Präsidentschaftskandidat Steffel: Gespräche mit Ultras

Hertha-Präsidentschaftskandidat Frank Steffel will nach Kritik an seiner Person in verschiedenen Fan-Foren auch das Gespräch mit von ihm einst pauschal kritisierten Ultras suchen.
Frank Steffel kandidiert als Hertha-Präsident. © Fabian Sommer/dpa

«Ich habe 2017 bei meiner Rede über Gewalt in den Fußballstadien wohl zu wenig differenziert. Ich bin natürlich gerne bereit, dazuzulernen und biete den Ultras jedes Gespräch und meine Zusammenarbeit an», sagte Steffel der Deutschen Presse-Agentur.

Nach Bekanntwerden der Kandidatur Steffels um die Nachfolge des zurückgetretenen Werner Gegenbauer bei der Außerordentlichen Mitgliederversammlung des Berliner Fußball-Bundesligisten am 26. Juni kursieren im Internet Aufzeichnungen einer Rede Steffels im Bundestag, in denen er den Ultras vorwarf, sie gefährdeten in den Stadien «friedliebende Fans und sportbegeisterte Familien».

Mehr internationaler Sport

Wie Investor Lars Windhorst sieht Steffel großes Potenzial im Hauptstadtverein. «Der Begriff Big City Club ist für mich mittlerweile belastet. Aber die Berliner haben den Traum, dass in einer internationalen Stadt auch internationaler Sport angeboten wird wie es bei Alba, den Eisbären, den Volleys oder unseren Füchsen der Fall ist. Warum soll das im Fußball nicht auch möglich sein?», sagte der 56 Jahre alte Präsident des Handball-Top-Clubs Füchse Berlin.

Steffel wurde in der vergangenen Woche vom Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Brüggemann angefragt und nach einer Sitzung des Gremiums am Montag als dessen Kandidat vorgeschlagen. Weitere bislang bekannte Kandidaten sind das langjährige Hertha-Präsidiumsmitglied Ingmar Pering und der ehemalige Ultra und heutige Unternehmer Kay Bernstein. In der vergangenen Saison hatte die Hertha den Bundesliga-Abstieg erst in der Relegation vermeiden können. Daraufhin waren nach Gegenbauer noch mehrere andere Präsidiumsmitglieder zurückgetreten.

Bob Hanning, Geschäftsführer der Füchse Berlin, sieht die Kandidatur zwiespältig. «Für uns wäre es ein Verlust, keine Frage. Da Frank aber nicht im operativen Geschäft beteiligt ist, würden wir das schon lösen können», sagte Hanning dem «Kicker». Für Hertha wäre es aber eine Chance: «Er kann sowohl Fans vereinen als auch mit Investoren umgehen. Wenn ich den Umgang mit Gegenbauer sehe und den Umgang einzelner Leute danach mit Gegenbauer, muss ich sagen, ist mir mehrfach schlecht geworden. Da war genau die Sache: Warum in der Sache streiten, wenn es auch persönlich geht. Von daher glaube ich, dass Frank jemand ist, der wirklich vereinen kann. Man kann Hertha nur dazu gratulieren.»

© dpa
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