Umbruch im Sand: Eine Freistellung und ihre Folgen

Vor den Höhepunkten des Jahres herrscht im deutschen Beach-Volleyball Unruhe. Sportdirektor Hildebrand ist freigestellt, Erfolgstrainer Wagner will als «Head of Beach-Volleyball» nicht weitermachen.
Svenja Müller (l) und Cinja Tillmann jubeln nach einem Sieg. © Alfredo Falcone/LaPresse/AP/dpa

Sommer, Sonne, Sand und viel Ärger: Im deutschen Beach-Volleyball ist von Party-Stimmung derzeit wenig zu spüren.

Und das ausgerechnet vor den Highlights des Jahres mit dem Elite-16-Turnier der Beach Pro Tour am Hamburger Rothenbaum in dieser Woche, der anschließenden EM in München in der nächsten Woche und den deutschen Meisterschaften im September in Timmendorfer Strand.

Zudem hatte der Sommer mit WM-Bronze für Cinja Tillmann und Svenja Müller schon so gut angefangen. Doch die - zumindest für Außenstehende überraschende - Freistellung von Sportdirektor Niclas Hildebrand durch den Deutschen Volleyball-Verband (DVV) Mitte Juli sorgt für reichlich Unruhe.

Umbruch im Beach-Volleyball

Noch wird der 42-Jährige auf der Webseite des Verbandes als Sportdirektor Beach-Volleyball & Snow-Volleyball aufgeführt. Doch dass Hildebrand auf seinen Posten zurückkehrt, ist auszuschließen - auch wenn es sich um eine «widerrufliche Freistellung» handelt.

Über die konkreten Gründe darf, kann und will die seit Anfang des Jahres amtierende DVV-Sportvorständin Julia Frauendorf nichts sagen, solange keine arbeitsrechtliche Klärung erfolgt ist. «Es ist keine Kurzschlussreaktion auf einzelne Vorkommnisse in der jungen Vergangenheit», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. «Es hat seine Historie und es sind unterschiedliche Ereignisse, die zu der Situation geführt haben.»

Hildebrand selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. In den Medien wird gemutmaßt, dass seine Entscheidung, Olympiasiegerin Kira Walkenhorst und der von der Halle auf Sand umgestiegenen Louise Lippmann eine Wildcard für das Elite-16-Turnier in Hamburg zu geben, Auslöser für die Trennung war.

Für das Interims-Duo wäre das Turnier eine weitere Möglichkeit, sich vor der EM einzuspielen. Die einstige Hallen-Weltklassespielerin Lippmann soll bei ihrer Umschulung zur Beacherin an der Seite der routinierten Walkenhorst in einer Art Praktikum Erfahrungen machen. Mit Blick auf Olympia 2024 in Paris tut Lippmann sich mit Walkenhorsts Olympiasieg-Partnerin Laura Ludwig zusammen.

Doch Spielerinnenvertreterin Victoria Bieneck soll sich dafür ausgesprochen haben, die Wildcard für das Hamburg-Turnier an Leonie Klinke/Lena Ottens zu geben. Frauendorf habe sich dem angeschlossen und Hildebrand sich bloßgestellt gefühlt, hieß es.

«Kira und Louisa sind Zuschauermagneten»

«Nichts gegen Klinke/Ottens, aber Kira und Louisa hätten uns für die Vermarktung des Turniers sehr geholfen, beide sind Zuschauermagneten. Auch der Weltverband kann diesen Beschluss nicht begreifen», kritisierte Turnier-Mitorganisator Frank Mackerodt die Entscheidung im «Hamburger Abendblatt».

Hildebrands Abgang bringt eine weitere Personalie mit sich: Denn Jürgen Wagner kündigte bereits an, an als «Head of Beach-Volleyball» zurückzutreten. Er hatte 2012 Julius Brink/Jonas Reckermann und vier Jahre später Ludwig/Walkenhorst zu Olympia-Gold geführt.

Mit Hildebrand arbeitete er ein Konzept für Paris 2024 aus, Wagner sollte eine einheitliche Philosophie entwickeln. «Wenn er dem Sport verloren geht, wäre das bitter», meinte Laura Ludwig. «Er bringt viel Know-how ein, hat viel erlebt, viel Erfahrung.» Ob Wagner in Zukunft eingebunden werden will, weiß Frauendorf nicht. «Was er konkret macht, kann ich im Detail aktuell nicht sagen, aber wir sind im direkten Austausch.»

So lange kein neuer Mann oder neue Frau als Hildebrand-Nachfolger installiert wurde, muss die Sportvorständin die Aufgaben erfüllen. «Ich habe die Rolle übernommen, mich mit den Bundestrainern auszutauschen, was für Themen gerade anstehen, was vor allem auch für Fragen da sind», sagte sie.

«Keine Störungen» mitten in der Saison

In dieser Woche führte sie im Vorfeld des Elite-16-Turniers am Hamburger Olympia-Stützpunkt «offene Gespräche». Klarer Fokus seien die Teams, «dass die jetzt nicht mitten in der Saison oder in der Vorbereitung Richtung 2024 unnötig gestört werden». Prämisse sei es, dass erst einmal reibungslos weitergehen kann.

Die Bundestrainer seien jetzt eine Art Beraterstab. Doch machte Frauendorf deutlich: «Wenn es keinen Konsens gibt, ist es in letzter Konsequenz so, dass der Vorstand eine Entscheidung fällt, so lange kein Sportdirektor operativ tätig ist.» Wann der Posten wieder besetzt ist, kann sie nicht sagen. «Prinzipiell haben wir noch viel konzeptionelle Arbeit vor uns.»

Nur wenige Spielerinnen und Spielern meldeten sich laut Frauendorf nach der Hildebrand-Freistellung. «Die meisten sind mit ihrem Fokus in der Saison und bei den anstehenden Highlights», sagte sie. Denn: «Was die sportlichen Ereignisse angeht, ist das ein schöner und voller Monat insbesondere in Deutschland.»

© dpa
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