Pauli und Darmstadt bereiten Topclubs Aufstiegssorgen

12.12.2021 Hamburg, Bremen, Schalke, Hannover, Nürnberg: In der 2. Bundesliga gibt es zahlreiche ambitionierte Traditionsclubs. Doch an der Spitze der Tabelle stehen überraschend andere.

Als vor der Saison über die großen Aufstiegsfavoriten «in der besten 2. Bundesliga überhaupt» diskutiert wurde, hatte diese beiden Fußballclubs keiner auf der Rechnung.

Der FC St. Pauli kam von ganz unten, der SV Darmstadt 98 hatte mal wieder einen Trainerwechsel zu bewältigen, nachdem sich Markus Anfang zum SV Werder Bremen verabschiedet hatte. Inzwischen ist Anfang bei Werder schon wieder Geschichte und der hochgehandelte Bundesliga-Absteiger deutlich hinter Tabellenführer Pauli und den ersten Verfolger Darmstadt zurückgefallen. Das 1:1 der Hamburger bei Fortuna Düsseldorf am Samstagabend war nun ein weiterer kleiner Schritt Richtung Deutschlands Elite-Spielklasse.

Was ist in den vergangenen 329 Tagen am Millerntor passiert, in denen sich die Hamburger von Zweitliga-Rang 17 zur Herbstmeisterschaft katapultierten? Für St. Paulis Trainer Timo Schultz, der vor elf Monaten noch kräftig gewackelt hatte, steht fest: «Wir haben als Verein zusammengestanden und die richtigen Schlüsse gezogen.» Am Sky-Mikrofon wurde der 44-Jährige geradezu philosophisch: «Manchmal muss man viele kleine Schritte machen, um einen großen Schritt zu machen.»

«Bomben Ausgangssituation»

Gemeinsam mit Sportchef Andreas Bornemann ist es Schultz seit Beginn des Jahres gelungen, einen Kader zusammenzustellen, der nicht nur die für den FC St. Pauli typischen Eigenschaften wie Kampfkraft und Willen verkörpert. Wohin diese Wandlung führt, ist noch offen. Doch die Aussichten sind so gut wie lange nicht mehr. «Wir haben eine bomben Ausgangssituation, ich wüsste nicht, was an der Rückrunde hart werden sollte», erklärte Schultz bei Sport1. «Wir stehen auf dem ersten Platz, wir spielen tollen Fußball, haben viele tolle Spieler in der Mannschaft.»

Eine ähnliche Leichtigkeit verspüren derzeit die Lilien, die mit dem hart erkämpften 1:0-Sieg in Paderborn nicht nur ein wichtiges Signal an die Konkurrenz sendeten, sondern auch einen direkten Konkurrenten zum Hinrundenende auf Distanz hielten. Chefcoach Torsten Lieberknecht erinnerte aber direkt an die vergangenen Jahre in Darmstadt.

Pfeiffer verletzt

«Die letzten drei Saisons war hier etwas anderes gefragt. Das ist etwas, was uns alle erstmal beruhigt, aber nicht zurücklehnen lässt», sagte Lieberknecht. Mit 32 Punkten sind die Lilien bislang besser unterwegs als höher gehandelte Aufstiegsfavoriten wie der Hamburger SV, der FC Schalke 04 oder Bremen. «Wir freuen uns alle für den Moment. Wir freuen uns, dass wir 32 Punkte haben», sagte Lieberknecht. Allerdings sitzen der HSV nach dem 3:0-Erfolg gegen Hansa Rostock am Sonntag und der FC Schalke den Darmstädtern mit drei Punkten Rückstand auf Rang drei und vier im Nacken. Heidenheim verpasste durch die 2:3-Niederlage in Karlsruhe den Sprung auf den dritten Platz.

«Wir sind eine geile Truppe, in der sich jeder unterordnet. Wir gucken weiterhin nicht auf die Tabelle, sondern wollen einfach weiterhin Punkte sammeln», sagte Darmstadts Routinier Tobias Kempe. Trainer Lieberknecht verwies schon vor Wochen darauf, dass man nicht auf die Tabelle schaue. «Und wenn, dann schauen wir nur nach rechts - da stehen nämlich die Punkte.» Als Wermutstropfen blieb, dass sich Topstürmer Luca Pfeiffer am Knöchel verletzte und kommende Woche in Regensburg ausfallen wird.

© dpa-infocom GmbH

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