Endspiel - oder nicht? Bayer-Bosse schweigen zu Seoane

Auch am Tag danach schweigen die Bayer-Bosse lange zur Zukunft von Trainer Gerardo Seoane. Der Schweizer steht wohl kurz vor dem Aus. Über Nachfolger wird in Leverkusen längst spekuliert.
Bayer-Trainer Gerardo Seoane gestikuliert an der Seitenlinie. © Luis Vieira/AP/dpa

Die Zukunft von Gerardo Seoane blieb auch am sonnigen Mittwochmorgen in Porto unklar. Bei sommerlichen Herbsttemperaturen stiegen Bayer Leverkusens Clubboss Fernando Carro und Sportchef Simon Rolfes ohne ein öffentliches Wort zum angezählten Trainer in den Flieger Richtung Heimat.

Die drängendste Frage bleibt damit nach dem 0:2-Rückschlag in der Champions League beim FC Porto weiter unbeantwortet: War’s das jetzt für den schwer unter Druck stehenden Seoane? Oder bekommt der Schweizer sein Job-Endspiel in der Fußball-Bundesliga am Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen den FC Schalke 04?

Seoane gehen immer mehr die Argumente aus

Selbst konnte er diese Fragen am späten Dienstagabend nicht beantworten. Stattdessen redete der 43-Jährige darüber, «sofort wieder den Blick nach vorne zu richten, die positiven Dinge mitzunehmen». Was hätte er auch sonst sagen sollen? Nachdem Bayer in der Königsklasse einen großen Schritt Richtung Achtelfinale verpasst hat, gehen Seoane immer mehr die Argumente aus.

Immerhin sein Abwehrchef Jonathan Tah stellte sich hinter den Coach. «Wir sind weiterhin überzeugt. Der Trainer hat eine super Connection zu der Mannschaft», meinte der Verteidiger bei DAZN. Parallel berichteten mehrere Medien bereits davon, dass der ehemalige Bayern-Profi Xabi Alonso Topfavorit auf die Nachfolge Seoanes sei.

Fakt ist, dass die Werkself sich unter dem Schweizer in eine sehr schwierige Lage manövriert hat. Zwar zeigte die Mannschaft anders als zuletzt beim 0:4-Debakel beim FC Bayern immerhin wieder die Grundtugenden des Fußballs. Im zweiten Durchgang in Porto wurde der Auftritt dann aber immer schwächer. In der Defensive wackelten die Rheinländer gewaltig, in der Offensive trafen sie das Tor nicht.

Trauriger Höhepunkt war der verschossene Elfmeter von Angreifer Patrik Schick (45.), der wie viele seiner Teamkollegen weit von seiner Topform entfernt ist. So blieben die ebenfalls fehleranfälligen Portugiesen im Spiel. Zaidu (69.) und Galeno (87.) besiegelten die Niederlage mit ihren Toren.

Bayer wirkt auf dem Platz kopf- und führungslos

Es wäre nun falsch, Seoane vorzuwerfen, nicht alles zu probieren. In den vergangenen Wochen versuchte er vieles, nur nichts davon zeigt Wirkung. Eine ähnliche Krisenlage hatte der Coach in seiner zuvor von Erfolgen geprägten Karriere noch nie bewältigen müssen. Dass ihm also Erfahrung im Umgang mit einer solchen Situation fehlt, ist sicher einer der Gründe für Bayers Niedergang.

Zudem wirkt das Team auf dem Platz kopf- und führungslos. Als Porto im zweiten Durchgang die Intensität erhöhte, die Leverkusener hoch angriff und unter Druck setzte, geriet der Bundesligist erheblich ins Wanken. Was ebenfalls nicht neu war: Bayer ließ sich extrem leicht auskontern. All das bekommt Seoane nicht in den Griff. Weshalb er nun mehr denn je vor dem Aus steht.

Ob tatsächlich Xabi Alonso erster Kandidat auf seine Nachfolge ist, ist abzuwarten. Clubchef Carro hatte zuletzt betont, dass der Club für den Fall einer Beurlaubung Seoanes vorbereitet ist. Wie es in dieser Sache jetzt aussieht, kann nur einer der Chefs selbst beantworten. Zumindest in Portugal wollten sie das jedoch nicht mehr tun.

© dpa
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