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FIFA suspendiert spanischen Verbandsboss - Streit eskaliert

Der Kuss von Spaniens Verbandschef Rubiales schlägt in Spanien weiter hohe Wellen. Die FIFA suspendiert den Funktionär, der aber an seinem Posten festhält - mit Rückendeckung vom Verband.
Luis Rubiales
Die FIFA suspendierte den spanischen Verbandspräsidenten Luis Rubiales. © RFEF/Europa Press/AP/dpa

Sechs Tage nach dem Kuss-Skandal beim WM-Finale der Fußballerinnen hat der Weltverband FIFA weitere Konsequenzen gezogen und den spanischen Verbandschef Luis Rubiales suspendiert. Unterdessen eskaliert der Streit mit gegenseitigen Vorwürfen weiter und hat einen Aufstand der spanischen Fußballerinnen gegen Sexismus ausgelöst. Auch die spanische Regierung hat den Druck auf Rubiales erhöht und strebt eine rasche Ablösung des 46-Jährigen an.

Die FIFA suspendierte Rubiales für alle fußballbezogenen Aktivitäten auf nationaler und internationaler Ebene. Die Sperre gilt vorläufig für 90 Tage, abhängig vom Disziplinarverfahren, das die FIFA am Donnerstag eingeleitet hatte. Gleichzeitig ordnete der Weltverband an, dass Rubiales weder persönlich noch durch eine dritte Person Kontakt zu Nationalspielerin Jennifer Hermoso oder ihrem direkten Umfeld aufnehmen darf. Gleiches gelte auch für den Verband RFEF und dessen Funktionäre sowie Mitarbeiter.

Die RFEF reagierte wenige Stunden später auf die Suspendierung von Rubiales. Der Präsident vertraue den FIFA-Instanzen «voll und ganz» und erhalte durch das gegen ihn eingeleitete Disziplinarverfahren die Möglichkeit, «seine Verteidigung zu beginnen, damit die Wahrheit siegt und seine völlige Unschuld bewiesen wird», hieß es in einem Statement.

Regierung macht Druck

Geht es nach der spanischen Regierung, sollte Rubiales so schnell wie möglich seinen Posten räumen. Sportminister Miquel Iceta versprach, die Regierung werde sich um eine rasche Entfernung von Rubiales aus dem Amt bemühen. «Soweit es von uns abhängt, sind es die letzten Stunden von Rubiales», sagte er der Zeitung «El País».

Die oberste spanische Sportbehörde CSD beantragte nach eigenen Angaben beim nationalen Sportgerichtshof Tad die Suspendierung von Rubiales. «Herr Rubiales hat in seiner Reaktion enttäuscht, er hat nicht getan, was er hätte tun sollen», sagte CSD-Chef Víctor Francos im Hinblick auf die Rede des höchsten Funktionärs des spanischen Fußballs. Darin hatte er einen Rücktritt abgelehnt.

Rubiales hatte Hermoso nach dem 1:0-Sieg im WM-Finale gegen England am vergangenen Sonntag in Sydney bei der Siegerehrung mit beiden Händen am Kopf gehalten und auf den Mund geküsst. Der Verbandsboss hatte danach von einem Fehler gesprochen, mehr aber auch nicht. Stattdessen hatte er bei der Generalversammlung am Freitag in seiner Rede von einem «falschen Feminismus als großer Geißel des Landes» gesprochen und sich als Opfer dargestellt, das «öffentlich hingerichtet» werden solle.

Verband wehrt sich

Der spanische Verband bezichtigte Hermoso der Lüge und drohte ihr rechtliche Schritte an. Ihre Darstellung, der Kuss auf ihren Mund bei der Siegerehrung in Sydney sei nicht in beiderseitigem Einvernehmen erfolgt, sei falsch.

Um das zu untermauern, veröffentlichte der Verband vier Fotos, die Rubiales entlasten sollen. Detailliert wird die jeweilige Körperhaltung von Rubiales und Hermoso beschrieben. Die Bilder seien der Beweis, dass Rubiales nicht gelogen habe. Auf ihnen ist zu sehen, wie Rubiales von Hermoso gehalten wird, auf zwei davon sind seine Beine in der Luft. Ob die Stürmerin ihn hochgehoben hat oder er von sich aus hochgesprungen ist, lässt sich anhand der kurzen Bilderserie jedoch nicht belegen.

Hermoso mit klaren Worten

Hermoso hatte auf den verweigerten Rücktritt von Rubiales mit einer ausführlichen Stellungnahme reagiert: «Ich habe mich verletzlich und als Opfer einer impulsiven, sexistischen und unangebrachten Handlung gefühlt, der ich nicht zugestimmt habe. Einfach ausgedrückt, ich wurde nicht respektiert», schrieb die 33-Jährige in einer auf den sozialen Netzwerken verbreiteten Erklärung.

Kurz zuvor hatten alle Spielerinnen des spanischen Teams verkündet, sie würden so lange nicht mehr antreten, wie Rubiales noch im Amt sei. «Es macht uns sehr traurig, dass ein derart inakzeptables Verhalten den größten sportlichen Erfolg des spanischen Frauenfußballs überlagert», stand in der auf X, vormals Twitter, veröffentlichten Erklärung der Gewerkschaft Futpro, die von 81 Spielerinnen unterzeichnet war. «Nach allem, was bei der Frauen-Weltmeisterschaft passiert ist, wollen wir klarstellen, dass alle unterzeichnenden Spielerinnen nicht in der Nationalelf antreten werden, wenn die aktuelle Führungsriege im Amt bleibt.» Der Verband entgegnete, wer zum Kader gehöre, müsse auch antreten.

Die Zeitung «El País kommentierte am Samstag, das spanische #Metoo habe sich zu einem «Schluss jetzt» kristallisiert. Politiker, Medien und Sportler unterstützten die Frauen in einem Land, das bei dem Schutz von Frauen vor Gewalt durch Männer inzwischen eine Vorreiterrolle einnimmt.

© dpa ⁄ Jan-Uwe Ronneburger, dpa
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