Heftige Kritik nach Attacke auf ARD-Reporter in London

29.04.2022 Am Rande des siegreichen Europa-League-Auftritts von Eintracht Frankfurt in London sorgt ein tätlicher Angriff auf zwei deutsche Radioreporter für Wirbel. Die Entrüstung darüber ist groß.

Bei Frankfurts Gastspiel bei West Ham kam es zu einem tätlichen Angriff auf zwei deutsche Radioreporter. © Arne Dedert/dpa

Nach der Attacke auf zwei Rundfunkreporter der ARD beim Europa-League-Halbfinale von Eintracht Frankfurt bei West Ham United haben der Hessische Rundfunk und der Fußball-Bundesligist heftige Kritik am englischen Club geübt und den tätlichen Angriff scharf verurteilt.

«Ein Fußballstadion ist kein rechtsfreier Raum», sagte Programmdirektorin Gabriele Holzner in einer Mitteilung des Senders. Man erwarte «vom veranstaltenden Verein, dass er Bedingungen auch für Reporter der Gastmannschaft schafft, so dass diese ihren Job ohne Angst vor Übergriffen machen können», fügte Holzner an. Schläge und körperliche Gewalt seien in keinem Fall tolerierbar.

Auch die Eintracht reagierte empört auf den Vorfall beim 2:1-Sieg. «Der Angriff auf Journalisten des Hessischen Rundfunks ist nicht zu tolerieren und bei aller Emotionalität eines wichtigen Halbfinalspiels mit all den dazugehörigen Begleitumständen inakzeptabel», sagte Jan Martin Strasheim, Leiter Medien und Kommunikation des Vereins. «Die Vorkommnisse bedürfen einer sorgfältigen Aufarbeitung, der West Ham United auch nachkommen wird. Dies wurde uns vonseiten des Clubs zugesichert.»

UEFA sieht von Disziplinarverfahren ab

Aus diesem Grund sieht die Europäische Fußball-Union von einem Disziplinarverfahren gegen den Tabellensiebten der englischen Premier League ab. «Der Club hat schnell reagiert und wird den Vorfall nun untersuchen, um die Schuldigen zu ermitteln und zu sperren», hieß es von der UEFA. Die ARD sei mit diesem Vorgehen einverstanden.

Den betroffenen Rundfunkreportern Tim Brockmeier und Philipp Hofmeister geht es nach eigenen Angaben gut. Ihren Schilderungen zufolge erhielten sie am Donnerstagabend während des Halbfinal-Hinspiels im Londoner Olympiastadion «mehrfach Faustschläge an den Hinterkopf, in den Nacken, in den Rücken». Das sei wohl nicht «die feine englische Art», schrieb Brockmeier bei Twitter. Er bedankte sich bei den Medienmitarbeitern des hessischen Fußball-Bundesligisten, aber auch des gastgebenden Premier-League-Clubs, «die uns in der Pause regelrecht in Sicherheit gebracht haben, bringen mussten».

Zwei Täter identifiziert

West Ham United verurteilte das Geschehen ebenfalls und identifizierte zwei Täter, wie der Club mitteilte. Die Daten der Personen seien auch an die Polizei übergeben worden, die nun ermitteln wird. Auch der Verein selbst wolle die Vorfälle noch genauer untersuchen. «Wenn die Täter für schuldig befunden werden, erhalten sie ein Stadionverbot im London Stadium und dürfen nicht mehr mit dem Club reisen», hieß es in der Mitteilung von einem Club-Sprecher: «Ein Verhalten dieser Art ist inakzeptabel und wird bei West Ham United nicht toleriert.»

Zu den Angriffen war es kurz nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich von West Ham in der 21. Minute gekommen. «Wir werden hier attackiert», berichtete Hofmeister während der Live-Übertragung. In den Sekunden davor waren Tumulte hörbar gewesen. «So etwas habe ich noch nicht erlebt», sagte Brockmeier, dem das Headset vom Kopf gerissen worden war: «Wir sind geschockt.» In der Pause wechselten die beiden Reporter des Hessischen Rundfunks die Plätze und kommentierten von dort weiter. «Mental war das danach schwierig», sagte Hofmeister.

© dpa

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