding nur teilweise nach.

Bei einer stimmungsvollen WM in Budapest setzten Wellbrock und seine Kolleginnen und Kollegen im Becken und Freiwasser mit neun Medaillen ihren leichten Aufwärtstrend fort und sorgten für das beste deutsche Gesamtergebnis der beiden Sparten seit 2009. Gold war in den prestigeträchtigen Beckenrennen diesmal allerdings nicht dabei. Die Springer durften sich bei der ersten WM nach dem Karriereende von Rekordeuropameister Hausding über eine frühe Bronzemedaille freuen. Das Team vergab aber auch Chancen.

Fünf WM-Medaillen für Florian Wellbrock

Wellbrocks beeindruckende fünf Medaillen in fünf Finals überstrahlten aus deutscher Sicht die Titelkämpfe und ließen Vergleiche mit den ganz Großen des deutschen Schwimmsports aufkommen. Bei den Männern hatte nur «Albatros» Michael Groß vor 40 Jahren einmal genauso viele Medaillen bei einer WM gesammelt, bei den Frauen war Kristin Otto als einzige Athletin mit sechs WM-Medaillen 1986 für die DDR noch erfolgreicher gewesen.

Die Weltmeisterschaften hatten für Wellbrock allerdings auch einen Makel: Seine Titel über 1500 Meter Freistil und über die olympischen zehn Kilometer im Freiwasser verteidigte der 24-Jährige nicht erfolgreich. Die Herausforderung mit Blick Richtung Olympia 2024 lautet für ihn auch: Die wichtigsten Rennen dürfen nicht unter den vielen Starts leiden. Bundestrainer Bernd Berkhahn ist zuversichtlich und hält bei einer perfekten Vorbereitung sogar fünf Titel für möglich. «Ich bilde mir ein, dass es geht», sagte er in Ungarn.

Neben Wellbrock nutzten Brustschwimmerin Anna Elendt mit Silber über 100 Meter und Lukas Märtens mit seinem zweiten Platz über 400 Meter Freistil die Titelkämpfe vor begeisterten Fans in der Duna Arena, um mit Medaillen auf sich aufmerksam zu machen. Sind die deutschen Schwimmer also zurück auf dem Weg in die Weltspitze?

Wellbrock ist skeptisch: «Ich glaube, da wo wir uns befinden, machen wir einen ganz guten Job», sagte er im «Aktuellen Sportstudio» des ZDF. Man müsse aber differenzieren: «Wenn man sich wirklich das Beckenschwimmen anschaut, dann wurde eine deutsche Medaille von einer Deutschen geholt, die in Amerika trainiert und der Rest ging wieder "nur" nach Magdeburg.» Man müsse schon genau gucken, wo die Medaillen herkommen. Gerade auf den kurzen Strecken gibt es noch viel zu tun.

Als die in den USA trainierende Elendt bereits aus Ungarn abgereist war und bei den deutschen Meisterschaften in Berlin ihr Können zeigte, legten die Wasserspringer bei der WM erst los. Direkt am ersten Tag bejubelten Lars Rüdiger und Timo Barthel den dritten Platz im Synchronspringen vom Drei-Meter-Brett.

Anschließend folgten zahlreiche und zum Teil ärgerliche vierte und fünfte Plätze in der von China einmal mehr dominierten Sportart. Zum Abschluss belegten auch die Olympia-Dritten Tina Punzel und Lena Hentschel im Synchronspringen vom Drei-Meter-Brett den undankbaren ersten Rang hinter den Podestplätzen. Auch, weil die starken russischen Springerinnen und Springer wegen Russlands Invasion in die Ukraine nicht starten durften und damit als Konkurrenten ausfielen, wäre durchaus mehr drin gewesen. Zudem trübten die positiven Corona-Tests von Moritz Wesemann die Stimmung.

Einen Schock der anderen Art erlebten Sportlerinnen und Zuschauer am Outdoor-Pool auf der Margareteninsel. US-Synchronschwimmerin Anita Alvarez war unmittelbar nach ihrer freien Solo-Kür ohnmächtig geworden und untergegangen. Sie musste von ihrer Trainerin Andrea Fuentes sowie einer weiteren Person gerettet werden. Bei der WM trat sie anschließend nicht mehr an, unterstützte ihr Team aber vom Beckenrand.

Die deutschen Synchronschwimmerinnen Marlene Bojer und Michelle Zimmer durften sich über Finalplätze und Achtungserfolge freuen. Das stark neuformierte Wasserballteam des Deutschen Schwimm-Verbandes belegte den 13. Platz. «Da haben wir die Ziele nicht erreicht», sagte DSV-Leistungssportdirektor Christian Hansmann, verwies aber auch auf den Umbruch mit zahlreichen unerfahrenen Spielern.

DSV zieht positives Fazit

Insgesamt zog Hansmann ein positives Fazit. «Es geht in die richtige Richtung», sagte er. Sportartenübergreifend war das deutsche Team so erfolgreich wie seit 2013 nicht mehr. Allerdings fehlten nicht nur Russland und Belarus. Auch einige Top-Sportler anderer Nationen verzichteten auf die WM im nacholympischen Jahr.

Schon in gut fünf Wochen steht das nächste Highlight an. Dann beginnt die EM. «Viel Zeit bis zur Europameisterschaft ist nicht mehr. Wenn wir es in Rom ansatzweise so erfolgreich über die Bühne bringen können wie in Budapest, dann wäre das ein voller Erfolg, um die Saison wirklich abzurunden», sagte Wellbrock. Der DSV will dann mit einem deutlich größeren Schwimm-Team als in Ungarn antreten.

© dpa
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