Basketballer zwischen EM-Euphorie und Energiekrise

Die EM ist kaum vorbei, da startet die Basketball-Bundesliga schon wieder in ihre neue Saison. Der Gewinn der Bronzemedaille soll auch der Liga einen Schub geben. Doch es lauern neue Sorgen.
Hofft auf einen Schub für die BBl durch die Basketball-EM: Alba-Geschäftsführer Marco Baldi. © Soeren Stache/dpa

Nach dem EM-Rausch hofft auch die Bundesliga auf Basketball-Festspiele und einen Schub im Kampf um mehr Anerkennung und öffentliche Wahrnehmung.

«Ich glaube, das wird sich sehr positiv auswirken. Ob das direkt in den Ticketverkauf geht, bleibt abzuwarten. Aber was immer wichtig ist, jeder hat gesehen, was möglich ist», sagte Alba Berlins Geschäftsführer Marco Baldi in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die starken Auftritte der Nationalmannschaft mit dem Gewinn der Bronzemedaille und vollen Hallen in Köln und Berlin machen Lust auf mehr.

«Die Chance besteht vor allem darin, dass der Basketball ein Stück weit ins Schaufenster gestellt wurde und Menschen außerhalb unserer «Blase» erreicht wurden, die davor nichts oder wenig mit Basketball zu tun hatten», sagte BBL-Geschäftsführer Stefan Holz dem Fachmagazin «BIG - Basketball in Deutschland».

Erste Medaille seit 17 Jahren

Das deutsche Team um Kapitän Dennis Schröder hatte bei der EM die erste Medaille seit 17 Jahren gewonnen und mit starken Leistungen dafür gesorgt, dass die Spiele ab dem Viertelfinale auch bei RTL im Free-TV liefen. «Durch die Nationalmannschaft werden wir neue Fans und auch Aufmerksamkeit für die Liga und unseren Club gewinnen, die eventuell auch neue mögliche Partner bringen wird», sagte Steffen Liebler, Geschäftsführer der Würzburg Baskets. «Wir haben viele neue Menschen in der Halle sehen können. Und ich habe von vielen gehört, dass sie sich das jetzt auch mal in der Bundesliga anschauen wollen», sagte BBL-Präsident Alexander Reil.

Allerdings gibt es auch Stimmen, die keine großen Auswirkungen auf die Saison, die am Mittwoch mit der Partie Alba Berlin gegen Hamburg Towers beginnt, erwarten. «Die EM wird nicht dafür sorgen, dass plötzlich signifikant mehr Zuschauer zu den Spielen in der Bundesliga kommen», sagte Göttingens Geschäftsführer Frank Meinertshagen. Allerdings steigere sie das Interesse am Basketball allgemein. Martin Geissler vom Mitteldeutschen BC macht sich dagegen keine Illusionen. «Die BBL ist ein regionales Phänomen. Ebenso wenig wie die verkorkste WM 2019 einen negativen Effekt zu Folge hatte, erwarten wir nun einen positiven Effekt.»

Auch BBL-Boss Holz warnt vor zu großen Hoffnungen. «Dass ein einzelnes Turnier sofort alles verändern kann, ist ein Mythos. Das hat auch im Handball oder Eishockey noch nie funktioniert», sagte Holz. Doch nach zwei schweren Pandemie-Jahren kommen die Erfolge der Nationalmannschaft zur rechten Zeit. «Grundsätzlich haben alle Clubs Corona gut überstanden und sind mittlerweile wieder in sichereren Gefilden angekommen», sagte Holz. Man sei, was den Gesamtumsatz angehe, aber noch nicht wieder auf dem Niveau von vor Corona.

Lage «eine enorme Herausforderung»

Und mit der sich anbahnenden Energiekrise im Winter und der ungewissen Entwicklung der Pandemie lauern die nächsten Krisenherde bereits am Horizont. «Die Lage ist eine enorme Herausforderung und wir alle hoffen, dass wir als Liga nach der Pandemie auch diese Krise mit ihren spürbaren Auswirkungen verkraften werden», sagte Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic mit Blick auf die Energiekrise. Die Clubs setzen beim Energiesparen unter anderem auf LED-Lampen in den Hallen und Fotovoltaik-Anlagen auf den Dächern.

Neben dem Profibetrieb haben die Verantwortlichen aber vor allem auch die Kinder und Jugendlichen im Blick. «Wichtig ist in der aktuellen Lage aber auch, dass der Sport als vereinendes Element in der Gesellschaft erhalten bleibt und nicht (wieder) abgeschlossen wird. Sporthallen müssen offen bleiben – für den Breiten- und den Spitzensport», forderte Yannick Binas, Geschäftsführer der Fraport Skyliners aus Frankfurt. Bei allen weiter bestehenden und neuen Sorgen überwiegt aber die Vorfreude auf die neue Spielzeit. «Die Herausforderungen sind ja offensichtlich: Viertes Jahr Pandemie, Energiekrise und Rezension. Aber wir werden nicht jammern, sondern die Herausforderungen annehmen und das managen», sagte Holz. «Es gibt so viele Geschichten, auf die sich die Fans freuen können.»

© dpa
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