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Nach Nullnummer: Kölner Unverständnis über Pfiffe

Sie kamen vereinzelt während des Spiels. Und ganz lautstark beim Abpfiff. Erstmals in dieser Saison gibt es nach einem Spiel des 1. FC Köln laute Pfiffe. Was viele Protagonisten ärgert.
1. FC Köln - FSV Mainz 05
Konnte mit Köln lediglich einen Punkt gegen Mainz verbuchen: FC-Coach Steffen Baumgart. © Rolf Vennenbernd/dpa

Stadionsprecher Michael Trippel versuchte mit Lob gegenzusteuern, Trainer Steffen Baumgart stellte die Ohren auf Durchzug, die Spieler äußerten ihren Unmut offen: Das erste Pfeifkonzert der Saison nach dem Abpfiff eines Bundesliga-Spiels des 1. FC Köln hat durchaus für Diskussionen gesorgt.

Die Hilflosigkeit der Kölner beim 0:0 im insgesamt erschreckend schwachen Keller-Duell mit dem FSV Mainz 05 war augenscheinlich. Die Kölner verwiesen aber darauf, in einer schwierigen Situation alles gegeben und gegen einen direkten Konkurrenten nicht verloren zu haben.

«Ich habe Verständnis für Unzufriedenheit, die ist bei uns auch da», sagte Timo Hübers: «Was ich nicht ganz verstehe ist, dass ich diesen Unmut in Pfiffen äußern muss. Klar will man unterhalten werden, wenn man ins Stadion geht. Aber das Einzige, wie ich aktiv Einfluss nehmen kann, ist, dass ich die Jungs unten unterstütze.»

Kölner Ärger

Stadionsprecher Trippel versuchte die Fans derweil mit warmen Worten zu befrieden. Mitten in die Pfiffe hinein sagte er Sekunden nach dem Schlusspfiff durch: «Danke für Ihre Unterstützung im Jahr 2023. Und heute ganz besonders für Ihre Geduld.» 

Brisant am Kölner Ärger über die Missfallens-Bekundungen ist die Tatsache, dass sie die Unterstützung der Südkurve so demonstrativ lobten, dass die Botschaft schien: Echte Fans tun sowas nicht. «Ich habe die Süd gehört. 90 Minuten. Die hat die Mannschaft unterstützt», sagte Baumgart auf die Frage, ob er die Pfiffe vernommen habe: «Das habe ich gehört. Da schaue ich hin. Das ist das Entscheidende. Die Jungs gehen den Weg mit und sehen, dass die Jungs sich den Arsch aufreißen.» 

Torhüter Marvin Schwäbe, gegen Mainz auch Kapitän, erklärte: «Verständnis habe ich ein Stück weit, ja. Selbst würde ich es nicht machen. Denn wir müssen natürlich als Team, als Club, als Stadt zusammenhalten.» Und er ergänzte: «Die Südkurve stand hinter uns. Das gibt uns Mut und Kraft.» Hübers betonte: «Die Südkurve weiß das einzuschätzen. Sie sieht, dass die Mannschaft auf dem Platz das letzte Hemd gibt und weiß das zu honorieren.»

Baumgart: «Das war ganz schwere Kost»

Das sehen die anderen sicher auch. Aber Fakt ist: Denjenigen, die schönen Fußball sehen wollen, bietet der FC derzeit herzlich wenig. Was alle Protagonisten auch eingestehen. «Das war ganz schwere Kost», sagte der Trainer: «Mir hat heute nicht viel gefallen. Bis auf die Intensität und dass die Jungs sich gewehrt haben. Alles andere hat mir nicht gefallen.» Jeder wisse, so Baumgart, dessen Team in den zwei vorherigen Spielzeiten unter ihm durch Power-Fußball die Fans mitriss, «wie ich Fußball spielen lassen will. Das klappt im Moment nicht.»

Das erkannte auch Schwäbe aus seinem Tor heraus. «Wenn man ehrlich ist: Vor allem in der ersten Halbzeit hat das nicht viel mit Fußball zu tun gehabt», sagte er. Doch ohne Gegentor habe man zumindest einen Punkt sicher. Das war auch für Baumgart das einzig Versöhnliche. «Es hört sich doof an», sagte er: «Aber es ist ein Teilerfolg. Wir haben zum zweiten Mal zu null gespielt, nehmen den Punkt mit. Aber wir wollten natürlich viel mehr.» Die Zuschauer auch.

© dpa
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