Dirk Schuster vor Darmstadt-Rückkehr: «Das war dumm von uns»

Dirk Schusters Vita wird immer mit Darmstadts Durchmarsch verbunden sein. Auch als Coach in Kaiserslautern gehört er zu den auffälligsten Trainern.
Kaiserslauterns Trainer Dirk Schuster kehrt nach Darmstadt zurück. © Matthias Bein/dpa

Als Dirk Schuster beim Abschluss des Fußballlehrer-Lehrgangs 2007 unter Erich Rutemöller auf sein Zeugnis warten und warten musste, bekam er einen «echten Schweißausbruch». Alle Teilnehmer nahmen stolz ihre Zertifikate entgegen, nur der ehemalige Abwehrspieler des Karlsruher SC kam einfach nicht dran.

«Ich hatte die größte Angst: Habe ich mich daneben benommen? Irgendwo eine Prüfung verhauen? Bin ich durchgeflogen - oder was?» Dann der Spruch des Chefausbilders: «Das Beste kommt zuletzt.» Lehrgangsbester! Das hatten dem Ex-Nationalspieler der DDR und der Bundesrepublik, der mit seinen Grätschen einst die Strafräume durchpflügte, nicht viele zugetraut.

Heute gehört Schuster zu den etablierten Trainern im deutschen Profigeschäft - mit immer wieder erstaunlichen Erfolgen, aber auch lehrreichen Erfahrungen. An diesem Samstag (20.30 Uhr/Sky) kehrt der 55-Jährige als Chefcoach des zuletzt schwächelnden 1. FC Kaiserslautern in der 2. Bundesliga an die Stätte seines größten Erfolgs zurück: Mit dem SV Darmstadt schaffte er einst den Durchmarsch von der dritten in die erste Liga.

Abschied nicht ohne Misstöne

Die Lilien hielt Schuster damals unter sehr bescheidenen Bedingungen ein Jahr im Oberhaus. Das Böllenfalltor war 2015/2016 so etwas wie die Wunderkiste der Liga. Dann verabschiedete sich Schuster zum FC Augsburg - nicht ohne Misstöne. Die Kommunikation mit Darmstadt sei «etwas unglücklich gelaufen», sagt er heute. «Anders gesagt: Das war dumm von uns. Aber die Sache ist längst aus der Welt geschaffen.»

So selbstkritisch und geradeaus urteilt der gebürtige Chemnitzer auch über sein halbes Jahr mit seinem langjährigen Assistenten Sascha Franz in Augsburg: «Wir haben erst gar nicht richtig begriffen, dass dort ganz andere Strukturen vorherrschen. Dann sind wir teilweise auch ein bisschen forsch aufgetreten.»

Bei seiner Rückkehr nach Darmstadt rettete Schuster die Südhessen vor dem Abstieg aus der zweiten Liga, ehe er 2019 gehen musste. Auch da hält er sich den Spiegel vor. Trainer-Routinier Felix Magath habe ihm mal gesagt: Der Schritt sei ein Fehler gewesen, «weil man zu sehr an früheren Erfolgen gemessen wird». Vom Gesamtbild her müsse er heute sagen: «Er hatte recht.»

Wechsel nach Kaiserslautern

Beim FC Erzgebirge Aue sorgte Schuster dann für zwei sorgenfreie Spielzeiten, ehe er nach einer längeren Auszeit und direkt vor der erfolgreichen Aufstiegsrelegation 2022 nach Kaiserslautern wechselte. FCK-Geschäftsführer Thomas Hengen sagt über seinen früheren Mitspieler beim Karlsruher SC: «Er war ein absoluter Glücksgriff.»

Wenn Schuster das Büro Hengens betritt, dann erinnert ihn da ein Wimpel vom DFB-Pokalfinale 1996 an seine schmerzlichste Niederlage als Spieler. Lautern stand als Bundesliga-Absteiger fest, besiegte aber den KSC. «Wir waren zu sicher, dass wir das Spiel gewinnen», berichtet Schuster. Er habe Hengen schon öfter gesagt: «Mensch, häng' den Wimpel doch ab! Er meint dann immer: 'Ne, da musst jetzt durch.' Also ich werde fast jeden Tag daran erinnert.»

Seinen Wohnsitz hat Schuster immer noch in Karlsruhe, wo seine Frau und seine Tochter im Vorort Durlach einen Schönheitssalon führen. Im Trainergeschäft hält er sich beharrlich und hat sich mit Hilfe von den heute typische Spezialisten im Betreuerstab weiterentwickelt. Für seine Ausdauer steht auch sein sportlicher Ehrgeiz: Zweimal die Woche rennt er mit seinem Trainerteam zehn Kilometer. Drei Marathonläufe hat er bislang bestritten, mit 50 sogar in New York.

Schusters Trainer-Karriere passt zu einem Spruch aus dem Film «Forrest Gump» mit Tom Hanks, den sein Ausbilder Rutemöller vorbrachte: «Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen. Man weiß nie was man kriegt.» Was Schuster gerne noch naschen würde? «Wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann würde ich gern nochmal in der Bundesliga aufschlagen. Es ist halt von der fußballerischen Qualität, von der Handlungsschnelligkeit her nochmal etwas ganz anderes.»

© dpa ⁄ Ulrike John, dpa
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