«Bestes geben»: Mihambo bangt nach Corona-Infektion um Start

Der Leichtathletik-EM in München droht der Verlust ihrer größten deutschen Attraktion. Titelfavoritin Malaika Mihambo muss nach einer Corona-Infektion um den Start im Weitsprung bangen.
Ihr Start bei der EM ist in Gefahr: Weitspringerin Malaika Mihambo. © Michael Kappeler/dpa/Archivbild

Weitsprung-Star Malaika Mihambo hofft trotz einer Corona-Erkrankung noch auf die Teilnahme an der Leichtathletik-EM in München.

«Ich werde trotz der Zwangspause und dem Trainingsrückstand versuchen, an den Start zu gehen und mein Bestes geben», sagte die 28 Jahre alte Weltmeisterin in einer Mitteilung ihres Managements, «wohlwissend, dass ich an mein Leistungsniveau von Eugene wahrscheinlich nicht anknüpfen kann.»

Ob sie tatsächlich bei der am kommenden Montag beginnenden EM antreten könne, entscheide sich im Laufe der nächsten Woche, hieß es in der Mitteilung. Die Weitsprung-Qualifikation der Frauen ist am nächsten Dienstag terminiert. Das Finale wird zwei Tage später am 18. August ausgetragen und soll mit Mihambo als Titelfavoritin und -verteidigerin eine der großen Attraktionen der Heim-EM werden.

Letzte Trainingseinheit vor WM

Obwohl die mentale Stärke von Mihambo ihr immer wieder bei Wettkämpfen geholfen hätte, warnt Trainer Uli Knapp vor zu großen Erwartungen. «Eine Corona-Infektion, auch wenn sie nur einen milden Verlauf hatte, schlaucht den Körper enorm», sagte er. Mit der dreimaligen «Sportlerin des Jahres» ist er am Dienstag ins Pre-Camp des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) ins bayerische Erding gereist. «Dort werden wir sie optimal begleiten und hoffen, dass es mit einem Start klappt», sagte DLV-Cheftrainerin Annett Stein.

Nach ihrer Rückkehr von der WM in Eugene, wo sie mit 7,12 Metern den Titel von 2019 in Doha verteidigte, hatte sich Mihambo mit dem Virus infiziert. «Es war zwar ein milder Verlauf, aber ich habe mich müde und schlapp gefühlt und zehn Tage nicht trainiert», berichtete die Ausnahmeathletin der LG Kurpfalz. «Die Quarantäne und die Symptome haben eine optimale Wettkampfvorbereitung leider unmöglich gemacht.»

Nach einem Medizincheck habe sie in dieser Woche zum ersten Mal wieder eine leichte Krafttrainingseinheit absolviert. «Meine letzte richtige Trainingseinheit war allerdings vor der WM. Das ist eine ganze Weile her und das hat man auch im Training gemerkt», sagte die Olympiasiegerin, die trotz gesunkener Gold-Chance nicht vorzeitig aufgeben will: «Ich werde mein Bestes geben, zu welchem Platz es dann schlussendlich reichen wird, sehen wir dann.»

Nächste harte Absage für DLV?

Dabei hatte sich Mihambo vor heimischem Publikum viel vorgenommen - nicht nur die Vollendung des Titel-Triples in diesem Jahr nach den Siegen bei der deutschen Meisterschaft in Berlin und der WM in Eugene. «Ich habe mich so sehr auf die EM gefreut, war in einer super Form und wollte bei der EM zeigen, dass ich dieses Jahr noch weiter springen kann als in Eugene», sagte Mihambo. Bei ihrem ersten WM-Triumph 2019 sprang sie mit 7,30 Metern ihre Bestleistung.

Für den DLV würde eine Absage seines Aushängeschildes die Erfolgsaussichten an der Isar und die Hoffnungen auf Wiedergutmachung nach dem WM-Desaster weiter schmälern. In den USA hatte es nur zwei Medaillen gegeben - neben Gold durch Mihambo noch Bronze durch die Sprint-Staffel der Frauen.

Denn nicht nur die Speerwurf-Asse Johannes Vetter und Christin Hussong sagten für die EM verletzt ab. Auch Hindernis-Europameisterin Gesa Krause musste nach einem Einbruch bei der WM passen. Offen ist zudem, ob die ebenfalls vor und bei der WM an Corona erkrankten Topgeher Jonathan Hilbert und Christopher Linke konkurrenzfähig sein werden. Bei der EM 2018 in Berlin gewann der DLV 19 Medaillen.

Auch Ruderer dezimiert

Nicht nur die Leichtathleten sind durch Corona-Infektionen beeinträchtigt. Auch die deutschen Ruderer gehen nach mehreren Corona-Fällen mit dezimierter Flotte in die EM. Aufgrund positiver Tests müssen der Männer-Doppelvierer und leichte Männer-Doppelzweier auf einen Start verzichten. Mit dem Doppelzweier war ein weiteres Boot aus dem Skullbereich aus gesundheitlichen Gründen erst gar nicht gemeldet worden. «Bis jetzt wurden wir verschont, was Corona-Erkrankungen bei großen Regatten angeht. Dass es jetzt die Heim-EM in München betrifft, ist umso bitterer, vor allem für die Athleten und das Trainerteam», sagte Sportdirektor Mario Woldt.

© dpa
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