England-Rückkehr nach EM-Drama - Eriksen zum FC Brentford

31.01.2022 Kurz vor Ende der Transferperiode findet der dänische Spielmacher einen neuen Verein. Einst hätten die Topclubs Schlange gestanden - jetzt wird es zunächst «nur» ein Premier-League-Neuling.

Wird vom FC Brentford verpflichtet: Christian Eriksen. Foto: Wolfgang Rattay/POOL REUTERS/AP/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Christian Eriksen reagierte mit derselben Geste, die er wenige Tage nach seinem dramatischen Zusammenbruch bei der Fußball-EM im Sommer aus dem Krankenbett um die Welt geschickt hatte.

«Ich freue mich bekanntzugeben, dass ich beim FC Brentford unterschrieben habe», sagte der 29-Jährige in einem Social-Media-Video, in dem er wie damals lächelnd den Daumen in die Kamera streckt. «Ich kann es kaum erwarten, loszulegen!»

Rückkehr am Deadline Day

Der 109-fache dänische Nationalspieler kehrt also in die Premier League zurück, womit für den Spielmacher eine monatelange Zeit der Ungewissheit zu Ende geht. Passenderweise am Deadline Day, dem letzten Tag der Transferperiode, bestätigte der Tabellen-14. aus dem Londoner Westen, dass der zuletzt vertragslose Eriksen nach bestandenem Medizincheck zunächst einen Vertrag bis zum kommenden Sommer unterschrieben hat. Nur die internationale Freigabe stehe noch aus.

Eriksen hatte sich bei Brentford zuvor umfassenden medizinischen Untersuchungen unterziehen müssen. Er war am 12. Juni 2021 während der EM-Partie gegen Finnland vor heimischem Publikum in Kopenhagen plötzlich zusammengebrochen - sein Herz war ohne Vorwarnung stehen geblieben. Es folgten dramatische und für Millionen Fußballfans äußerst aufreibende Minuten, in denen es Rettungskräfte schafften, Eriksen wiederzubeleben.

Später wurde ihm ein Defibrillator eingesetzt, der im Notfall Schocks aussenden kann. Das Problem: In der italienischen Serie A darf mit solch einem Gerät nicht gespielt werden. Eriksens Vertrag bei Meister Inter Mailand war deshalb aufgelöst worden. Zuletzt hatte er sich in seiner dänischen Heimat und bei der Reserve seines Ex-Vereins Ajax Amsterdam auf seine Rückkehr in den Profifußball vorbereitet.

Nun feiert Eriksen sein Comeback in einer Liga, in der er vor seinem Wechsel zu Inter jahrelang geschaltet und gewaltet hat: Für Tottenham Hotspur hatte er von 2013 bis 2020 mehr als 300 Spiele absolviert. Brentford kommt nun vom Niveau nicht an die Spurs oder an Inter heran - doch die Station bei den «Bees» dürfte genau die richtige für den 29-Jährigen sein: Anders als vor seinem Zusammenbruch konnte er sich nicht einfach so den nächsten Topclub aussuchen, bei Brentford wird er aber die Gelegenheit bekommen, zu alter Stärke zurückzukehren.

Der Druck, der anderswo von Tag eins an geherrscht hätte, dürfte bei dem Premier-League-Aufsteiger bei allen Erwartungen niedriger sein. «Hier kann er in Ruhe zu seinem alten Niveau zurückfinden», schätzte der dänische Fußballexperte Mikkel Bischoff vom Sender Discovery ein.

Eriksen: «Ich will spielen»

Bei Brentford stehen zudem viele weitere Dänen unter Vertrag, darunter mehrere, die Eriksen aus dem Nationalteam kennt. Das dürfte die Eingewöhnung ebenso erleichtern wie die Tatsache, dass er unter dem dänischen Brentford-Coach Thomas Frank schon als Jugendlicher in der dänischen U17 gespielt hat.

Hinzu kommt, dass die Premier League nach wie vor der größte Schauplatz des internationalen Fußballs bleibt - und den braucht Eriksen, um einem übergeordneten Ziel näherzukommen. «Mein Ziel ist es, bei der WM in Katar dabei zu sein. Ich will spielen», hatte er vor wenigen Wochen dem dänischen Rundfunksender DR in seinem ersten Interview seit dem EM-Kollaps gesagt. Einfach wird das angesichts der Leistungsdichte beim EM-Halbfinalisten Dänemark nicht.

Für Nationaltrainer Kasper Hjulmand ist es noch zu früh, über eine Rückkehr von Eriksen zu spekulieren. «Ich habe immer gesagt, dass Christian auf seinem höchsten Niveau für alle Mannschaften in Europa spielen kann, und das meine ich immer noch», wurde er am Montag vom dänischen Rundfunk zitiert. Eriksen sei nicht verletzt gewesen, unterstrich der frühere Mainz-Coach. «Deshalb glaube ich fest daran, dass er sein Niveau finden kann. Und ich denke vielleicht sogar, dass Christian noch besser werden kann.»

© dpa-infocom GmbH

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