Ukraine auch Thema bei Leichtathletik-DM: «Betrifft uns»

27.02.2022 3000-Meter-Siegerin Hanna Klein hat bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in der Halle in Leipzig ihre Solidaritätsaktion für die Ukraine begründet.

3000-Meter-Siegerin Hanna Klein trug bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften ein gelb-blaues Armband. © Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Die Läuferin hatte ein gelb-blaues Armband getragen und nach ihrem Titel auf der Bahn das Victory-Zeichen mit gespreiztem Zeige- und Mittelfinger geformt. Sie habe sich im Vorfeld Gedanken gemacht und ihre Solidarität zeigen wollen, erklärte Klein.

Bei der Aktion sei es weniger um ein politisches Statement gegangen, sondern um einen Ausdruck der Menschlichkeit. «Das betrifft uns doch alle», sagte Klein zur russischen Invasion in die Ukraine. Die 28-Jährige aus Tübingen sieht sich auf der Linie des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, der vor Beginn der Meisterschaften am Samstag eine Schweigeminute abgehalten hatte. Auf dem Videowürfel in der Leipziger Arena war die gelb-blaue Fahne der Ukraine zu sehen.

Am Ende des ersten Wettkampftages hatte es allerdings auch Ärger wegen einer nicht gestatteten Solidaritätsaktion gegeben. 3000-Meter-Meister Maximilian Thorwirth, der ebenfalls ein gelb-blaues Armband trug, zeigte sich wütend, weil Athleten aus Leverkusen die aufgemalte Ukraine-Fahne auf dem Arm abkleben mussten. Eine entsprechende Anweisung habe es nach der Kontrolle der Wettkampfkleidung vor dem Start gegeben.

«Wenn das nicht mehr machbar ist, dann bin ich einfach nur traurig», sagte Thorwirth in der ARD. «Disqualifiziert mich doch», hatte der 27-jährige Düsseldorfer sogar direkt nach seinem Rennen in der Halle im Sieger-Interview entrüstet gerufen und unter Hinweis auf die Schweigeminute vor Wettkampfbeginn gefragt, «was wir hier machen». Momentan sei alles andere wichtiger als Sport.

Der DLV-Vorstandsvorsitzende Idriss Gonschinska betonte nach einem Gespräch mit Thorwirth, der Deutsche Leichtathletik-Verband fühle mit dem ukrainischen Volk und habe ein klares Bekenntnis gezeigt. Er könne die Emotionen absolut nachvollziehen. Manchmal müsse man darüber nachdenken, wie man mit Regelwerk, Bühnen und mündigen Athleten umgehe und ob Regelwerke nicht angepasst würden. Es sei die richtige Entscheidung, dass niemand disqualifiziert worden sei. Der Abwägungsprozess sei kein einfacher, räumte Gonschinska ein.

Verständnis für Athleten-Aktionen

Auch am zweiten Tag der deutschen Hallen-Meisterschaften in der Leichtathletik gab es vor dem Beginn der Wettkämpfe in Leipzig eine Gedenkminute gegeben. Damit wurde an die Opfer der russischen Invasion in der Ukraine erinnert. Auf dem Videowürfel wurde die gelb-blaue Fahne der Ukraine eingeblendet.

Der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, Jürgen Kessing, zeigte Verständnis für die Aktionen von 3000-Meter-Siegerin Hanna Klein und 3000-Meter-Meister Maximilian Thorwirth. «Man muss auch mal fünfe gerade sein lassen», sagte Kessing der Deutschen Presse-Agentur und meinte zu den aufgekommenen Emotionen, er könne das nachvollziehen.

Ein knappes halbes Jahr vor den Heim-Europameisterschaften in München verwies Kessing bei möglichen weiteren Schritten gegen Russland darauf, dass der deutsche Verband außen vor sei. «Wir werden Empfehlungen geben», kündigte er an. Russlands Leichtathletik-Verband ist wegen Dopingskandalen ohnehin seit 2015 suspendiert, nur ein kleines Kontingent von Athletinnen und Athleten ist startberechtigt. Grundsätzlich meinte Kessing, man solle den zweiten Schritt nicht vor dem ersten tun, erst einmal sollte möglichst rasch der Kriegszustand beendet und dann über weitere Schritte geredet werden. In vielen Bereichen sei der Sport bereits konsequent.

© dpa

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