Profifußball übt Spagat zwischen Tradition und Moderne

Die Deutsche Fußball Liga steht vor großen Herausforderungen bei der Zukunftsgestaltung. Bei der Mitgliederversammlung bekennen sich die Vereine sowohl zu Tradition wie Innovation.
Stellt die Weichen der Zukunft: Donata Hopfen, Vorsitzende der Geschäftsführung der DFL. © Frank Rumpenhorst/dpa

Kein Supercup in Saudi-Arabien, mehr Nachhaltigkeit bei den Clubs und ein klares Bekenntnis zur 50+1-Regel: Die neue Geschäftsführerin Donata Hopfen hat auf der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga eine Austragung des Supercups im Ausland ausgeschlossen.

Im Zusammenspiel mit den Vertretern der 36 Erst- und Zweitligisten hat sie weitere Weichen für die zeitgemäße Weiterentwicklung der Branche gestellt. «Wir stehen vor der Herausforderung, den Profifußball trotz teilweise unterschiedlicher Interessen und Ansichten gemeinsam in eine erfolgreiche Zukunft zu führen», sagte Hopfen.

Supercup in Saudi-Arabien spielt «keine Rolle»

Bei dem Treffen in Wiesbaden gab es von der 46-Jährigen, die das Amt Anfang Januar von Christian Seifert übernommen hatte, auch klare Worte zum Thema Supercup. Eine Austragung des Duells zwischen dem deutschen Meister und DFB-Pokalsieger in Saudi-Arabien spiele «keine Rolle», betonte Hopfen. «Das Thema eines Supercups in Saudi-Arabien war nie Teil der Planung und wird es auch zukünftig nie sein.»

Hopfen hatte Anfang Februar in einem Interview sowohl Playoffs in der Fußball-Bundesliga als auch einen deutschen Supercup in Saudi-Arabien nicht ausgeschlossen. «Ich habe gesagt, dass wir neu denken müssen und dass wir an vielen Stellen sicherlich offen sein müssen für Innovationen», sagte sie nun. Nachdem, was aus ihren Aussagen geworden sei, würde sie das Thema heute stärker abgrenzen. «Deshalb habe ich das heute noch einmal klargestellt», sagte Hopfen.

DFL will konkurrenzfähig bleiben

Zugleich verwies sie darauf, dass der deutsche Fußball in einem immer härteren internationalen Wettbewerb einen eigenen Weg finden müsse. «Ein Weg, auf dem die 50+1-Regel nicht zur Debatte steht und eben trotzdem ein Weg, der auch dafür sorgt, dass wir international konkurrenzfähig bleiben», betonte Hopfen. Die 50+1-Regel besagt im Kern, dass die Stammvereine immer die Mehrheit der Stimmenanteile besitzen müssen. Damit soll ein zu starker Einfluss durch externe Geldgeber verhindert werden. Der Umgang mit der Regel ist seit Jahren ein Streitpunkt.

Im Hinblick auf die internationale Konkurrenzfähigkeit der Bundesliga wünscht sich die DFL-Geschäftsführerin künftig einheitliche Regelungen in Europa bei Themen wie Gehaltsobergrenze für Profis, Beraterhonorare oder Kadergröße. «Das sind Themen, die nur gesamteuropäisch gelöst werden können», sagte Hopfen.

Wirtschaftlich ist die Bundesliga nach der englischen Premier League und der spanischen La Liga die Nummer drei in Europa. Ziel sei es, die große Lücke zu den Branchenführern zu schließen. Ein schwieriges Unterfangen, hatten die 36 deutschen Profivereine in den vergangenen zwei Jahren durch die Corona-Pandemie doch mehr als eine Milliarde Euro Verlust erlitten.

Nachhaltigkeit nun in Lizenzordnung

Beim ihrem Streben nach Gewinnmaximierung wollen die Vereine künftig trotzdem stärker auf die Nachhaltigkeit achten. Ab der Saison 2023/24 müssen sie für den Erhalt der Lizenz einige Mindestkriterien wie den Nachweis einer Nachhaltigkeitsstrategie und einer Umweltstrategie erfüllen. «Das Thema Nachhaltigkeit liegt allen Clubs am Herzen», sagte Hopfen. «Aber es gibt große Unterschiede, was die Relevanz angeht. Einigen Clubs kann es nicht schnell und weit genug gehen, andere Clubs müssen erst entsprechende Strukturen schaffen.»

© dpa
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