Schnelles Wiedersehen: Dortmunds Respekt vor «Dämon» Haaland

Genau vier Monate nach seinem letzten Spiel für Borussia Dortmund trifft Erling Haaland erstmals auf den BVB. Und er könnte seinen Ex-Club in eine unangenehme Situation bringen.
Stürmerstar Erling Haaland (M.) startete furios in Manchester. © Jose Breton/AP/dpa

Der Respekt vor der Urgewalt von Erling Haaland scheint bei Borussia Dortmund mindestens so groß wie die Freude auf das Wiedersehen mit dem Ex-Liebling.

«Das ist sicher ein spezielles Aufeinandertreffen», sagte Sportchef Sebastian Kehl vor dem Abflug zum Champions-League-Spiel bei Haalands neuem Club Manchester City (21.00 Uhr/DAZN) mit einem Lächeln: «Erling ist in fantastischer Form.»

Auch Trainer Edin Terzic freut sich auf das Wiedersehen. «Wir werden alles tun, ihn aufzuhalten», sagte er über Haaland. Doch Terzic hat großen Respekt vor dem gesamten Team. Man brauche eine gute Leistung und einen «Sahnetag» von Torhüter Alex Meyer, «denn ManCity ist in der Lage, gegen jeden Gegner vier, fünf Tore zu schießen», sagte Terzic: «Sie sind durch Erling nochmal stärker geworden. Aber sie haben auch so eine unfassbare Qualität, holen in der Liga jedes Jahr 90 Punkte und schießen 100 Tore. Deshalb hat es uns nicht gewundert, wie herausragend Erling hier gestartet ist.»

Auch Kehl betonte: «Manchester hat insgesamt eine sehr starke Mannschaft, ist Favorit in der Gruppe, möglicherweise der Favorit in der Champions League.» Dem BVB hänge zudem «das Leipzig-Spiel noch in den Klamotten», sagte Kehl mit Blick auf das 0:3 am Samstag: «Doch warum sollten wir da nicht überraschen?» Mut macht, dass die drei zuletzt verletzten Offensivspieler Donyell Malen, Karim Adeyemi und Thorgan Hazard alle mitflogen.

Schlotterbeck selbstbewusst

Optimismus stellt in Nico Schlotterbeck einer zur Schau, der letztes Jahr auch schon Gegner und nicht Mitspieler von Haaland war. «Wie man Erling Haaland stoppt, weiß ich», sagte der Nationalverteidiger selbstbewusst bei Sport1: «Wir müssen den ganzen Verein stoppen, da ist Erling das kleinste Problem.» Seine Zuversicht zieht Schlotterbeck aus dem 2:1 im Vorjahr mit Freiburg gegen den BVB, als er den 22-Jährigen komplett ausschaltete. «In dem Spiel habe ich gemerkt, wie gut ich sein kann», sagte er dem «Kicker».

Haaland selbst hat sich seit dem Wechsel nur selten explizit zum BVB geäußert. Die zweieinhalb Jahre mit 86 Toren und 109 direkten Torbeteiligungen in 89 Pflichtspielen seien eine «fantastische Zeit» gewesen, sagte er einmal. Ein anderes Mal hatte er nur erklärt, dass das Level in Manchester höher sei, was dem Norweger prompt als Stichelei ausgelegt wurde. Die Auslosung kommentierte er bis heute gar nicht, noch nicht mal vor seinen 18,3 Millionen Followern bei Instagram.

Gündogan schwärmt von Haaland

«Er war sehr glücklich nach der Auslosung», verriet aber sein Teamkapitän Ilkay Gündogan, von 2011 bis 2016 selbst in Diensten des BVB. Für Haaland, der exakt vier Monate vor dem Spiel zum letzten Mal im Dortmunder Trikot auflief, sei es noch spezieller als für ihn selbst. «Für mich liegt das einige Jahre zurück, ich bin schon mehr als sechs Jahre hier», sagte Gündogan: «Für ihn wird es noch etwas außergewöhnlicher sein, weil er 95 Prozent der Mannschaft kennt.»

Doch der am Mittwoch verletzt fehlende BVB-Keeper Gregor Kobel ist sich sicher, «dass er sehr, sehr motiviert sein wird». Wegen der schönen Zeit und dem etwas zähen Abgang. Vor allem aber, weil Haaland nicht zuletzt deshalb wechselte, um die Chancen auf seinen großen sportlichen Traum zu erhöhen. «Ich liebe die Champions League», betonte er dieser Tage: «Jeder weiß das. Und sie zu gewinnen, ist ein großer Traum von mir.»

Furioser Haaland-Start

Die 25 Treffer, die Haaland in der Königsklasse schon erzielte, sind Rekord nach 20 Einsätzen. Und überhaupt war sein Start in Manchester sogar noch furioser als der aus dem Jahr 2020 in Dortmund. Zwölf Tore schoss er in den ersten acht Spielen. Vor zweieinhalb Jahren waren es elf gewesen. «Ich liebe diese neue Routine, in jeder Pressekonferenz über Erling und seine Tore zu sprechen», sagte City-Coach Pep Guardiola, von 2013 bis 2016 Trainer des FC Bayern, der mit den Münchnern und Manchester sechs der letzten acht Spiele gegen den BVB gewann. «Und man hat das Gefühl, dass er immer mehr Tore schießen könnte.» Deswegen und wegen der optischen Ähnlichkeit zur Figur Daemon Targaryen aus der Serie «Game of Thrones» nennen ihn viele ihn England schon «Dämon».

Doch für den BVB gibt es nicht nur ein Wiedersehen mit Haaland und Guardiola. Sondern auch mit Nationalspieler Ilkay Gündogan, der 2016 vom BVB nach Manchester gegangen war, und mit dem erst vor zwei Wochen gewechselten Manuel Akanji. Der erklärte in einem am Montag erschienenen Interview im «Blick», man habe in Dortmund «Sachen über mich behauptet, die einfach nicht stimmten». Zudem habe das Leistungsprinzip «nicht mehr gezählt».

Für das Spiel am Mittwoch gab er zudem ein Motto aus, das den Respekt oder gar die Furcht des BVB vor Haaland gut auf den Punkt bringt: «Du spielst lieber mit Haaland als gegen Haaland.»

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Manchester City: Ederson - Joao Cancelo, Ruben Dias, Akanji, Sergio Gomez - Rodrigo - Gündogan, De Bruyne - Alvarez, Haaland, Grealish

Borussia Dortmund: Meyer - Süle, Hummels, Schlotterbeck - Wolf, Bellingham, Özcan, Guerreiro - Brandt, Reus - Modeste

Schiedsrichter: Orsato (Italien)

© dpa
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