Choupo-Moting fordert Lewandowski - Barça droht Aus

Diese Stürmergeschichte ist kurios. Ausgerechnet der langjährige Ersatzmann Choupo-Moting könnte Superstar Lewandowski aus der Champions League schießen.
Ist in Torlaune: Bayern-Angreifer Eric Maxim Choupo-Moting. © Uwe Anspach/Deutsche Presse-Agentur GmbH/dpa

Oliver Kahn ließ sich bei seinen Ausführungen zum FC Barcelona und dem urplötzlichen Torjägerduell zwischen Choupo und Lewy am VIP-Bereich des Münchner Flughafens auch vom Klingeln seines Handys nicht groß ablenken.

Der Chef des deutschen Fußball-Rekordmeisters freut sich auf ein «großes Spiel» am Mittwoch (21.00 Uhr/DAZN) im Camp Nou und richtete den Fokus nach dem schon erledigten Einzug ins Champions-League-Achtelfinale ganz auf das nächste Ziel - den Gruppensieg. «Wir haben nichts zu verschenken in Barcelona. Die Mannschaft möchte auf diesem Flow bleiben», sagte er zur Fortführung der begonnenen Siegesserie.  

Das fordert auch Trainer Julian Nagelsmann. «Wenn du um den Champions-League-Titel mitspielen willst, solltest du dir nicht zu viele Schwächen erlauben», sagte der Münchner Trainer am Dienstagabend in Barcelona. «Es geht immer auch darum, ein Zeichen zu senden nach innen und außen. Morgen ist wieder die Chance, ein Zeichen zu senden.»

«Robert ist jetzt beim FC Barcelona. Basta!»

Das nächste Wiedersehen mit Lewandowski nur wenige Wochen nach dem 2:0-Hinspielerfolg in München streifte Kahn verbal nur noch kurz. «Robert ist jetzt beim FC Barcelona und muss sich auf die Aufgabe dort konzentrieren», bemerkte der Bayern-Chef. Basta! Umso lieber sprach Kahn über den Mann, der gerade dafür sorgt, dass das Thema Mittelstürmer nach dem Verlust von Lewandowski die Münchner Bosse und Nagelsmann nicht mehr in Erklärungsnot bringt: Eric Maxim Choupo-Moting. 

Der plötzliche Fließband-Torschütze plauderte beim Aufwärmprogramm des noch in München absolvierten Abschlusstrainings lachend mit den Teamkollegen. Die Situation mutet kurios an: Ausgerechnet der einstige Lewandowski-Ersatzmann könnte den langjährigen Bayern-Superstar aus der Königsklasse schießen. 

«Er ist eiskalt vor dem Tor», lobte Kahn und ergänzte, dass die Leistungsexplosion von Choupo-Moting für ihn «keine so große Überraschung» sei wie für andere. Begründung: «Wenn er in der Vergangenheit gespielt hat - auch schon zu Zeiten von Robert Lewandowski - hat er immer seine Leistung gebracht und seine Tore gemacht. Das zeigt er jetzt, dass man sich auf ihn verlassen kann.» Auch in Barcelona?

Im Normalfall steht schon beim Anpfiff fest, dass Lewandowski mit Barça seine Lieblingsbühne Champions League schon nach der Gruppenphase verlassen muss. Wenn Inter Mailand das schon um 18.45 Uhr stattfindende Heimspiel gegen Viktoria Pilsen gewinnt, brauchen die Bayern um den zurückgekehrten Barcelona-Experten Thomas Müller (acht Tore in acht Spielen gegen Barça) für den angestrebten sicheren Gruppensieg einen Dreier. Und Lewandowski wäre ausgeschieden und müsste mit dem für rund 150 Millionen Euro im Sommer aufgemotzten katalanischen Ensemble in die Europa League absteigen. 

Bayerns Abwehrchef Matthijs de Ligt erwartet ein «großes Spiel», wie er am Vorabend im Teamhotel hervorhob. «Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, dass wir Erster in unserer Gruppe werden - und dafür müssen wir gewinnen.»

Kahn: «Einen muss es erwischen»

Kahn betonte, dass dieses Szenario und das damit verbundene Aus von Lewandowski für ihn «ganz bestimmt keine Genugtuung» bedeuten würde. «Es ist die stärkste Gruppe. Einen muss es erwischen», bemerkte Kahn.

Nach vier Toren in den jüngsten drei Pflichtspielen sieht Kahn übrigens keinen Druck, mit dem 33 Jahre alten Choupo-Moting frühzeitig über einen neuen Vertrag zu reden. Der aktuelle endet nach der Saison. «Wenn der Zeitpunkt kommt, setzen wir uns zusammen. Das ist jetzt noch sehr früh», sagte Kahn.

Mit weiteren Toren und Vorlagen kann der im Oktober 2020 ablösefrei von Paris Saint-Germain gekommene Choupo-Moting für sich werben. «Es gibt kein wirkliches Geheimnis. Wir trainieren alle sehr gut, ich haue mich jedes Training richtig rein. Ich vertraue in meine Qualitäten», begründete der ehemalige Teamkollege von PSG-Größen wie Neymar und Kylian Mbappé seinen eindrucksvollen Oktober-Lauf.

Barcelona mit dem Rücken zu Wand

Tore schießt der nach einem großen Sommertheater für mindestens 45 Millionen Euro nach Barcelona gewechselte Lewandowski auch für seinen neuen Topclub reichlich. Zwölf sind es in der Liga, fünf in Europas Bestenklasse. Doch ganz nach dem Geschmack läuft die Saison für den Weltfußballer nicht. Zuletzt musste er sich auch bei der Ehrung von Real-Stürmer Karim Benzema mit dem Ballon d'Or in Paris bei den Gratulanten einreihen. Der nur durch ein Fußball-Wunder zu vermeidende Abstieg in die Europa League würde Polens WM-Star extrem ärgern.

Über 1000 Kilometer entfernt von seiner früheren Arbeitsstelle an der Säbener Straße stimmte sich Lewandowskis Team bei angenehmen 25 Grad zeitgleich zu den Münchnern auf die womöglich letzte Chance ein. «Es ist klar, dass sich die Mannschaft gegen Inter und Real Madrid nicht von ihrer besten Seite gezeigt hat, aber der Spielraum für Verbesserungen ist sehr groß», sagte Lewandowski mit Blick auf das 1:3 gegen Real und nur einem Punkt aus zwei Spielen gegen Mailand.

«Barcelona steht mit dem Rücken zur Wand in der Champions League und will noch mal kommen», sagte Sven Ulreich, der Manuel Neuer erneut im Tor vertreten wird. Dass der Kapitän am Dienstag wieder über den Trainingsrasen joggte, legt nahe, dass die anvisierte Rückkehr der Nummer 1 nach seiner Zwangspause wegen einer Schulterblessur am Samstag gegen Mainz glücken könnte. «Es ist eine schmerzhafte Geschichte, aber es ist nichts so Ernstes. Er dürfte demnächst auch wieder bereit sein», sagte Kahn, bevor er in den Flieger nach Katalonien stieg.

Voraussichtliche Aufstellungen:

FC Barcelona: ter Stegen - Sergi Roberto, Koundé, Marcos Alonso, Jordi Alba - Busquets - Gavi, Pedri - Ferran Torres, Lewandowski, Dembelé

FC Bayern München: Ulreich - Pavard, Upamecano, de Ligt, Davies - Goretzka, Kimmich - Gnabry, Müller, Musiala - Choupo-Moting

Schiedsrichter: Taylor (England)

© dpa
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