2. Liga: Ein Aufstiegskampf, der sprachlos macht

01.05.2022 Und plötzlich hat auch der eigentlich schon abgeschriebene Hamburger SV noch Aufstiegschancen. Das Rennen um die Plätze in der Bundesliga sorgt immer wieder für Überraschungen.

Der FC Schalke 04 hat die besten Chancen in die Bundesliga aufzusteigen. © Uwe Anspach/dpa

Die ersten Fünf innerhalb von fünf Punkten, irre Schlussphasen mit unvorhersehbaren Wendungen, ein heiserer Topstürmer, der sein Glück in ein TV-Mikrofon krächzt. Die 2. Liga hält in dieser Saison die Versprechen, die eigentlich die Fußball-Bundesliga geben will.

Der Kampf um den Aufstieg lässt in den kommenden zwei Wochen die enorme Spannung erwarten, die in der deutschen Meisterschaft seit Jahren fehlt. Zwei Vereine werden es in jedem Fall nicht schaffen.

«Die Situation ist, wie sie ist: Mit jedem Punktverlust ist man ein Stück raus, mit jedem Punktgewinn ist man ein Stück weiter», sagte Rüdiger Fritsch, Präsident von Darmstadt 98, bei Sport1 nach dem 6:0 gegen den FC Erzgebirge Aue, das die Lilien auf Platz zwei hinter den FC Schalke befördert hatte. Die Königsblauen hatten bereits am Freitag nach dem 2:1 gegen Sandhausen die Tabellenführung gefeiert. «Das muss man erstmal realisieren, was hier abgegangen ist. Ich habe überhaupt keine Stimme mehr», sagte Simon Terodde bei Sky.

Das spricht für den FC Schalke 04 (59 Punkte/67:41 Tore)

Seit dem Amtsantritt von Interimscoach Mike Büskens gelangen sechs Siege in sieben Spielen. Selbst das deutliche 1:4 im Spitzenspiel gegen Bremen hinterließ kaum Wirkung. Mit dem 2:1 in Sandhausen eroberte der Revierclub die Tabellenführung von Werder zurück. Getragen wird das Team vom leidenschaftlichen Rückhalt der Fans. Der ekstatische Jubel nach dem Last-Minute-Treffer von Terodde dürfte zusätzlichen Auftrieb für den Aufstiegs-Showdown am kommenden Samstag geben. «Diesen Einsatz, diese Leidenschaft, müssen wir auch gegen den FC St. Pauli zeigen. Die Vorfreude auf das Spiel ist riesengroß», sagte der nordmazedonische Nationalspieler Darko Churlinov. Auch Sportdirektor Rouven Schröder sehnt das Duell mit dem Tabellenfünften herbei: «Die Fans werden uns erneut tragen. Wir müssen trotz aller Euphorie aber sachlich und total konzentriert ins Spiel gehen. Der Kopf muss klar sein.»

Das spricht für Darmstadt 98 (57/67:44)

Die aufsteigende Formkurve und seit Samstagabend auch die Tabellenkonstellation machen Hoffnung. «Es war ein herausragendes Spiel vor einer herausragenden Kulisse, das wir verdient gewonnen haben», sagte Torsten Lieberknecht nach dem furiosen 6:0-Sieg über Aue. In den verbleibenden beiden Spielen in Düsseldorf und gegen Paderborn haben die Hessen die Rückkehr ins Oberhaus in der eigenen Hand. Großer Trumpf ist die Offensive um Luca Pfeiffer und Phillip Tietz (je 15 Tore).

Das spricht für Werder Bremen (57/60:43)

Das 2:3 nach 2:0-Führung gegen Holstein Kiel war ein Schock. Werder kann den direkten Aufstieg nicht mehr aus eigener Kraft schaffen. Doch für die Bremer spricht immer noch das vermeintlich leichteste Restprogramm mit Spielen beim Tabellen-17. Aue und gegen den Tabellenelften Regensburg. Und dazu noch der wohl qualitativ beste und vor allem erfahrenste Kader aller fünf Aufstiegskandidaten. Die Defensivspieler Ömer Toprak, Milos Veljkovic (beide verletzt) und Christian Groß (Corona) könnten schon in Aue wieder dabei sein. «Wir haben in der Vergangenheit schon oft bewiesen, dass wir mit Rückschlägen umgehen können», sagte Trainer Ole Werner.

Das spricht für den Hamburger SV (54/62:32)

Die Mannschaft von Trainer Tim Walter ist in dieser Saison Jäger. Die Rolle behagt ihr mehr als in den drei Spielzeiten zuvor, als sie die Gejagte war. Die Nerven scheinen stabiler, das Team schafft es, Walters Scheuklappenkurs-Kurs («Wir bleiben bei uns») umzusetzen. Der Rückstand auf einen direkten Aufstiegsplatz wurde in fünf Spielen von neun Punkten auf drei Zähler verringert. Nur Siege in den restlichen Partien gegen Hannover und Rostock reichen nicht. Die Konkurrenz müsste weiter Punkte einbüßen. Aber das macht sie seit Wochen.

Das spricht für den FC St. Pauli (54/57:43)

Auf dem Kiez hat das Zittern eingesetzt. Die Fans glauben weiter an den Aufstieg, sie singen: «We love St. Pauli». Die Spieler wollen sich zur Trotzreaktion aufraffen. Der Trend der jüngsten fünf Spiele spricht aber gegen sie: Erst Spitzenreiter mit vier Punkten Vorsprung auf Platz vier, jetzt Fünfter mit drei Punkten Rückstand auf Platz zwei. Trainer Timo Schultz verspricht: Jetzt «geht es volle Pulle Richtung Schalke». Dort muss die Mannschaft gewinnen. Zum Schluss kommt Düsseldorf. Abwehrspieler Leart Paqarada: «Auch wenn wir jetzt ein bisschen schlechter dastehen, hat keiner von uns das Ding abgehakt.»

© dpa

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