Giffeys brisanter Wechsel bringt ihn selbst in Terminnot

Niels Giffey und Alba Berlin - das gehörte jahrelang wie selbstverständlich zusammen. Doch nun spielt der Nationalspieler für den großen Rivalen - und bringt sich selbst in Terminschwierigkeiten.
Deutschlands Niels Giffey (r) und in Aktion gegen den Niederländer Shane Hammink. © Matthias Stickel/dpa

Eigentlich sollte Niels Giffey in diesen Tagen in Bamberg sein. In der einstigen deutschen Basketball-Hochburg bereitet sich die Nationalmannschaft derzeit auf das WM-Qualifikationsspiel gegen Finnland am Freitag vor.

Giffey war als einer von drei EM-Helden fest eingeplant, sollte dem wieder einmal wild zusammengewürfelten Kader zusammen mit Lokalmatador Christian Sengfelder und Justus Hollatz Stabilität verleihen und den Schwung der gewonnenen Bronzemedaille mitbringen. Doch anstatt in Bamberg trainiert Giffey derzeit im rund 230 Kilometer entfernten München. Denn seit Dienstag steht fest, was schon seit einigen Tagen spekuliert wurde - Giffey trägt ab sofort das Trikot des FC Bayern, hat sich bis Sommer 2025 an die Münchner gebunden.

Giffey: «Natürlich ein spezieller Schritt für mich»

Es sind also turbulente Tage für den 31-Jährigen - und die nächsten werden nicht minder spannend. Denn läuft alles nach Plan, feiert der zweifache US-College-Champion sein Debüt am Donnerstag ausgerechnet in seiner Geburtsstadt Berlin beim deutschen Euroleague-Duell zwischen Alba und Bayern (20.00 Uhr/Magentasport).

«Das ist natürlich ein spezieller Schritt für mich und auch ein emotionaler, den ich lange durchdacht habe», sagte Giffey, der erst vor einigen Wochen nach Murcia in die starke spanische ACB gewechselt war. Die Fans in Berlin werden ihn am Donnerstag nicht gerade freundlich begrüßen. In den einschlägigen Internetforen gab es nach Bekanntgabe des Wechsels bereits heftige Kritik an der Entscheidung des Small Forwards, der in der Bundesliga von 2014 bis 2021 insgesamt 245 Mal das Alba-Trikot getragen hatte und sich im vergangenen Jahr mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft nach Litauen zu Zalgiris Kaunas verabschiedet hatte.

«Aber München ist jetzt eine sehr gute Option für mich, auch wegen der längerfristigen Perspektive», sagte Giffey, der bei den Bayern in Paul Zipser, Andreas Obst, Isaac Bonga und Nick Weiler-Babb viele alte Bekannte aus der Nationalmannschaft wieder trifft. Am Donnerstag gibt es dann in Berlin zudem ein Wiedersehen mit Maodo Lo und Johannes Thiemann, mit denen er in der Mercedes-Benz-Arena Mitte September die erste deutsche Medaille seit 17 Jahren geholt hatte.

Dass am Donnerstag fünf EM-Helden in der Euroleague auf dem Parkett stehen, anstatt am Tag danach für Deutschland in der WM-Qualifikation zu spielen, zeigt den Irrsinn, der seit einigen Jahren im internationalen Basketball herrscht. Zwischen dem Weltverband Fiba und der privat organisierten Euroleague gibt es seit längerem Konflikte bezüglich des Spielkalenders. In der europäischen Königsklasse wird demnach auch in Länderspielfenstern weiter gespielt. Daran hat auch der Wechsel an der Spitze der Euroleague nichts geändert.

Entscheidung: FC Bayern oder DBB-Auswahl

Giffey hat sich mit seinem Transfer also praktisch selbst in die Bredouille gebracht. Denn spielen kann er nur eines der beiden Spiele. Und dem Deutschen Basketball Bund sind wieder einmal die Hände gebunden. «Es kann sein, dass er am Donnerstag für Bayern spielt. Da trifft der Verein die Entscheidung, weil er dort unter Vertrag ist», sagte Armin Andres als DBB-Vizepräsident der dpa.

Ob Giffey und Co. im zweiten Spiel des Quali-Fensters am Montag in Slowenien dabei sind, steht ebenfalls noch nicht fest. «Wir sind noch dabei, ob es noch eine Möglichkeit gibt. Die Spieler haben schon Interesse, aber die Belastung ist sehr hoch, denn sie haben nach der EM überhaupt keine Pause gehabt», sagte Andres. Und da Deutschland bereits so gut wie sicher für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr qualifiziert ist, ist die Not, die viel belasteten Spieler nachzunominieren, nicht so groß. Auch Giffey könnte dann nach turbulenten Tagen etwas durchschnaufen.

© dpa
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