Doppel und Struff liefern: Deutschland vorzeitig im Finale

Es geht auch ohne die Nummer eins. Das deutsche Tennis-Team zieht im kühlen Hamburg ohne den verletzten Alexander Zverev schon vor dem letzten Gruppenspiel in das Final 8 des Davis Cups ein.

Edelfan Alexander Zverev jubelte in der Box, die Matchwinner Kevin Krawietz und Tim Pütz fielen sich auf dem kalten Hamburger Center Court in die Arme. Durch ein 2:1 gegen Belgien hat das deutsche Davis-Cup-Team vorzeitig das Finalturnier Ende November in Malaga erreicht und bewiesen, dass es auch ohne den verletzten Zverev zur Weltspitze gehört.

Krawietz/Pütz holten den entscheidenden Punkt, zum Auftakt hatte auch Jan-Lennard Struff sein Match gewonnen. Neben Deutschland zieht in der Gruppe C das ebenfalls ungeschlagene Australien ins Final 8 ein. Im Duell der beiden Tennis-Teams am Sonntag geht es nur noch um den Gruppensieg.

Eine Achterbahnfahrt mit allen Matches

In einem hoch spannenden Abschluss-Doppel hatten Krawietz und Pütz am Ende die besseren Nerven. 4:6, 6:2, 7:6 (7:5) setzten sie sich gegen das belgische Duo Sander Gille/Joran Vliegen durch. Dabei holte das deutsche Doppel im Tiebreak im dritten Satz einen 2:5-Rückstand auf. «Das war so eine Achterbahnfahrt mit allen Matches. Es war eine schwierige Situation. Wir haben nicht auf dem höchsten Level gespielt, aber am Ende zählt, dass wir gewonnen haben», sagte Pütz. Und Krawietz befand: «Keine Ahnung, wie wir das gewonnen haben. Der Glaube war immer da vom ganzen Team. Das hilft enorm, wenn man immer wieder gepusht wird.»

«Es war ein vermeintlicher Pflichtsieg»

Wie schon beim Sieg gegen Frankreich legte Struff den Grundstein. Der 32-Jährige, dessen Saison von einer zweimonatigen Fußverletzung beeinträchtigt wurde, besiegte Zizou Bergs in einem umkämpften und emotionalen Match 6:4, 7:6 (11:9). «Es war ein vermeintlicher Pflichtsieg. Wenn man ein Prozent weniger gibt, dann verliert man das Ding. Das war ein absolut hartes Match», sagte der erleichterte Struff. Anschließend unterlag Oscar Otte Belgiens Top-Star David Goffin 6:3, 6:7 (7:9), 3:6 und verpasste damit die Vorentscheidung. Im zweiten Satz vergab der 29-Jährige zwei Matchbälle.

Vom Hamburger Dauerregen waren die Spieler zwar durch das Zeltdach geschützt, Kälte und Wind drangen dennoch auf den Center Court am Rothenbaum - was das Spiel beeinflusste. «Es war sehr langsam», sagte Struff. Die Aufschläge des Warsteiners hatten so zu Beginn nicht die gewohnte Wirkung, in den ersten fünf Spielen konnten weder Struff noch Bergs ihr Service halten. Im zweiten Durchgang wehrte Struff dann insgesamt sieben Satzbälle ab, ehe er selbst seinen dritten Matchball nutzte.

Ein spektakuläres Match vor erneut wenig Fans

Ein spektakuläres Match, das in der 10.000 Fans fassenden Arena erneut nur wenige Fans verfolgten. In den vergangenen Tagen hatten die hohen Eintrittspreise in Hamburg bereits für Diskussionen gesorgt. Der Veranstalter verteidigte nun seine Preispolitik. «Der Veranstalter einer Davis-Cup-Begegnung trägt neben der Event-Ausrichtung auch das komplette finanzielle Risiko und muss dieses fast ausschließlich aus den Einnahmen der Eintrittsgelder finanzieren», sagte Herwig Straka, CEO der Emotion Group, in einem Statement. Die billigsten Karten für Deutschland-Spiele kosten 75 Euro, für alle anderen Begegnungen müssen mindestens 65 Euro gezahlt werden.

An den drei anderen Standorten der Gruppenphase erhält man deutlich günstiger Eintritt. So kostet die billigste Karte in Valencia 25 Euro, in Bologna 16,50 Euro und in Glasgow umgerechnet etwa zwölf Euro. Ein Grund für den schwachen Zulauf sei laut Veranstalter die Verletzung von Zverev. «Es gab eine große Euphorie um den Heimauftritt von Alexander Zverev, der zu diesem Zeitpunkt auf dem Weg zur Nummer eins der Welt war. Der Ticketverkauf zu den aktuellen Preisen ist dann auch entsprechend gut angelaufen, ehe sich die Dinge durch nicht zu beeinflussende Umstände leider geändert haben», sagte Straka.

© dpa
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