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Union sucht die Automatismen: Rückkehrer macht Hoffnung

Acht Spiele hintereinander haben die einstigen Überflieger von Union Berlin verloren. Jetzt geht es gegen den italienischen Meister. Doch eine zentrale Figur kann das Gefüge wieder stärken.
Rani Khedira
Unions Rani Khedira steht vor seinem Debüt in der Königsklasse. © Andreas Gora/dpa

Morgens um acht Uhr auf der Massagebank im Gespräch mit dem Physiotherapeuten hatte Union Berlins Mittelfeldspieler Rani Khedira kurz Zeit zu träumen.

«Ich freue mich riesig drauf, weil ein Kindheitstraum in Erfüllung geht, für den man sein Leben lang gearbeitet hat», sagte der 29-Jährige vor dem Champions-League-Heimspiel der Berliner gegen den italienischen Meister SSC Neapel am Dienstag (21.00 Uhr/DAZN). Khedira dürfte endlich sein Debüt in der Königsklasse feiern.

Schmerzhaft sei es gewesen, dass er die ersten beiden Spiele der Eisernen gegen Real Madrid und den SC Braga wegen einer Verletzung verpasst habe. Ebenso sehr litten die Berliner unter der Abwesenheit ihres Mittelfeldorganisators.

Union gegen Neapel unter Druck

Im Pokal bei Walldorf verletzte er sich im August. Danach gab es für Union zunächst noch zwei Siege und dann acht Niederlagen in Serie. Das gab es unter Trainer Urs Fischer seit 2018 nicht einmal ansatzweise. Erst am Wochenende kehrte Khedira gegen Stuttgart (0:3) in die Elf zurück, noch ohne direkten Erfolg. «Wir versuchen es einfach wieder auf ein Neues, die Situation zu drehen.»

Gegen Neapel müssen die Berliner fast schon gewinnen, um die Chance auf das Überwintern im europäischen Geschäft am Leben zu erhalten - ob nun in der Königsklasse oder als Gruppendritter auf dem Weg in die Europa League. Null Punkte stehen nach den Niederlagen gegen Real Madrid und Braga zu Buche.

«Wir hatten den nächsten Umbruch im Sommer. Die Mannschaft ist spät zusammengekommen. Da haben die einen oder anderen Automatismen noch nicht so gegriffen. Andererseits hast du dazu ein gewisses Verletzungspech», versuchte sich Khedira an einer Erklärung mit dem Blick von außen.

Für diese Automatismen sind bei Union kaum zwei Spieler so wichtig wie die eigentlichen Dauerbrenner Khedira und Robin Knoche, der ebenfalls länger fehlte. Unions Erfolg der letzten Jahre basierte nicht auf absoluter Dominanz. Es ging um Prozente. Der eine Schritt mehr, das intuitiv richtige Verschieben der Ketten. Schon kleinere Fehler können das ganze Gebilde ins Wanken bringen.

Die Probleme seien nicht an einem Punkt festzumachen, sagte Fischer. Es gehe um Geschlossenheit, Automatismen, die Galligkeit in den Zweikämpfen. «Die Kompaktheit so hinzubekommen, dass die drei Linien perfekt miteinander funktionieren.» Die Spieler müssten auch selbstbewusst bleiben, um im Spiel mutige Entscheidungen zu treffen.

Gosens angeschlagen

Auf der Bank des Physios nahm nach dem Training auch Unions Rekordtransfer Robin Gosens Platz und konnte nicht, wie eigentlich geplant, zur Pressekonferenz. «Ich will noch nicht zu viel sagen. Er ist in der Behandlung», sagte Fischer. «Ich bin aber wirklich sehr positiv gestimmt, dass es mit Robin morgen funktionieren wird.»

Gosens war als Neuzugang in der Abwesenheit von Khedira und Knoche deutlich schneller als Führungsspieler gefordert, als es ihm und den Verantwortlichen lieb gewesen sein dürfte. Mit der Leistung von Gosens ist Fischer «soweit einverstanden», aber längst nicht vollkommen zufrieden. «Er hat angedeutet, zu was er fähig ist. Er hat sich als doch sehr torgefährlich herauskristallisiert», lobte der Schweizer zunächst und ergänzte: «Es gibt noch Dinge, an denen er arbeiten muss. Gerade, wenn es um Automatismen geht.»

Auch Italiens Europameister Leonardo Bonucci, ein weiterer Teil von Unions Transfer-Offensive, habe eine schwierige Situation gut gelöst, sagte der Schweizer. Aber auch: «Wenn man achtmal hintereinander verliert, kann man mit dem Ganzen nicht zufrieden sein.» Khedira gab sich jedoch betont selbstbewusst, dass die Negativserie bald ein Ende findet: «Wir wissen, wo wir die Hebel ansetzen müssen.»

© dpa ⁄ David Langenbein und Jordan Raza, dpa
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