Super-League-Rebellen hoffen auf juristischen Erfolg

Nach nur 48 Stunden mit Fanprotesten und Verbandsdrohungen war das Projekt Super League am Ende - doch die Rebellen geben nicht auf. Jetzt liegt der Fall beim Europäischen Gerichtshof.
Will die Super League durchsetzen: Real Madrids Präsident Florentino Peréz. © Jonathan Moscrop/CSM via ZUMA Wire/dpa/Archivbild

Florentino Pérez hat die im ersten Anlauf krachend gescheiterte Gründung einer Super League längst noch nicht zu den Akten gelegt.

Der milliardenschwere Unternehmer und Präsident des Champions-League-Siegers Real Madrid erhofft sich vielmehr einen juristischen Durchbruch für das umstrittene Projekt, mit dem sich seit Montag der Europäische Gerichtshof beschäftigt und das DFB-Präsident Bernd Neuendorf als «Frontalangriff auf das europäische Sportmodell und die Grundwerte des Sports» bezeichnet.

Mit ihrer Klage gegen die Europäische Fußball-Union und den Weltverband FIFA wollen Pérez und seine Mitstreiter doch noch ans Ziel gelangen, eine Super League mit europäischen Spitzenvereinen als Konkurrenz zur Champions League zu gründen. «Superliga bedeutet Freiheit», betonte der Real-Präsident zuletzt immer wieder.

Klage gegen Monopol der UEFA

In dem Verfahren in Luxemburg fechten die zwölf Gründervereine der European Superleague Company um Real Madrid, den FC Barcelona und Juventus Turin die Monopolstellung der UEFA an. Diese würde «ihre beherrschende Stellung auf dem Markt der Veranstaltung internationaler Wettbewerbe für Fußballvereine in Europa und auf dem Markt der Kommerzialisierung der mit diesen Wettbewerben verbundenen Rechte missbrauchen», heißt es in der Klage. Nach Ansicht von Pérez ist «das Monopol der UEFA mit dem Recht der Europäischen Union unvereinbar».

Zudem haben die rebellischen Topclubs Sicherheitsmaßnahmen beantragt, «um die Gründung und Veranstaltung der European Super League zu ermöglichen». Der Europäische Gerichtshof solle überprüfen, ob die im Vorjahr durch die FIFA und UEFA angedrohten Sanktionen gegen teilnehmende Clubs und Spieler rechtmäßig gewesen wären.

Im April 2021 hatten zwölf Topvereine die Gründung einer Superliga verkündet, den Plan nach massiven Protesten von Ligen, Verbänden und Fans jedoch schnell wieder verworfen. Neben Juve, Real und Barça gehörten die beiden Mailänder Clubs AC und Inter, Atlético Madrid sowie aus England der FC Arsenal, der FC Chelsea, der FC Liverpool, Tottenham Hotspur, Manchester United und Manchester City dazu.

Es geht um den Kern des Systems

Den Antworten des EuGH kommt eine große Bedeutung zu. Sie sind bindend, auch wenn am Ende der spanische Gerichtshof über die Klage entscheidet. Das Urteil, das im Kern die Struktur des Sportsystems berührt, wird aber erst in einigen Monaten erwartet. Sollte das Gericht gegen die Verbände urteilen, «könnte das dazu führen, dass es ganz viele verschiedene neue Player auf dem Markt gibt. Dann gibt es möglicherweise drei Europameister wie beim Boxen», sagte der Sportrechtler Holger Jacob im «Deutschlandfunk».

Kein Wunder, dass DFB-Boss Neuendorf alarmiert ist und mit Sorge nach Luxemburg blickt. «Sollten sie letztlich Erfolg haben, so wäre das ein Schritt zur vollkommenen Kommerzialisierung des Fußballs. Es entstünde ein in sich abgeschlossenes System - eine Liga, die keinen Auf- und Abstieg kennen würde. Die Megaclubs blieben unter sich, und das eingespielte Geld würde mit hoher Wahrscheinlichkeit untereinander verteilt», schrieb Neuendorf in einem Gastbeitrag der «Welt am Sonntag».

Bundesinnenministerin Nancy Faeser kritisierte im «Kicker» eine Super League und sprach sich dagegen aus. «Wer den Fußball liebt, ist gegen eine Super League. Es ist unsolidarisch, wenn sich Clubs aus offenen Wettbewerben verabschieden und immer gieriger nur noch auf das ganz große Geld zielen», sagte die für den Sport zuständige SPD-Politikerin. Und weiter: «Ich bin ein großer Fan des offenen sportlichen Wettbewerbs, in dem auch Überraschungsteams eine Chance haben und sportliche Leistung zählt.»

Peréz wehrt sich gegen alle Widerstände

Die Rebellen sehen das ganz anders. Wie Peréz hat auch Juve-Boss Andrea Agnelli das Projekt längst nicht begraben. Der hoch verschuldete italienische Rekordmeister halte an den Plänen, «die Schaffung eines langfristigen Wertes für das Unternehmen und die gesamte Fußball-Industrie zu verfolgen», weiter fest, teilte ein Vereinssprecher auf dpa-Anfrage mit. Und Barça-Präsident Joan Laporta betonte unlängst wieder, die Super League sei wichtig «für die Nachhaltigkeit des Fußballs».

In Spanien stoßen die Superliga-Pläne übrigens auf deutlich weniger Widerstand bei Medien und Fans als in anderen Ländern. Die Regierung ist zwar dagegen. Kritik gibt es allerdings kaum, Fan-Proteste gegen das Vorhaben - wie etwa in England - schon gar nicht. Am Montag erneuerten Fußball-Anhänger aus ganz Europa ihre Kritik an dem Projekt. «Wie wir wiederholt zum Ausdruck gebracht haben, stellt die Super League eine existenzielle Bedrohung für den europäischen Männer- und Frauen-Fußball von den Grundlagen bis zum professionellen Spiel dar», schrieb das Bündnis Football Supporters Europe auf Twitter.

Real-Boss Pérez genießt dagegen die Unterstützung der Mitglieder seines Clubs. Auf der Jahresversammlung des spanischen Rekordmeisters im November 2021 wurde er laut bejubelt, als er sagte: «Wir werden uns von illegalen Drohungen nicht einschüchtern lassen.» Der UEFA und deren Präsident Aleksander Ceferin warf Pérez vor, «jeden Dialog abgelehnt» zu haben und eigene Interessen zu verfolgen.

Ceferin selbst reagierte gelassen auf den erneuten Vorstoß der Topclubs. «Was die Entscheidung des Gerichts auch sein mag, sie ändert nichts: Das Projekt ist tot, weil niemand mitmachen will», sagte der 54-Jährige jüngst im Interview der italienischen Sportzeitung «Gazzetta dello Sport».

© dpa
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