Modric und Kroatien: Brasiliens erster WM-Härtetest

Manch einer dürfte sich fragen: Wer soll diese Brasilianer aufhalten? Die Kroaten um Luka Modric haben vor dem WM-Viertelfinale eine klare Antwort. Die Statistik spricht nicht für die Seleção.
Will mit Kroatien Rekordweltmeister Brasilien stoppen: Luka Modric. © Darko Bandic/AP/dpa

Luka Modric blieb so gelassen, als würde er vor einem Testspiel stehen.

Der Superstar der Kroaten lehnte vor dem Duell mit Rekord-Champion Brasilien mit beiden Armen auf dem Podium, zumindest nach außen ließ er sich nicht anmerken, dass nun die maximale Herausforderung auf ihn wartet: WM-Viertelfinale, ein Duell mit dem glänzenden Topfavoriten - es könnte am Freitag (16.00 Uhr/Magenta TV) wohl keinen schwereren Gegner als die bisher so starke Seleção geben. 

Modric aber hockte locker auf seinem Stuhl, lächelte hier und da, die Fragen der Journalisten beantwortete er ganz entspannt. Und Brasilien? Die seien natürlich Favorit, meinte er. «Aber die Praxis hat gezeigt, dass das nichts heißen muss. Wir machen uns keine Sorgen.» Dabei weiß der Mittelfeldstratege von Real Madrid natürlich ganz genau, was ihn gegen Neymar und Co. erwartet.

«Maximales Level an Konzentration»

Keine Mannschaft bei diesem Turnier in Katar spielt bislang schöneren Fußball als die Seleção. Keine Mannschaft erzielt schönere Tore. Keine andere verfügt über ein größeres Offensivpotenzial als die Seleção. Trotzdem sind auch die Brasilianer selbst gewarnt. Denn nach Spielen gegen Serbien, die Schweiz, Kamerun und Südkorea wartet mit dem Vize-Weltmeister nun ihr erster echter Prüfstein. «Das wird ein Spiel, das unser maximales Level an Konzentration erfordern wird», sagte Außenverteidiger Danilo.

Denn die Brasilianer treffen auf echte K.o.-Experten. Von ihren vergangenen neun K.o.-Partien bei Weltmeisterschaften haben die Kroaten sieben gewonnen. In all diesen neun Partien haben sie mindestens ein Tor erzielt. Zudem kämpfen die Brasilianer gegen ihre eigene Viertelfinal-Misere. Von ihren vergangenen vier WM-Viertelfinals haben sie drei verloren, zuletzt 2018 in Russland mit 1:2 gegen Belgien. Umso größer ist diesmal die Hoffnung auf den ersehnten sechsten WM-Titel.

«Wir sind zuversichtlich, dass wir das, was in den vergangenen Jahren oft im Viertelfinale passiert ist, ändern können», sagte Flügelstürmer Vinícius Júnior. «Dass wir das Viertelfinale gewinnen, ins Halbfinale einziehen und weiter Schritt für Schritt gehen.» Tatsächlich dürfte nicht wenigen die Fantasie dafür fehlen, wie die in die Jahre gekommenen Kroaten um Abwehrchef Dejan Lovren Brasiliens Hochgeschwindigkeitsabteilung stoppen wollen. 

Auch in der Defensive Weltklasse

Wenn die Seleção souverän auftritt, was sie nur bei der klaren Führung gegen Südkorea zwischenzeitlich vermissen ließ, zählt sie auch defensiv zu den Besten. Wie also will Kroatien gegen dieses Team bestehen?

Eine konkrete Antwort darauf wollte Modric nicht geben. Aber: «Wir haben die Möglichkeiten, diesen Teams Paroli zu bieten», meinte der 37 Jahre alte Routinier, der einem weiteren Höhepunkt seiner glanzvollen Karriere entgegenfiebert. «Wir haben uns nichts sehnlicher gewünscht als dieses Duell.» Es wird auch das Duell, in dem er und Brasiliens Superstar Neymar im Fokus stehen dürften.

Nach seiner Fußverletzung ist der 30 Jahre alte Angreifer wieder komplett fit. Für die Gelassenheit eines Luka Modric fehlt ihm noch der goldene WM-Pokal, nichts weniger wünschen sich Millionen von Brasilianerinnen und Brasilianern vom besten Spieler seiner Generation. Und nichts weniger erwartet er von sich selbst. «Wir werden im Finale lachen», kündigte Neymar nach dem Sieg gegen Südkorea bereits selbstbewusst an. Nicht nur Modric dürfte diese Aussage besonders motivieren.  

Die möglichen Aufstellungen:

Kroatien: 1 Livakovic - 22 Juranovic, 6 Lovren, 20 Gvardiol, 19 Sosa - 11 Brozovic - 10 Modric, 8 Kovacic - 9 Kramaric, 14 Livaja, 4 Perisic

Brasilien: 1 Alisson - 14 Éder Militão, 4 Marquinhos, 3 Thiago Silva, 2 Danilo - 11 Raphinha, 5 Casemiro, 7 Paquetá, 20 Vinicius Júnior - 10 Neymar, 9 Richarlison

Schiedsrichter: Michael Oliver (England)

© dpa
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