Mentale Herausforderung: BVB vor kniffligem Start

Das erste Pflichtspiel wird für den BVB zu einer mentalen Herausforderung. Bei 1860 München wird sich zeigen, wie sie den Schock über die Tumor-Erkrankung von Sébastien Haller verarbeitet haben.
Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke blickt besorgt auf den Saisonstart seines Vereins. © David Inderlied/dpa

Die Leichtigkeit vergangener Trainingstage ist noch immer nicht zurück. Nach der Tumor-Operation bei Sébastien Haller, die den Angreifer zu einer monatelangen Pause zwingt, geht beim BVB die Sorge vor einem holprigen Saisonstart um.

Die Vorfreude auf das Pokalspiel am Freitag (20.45 Uhr/ZDF und Sky) bei 1860 München wird durch die Gedanken an den erkrankten Neuzugang getrübt. Bei allem Verständnis für die Betroffenheit beschwor Trainer Edin Terzic seine Profis, den Fokus auf die Partie beim Drittligisten zu richten: «Unsere Gedanken sind jeden Tag bei ihm. Aber darauf wird keiner mehr Rücksicht nehmen. Wir sind gefordert, damit professionell umzugehen.»

Watzke hofft auf ein «Jetzt-erst-Recht»

Ähnlich wie der Rose-Nachfolger verspürt auch Hans-Joachim Watzke zu Beginn des Fußball-Jahres 2022/23 ein mulmiges Gefühl. «Es könnte holprig werden», orakelte der BVB-Geschäftsführer in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur mit Bezug auf den Haller-Ausfall, hofft aber auf eine Jetzt-erst-Recht-Reaktion aller Beteiligten: «Das dürfen wir nicht als Alibi in irgendeiner Weise nutzen, sondern müssen das als Herausforderung sehen.»

Vom Krankenbett aus startete Haller den Versuch, zu einem erfolgreichen Start seines Teams beizutragen. «Er war super stabil und unglaublich positiv und hat auch der Mannschaft gesagt: 'Tut euren Job, gebt alles. Seht zu, dass wenn ich zurückkomme, wir noch voll im Rennen sind.' Und das werden die Jungs auch tun», sagte Sportdirektor Sebastian Kehl.

Erstmals nach der Diagnose Anfang vergangener Woche äußerte sich der Revierclub zur Ausfallzeit von Haller. «Die aktuellen Befunde dauern noch an. Der Therapieweg wird jetzt besprochen, aber eines kann ich vorwegnehmen: Sébastien wird uns sicherlich ein paar Monate fehlen», sagte Kehl, ließ aber offen, ob die Lücke im Angriff durch die Verpflichtung eines gestandenen Torjägers geschlossen werden soll: «Wir bereiten uns auf verschiedene Szenarien vor. Unser Kader bietet uns ganz viele Möglichkeiten, uns stehen verschiedene Optionen zur Verfügung. Wir werden nur etwas machen, wenn es wirklich Sinn ergibt. Ansonsten geben wir den Jungs das Vertrauen, die wir hier haben.»

Negative Auswirkungen durch Ausfall

In den beiden anspruchsvollen Generalproben für die Partie in München gegen spanische Clubs während des Trainingslagers in Bad Ragaz wurde deutlich, wie negativ sich der Ausfall von Haller auswirken kann. Sowohl die Partie gegen Valencia (1:3) als auch gegen Villarreal (0:2) ging verloren. In Abwesenheit des als Haaland-Ersatz eingeplanten und über 30 Millionen Euro teuren Zugangs von Ajax Amsterdam wurden selbst beste Chance leichtfertig vergeben. Das schürte Medienspekulationen über das angebliche Interesse des BVB an Mauro Icardi (Paris), Edin Dzeko (Mailand) oder Krzysztof Piatek (Hertha BSC).

Ob es Terzic in München wie schon gegen Villarreal mit einer aus Karim Adeyemi und Donyell Malen bestehenden Doppelspitze versucht, ließ der Coach offen. «Wir haben letzte Woche mit der Doppelspitze etwas ausprobiert, sind auf das Tempo gegangen, wollten uns die Räume öffnen. Aber wir haben auch einige Spieler, die die Rolle vorne allein ausfüllen können.»

Neben Haller muss er auf Neuzugang Salih Özcan, Tom Rothe und Felix Passlack verzichten. Dagegen meldeten sich die zuletzt angeschlagenen Gregor Kobel und Emre Can fit zurück. Ungeachtet der Personallage warnte der 39 Jahre alte Trainer seine Profis, den Drittligisten zu unterschätzen: «1860 hat eine gute Entwicklung genommen in den letzten zwei Jahren. Es werden Aufgaben auf uns zu kommen.» Zudem verwies Terzic auf die große Bedeutung des Pokals: «Dieser Wettbewerb ist uns sehr wichtig. Der BVB möchte immer um Titel mitspielen und dieser ist am schnellsten zu erreichen. Wir wollen jede Runde sehr gewissenhaft, professionell und zielstrebig angehen.»

BVB stellt Chefscout Pilawa frei

Der Bundesligist hat unterdessen mitgeteilt, dass Chefscout Markus Pilawa mit sofortiger Wirkung freigestellt wurde. Laut Mitteilung hatte der 44-Jährige zuvor angekündigt, «zu einem direkten Konkurrenten wechseln zu wollen». «Wir respektieren diesen Entschluss und haben uns mit Blick auf die anstehenden Herausforderungen dazu entschieden, Markus Pilawa unmittelbar von seinen Aufgaben zu entbinden. Wir bedanken uns für die langjährige Zusammenarbeit und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute», wurde BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl zitiert.

Pilawa war im Jahr 2012 als Scout vom VfL Bochum zu Borussia Dortmund gewechselt und hatte dort 2017 die Nachfolge des heutigen Stuttgarter Sportdirektors und damaligen BVB-Chefscouts Sven Mislintat angetreten. Zu welchen Club der Bochumer wechselt, ließ der BVB offen. Laut Medienberichten sind der FC Bayern, RB Leipzig und der VfL Bochum an einer Zusammenarbeit mit Pilawa interessiert.

© dpa
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