Windhorst schlägt in Klinsmanns Kerbe: Klüngelei bei Hertha

16.02.2022 So manches Mal dürfte Lars Windhorst schon die Faust in der Tasche geballt haben. Jetzt redet der Millionen-Investor von Hertha BSC Klartext und kritisiert die Club-Führung öffentlich.

Lars Windhorst, Investor von Fußball-Bundesligist Hertha BSC, hat erstmals die Clubführung scharf kritisiert. © Christophe Gateau/dpa

Rumms. Das hat gesessen. Mitten in der sportlichen Talfahrt Richtung Abstiegszone redet Millionen-Investor Lars Windhorst bei Hertha BSC plötzlich Tacheles und stellt der Leitung seines «Big City Clubs» ein jämmerliches Führungszeugnis aus.

«Machterhalt und Klüngelei» seien Antriebsfeder handelnder Personen beim Berliner Fußball-Bundesligisten, lautet das vernichtende Urteil des enttäuschten Geldgebers. «Ich habe darauf gesetzt, dass bei Hertha rational und in die Zukunft denkende Leute das Sagen haben, die auch nachhaltig den Erfolg wollen», sagte der Unternehmer dem Wirtschaftsmagazin «Capital» - doch das sei eben nicht der Fall.

Investor mit Generalabrechnung

Genau zwei Jahre nach dem geräuschvollen Abgang von Jürgen Klinsmann wiederholen sich damit die damaligen Vorwürfe des prominenten Ex-Aufsichtsrats und Ex-Trainers gegen die Bosse des dauerkriselnden Hauptstadtclubs. Namen nannte Windhorst in seiner Generalabrechnung im Gegensatz zum längst nach Amerika zurückgekehrten Klinsmann nicht.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll der im vergangenen Sommer engagierte Geschäftsführer Fredi Bobic trotz seines denkbar schlecht terminierten Super-Bowl-Urlaubs in den USA aber (noch) nicht gemeint sein. Zielscheibe der Windhorst-Schelte sind demnach in Finanz-Boss Ingo Schiller und Club-Präsident Werner Gegenbauer zwei Dauer-Funktionäre.

Die Hertha reagierte offenkundig überrascht von dem Vorstoß mit einem kurzen Statement und will nun das Gespräch suchen. «Herr Windhorst hat sich bisher weder in entsprechenden Sitzungen des Vereins noch gegenüber Personen im Verein in dieser Form geäußert. Alle Entscheidungen wurden seit seinem Einstieg bei Hertha BSC einstimmig im Beirat beschlossen. Wir werden ihn dazu befragen», hieß es auf dpa-Anfrage.

Sportliche Entwicklung seit Einstieg desaströs

Bobic hat nach seiner Amerika-Rückkehr jedenfalls nun noch eine Baustelle zu bearbeiten, sofern er als Mittler zwischen den Hertha-Welten überhaupt fungieren will. Er selbst hatte im Dezember ziemlich spitz im Club-TV angeprangert: «Bei Hertha war es wie auf dem Amt: Das haben wir immer so gemacht, also machen wir es weiter so.» Damit sprach er Windhorst sicher aus der Seele.

375 Millionen Euro stellte Windhorst über seine Tennor Group der Hertha seit Sommer 2019 zur Verfügung. Die sportliche Entwicklung ist seither desaströs. Abstiegskampf als Dauerzustand statt der von Windhorst erhoffte Champions-League-Glamour - und er selbst darf im Tagesgeschäft offiziell nicht eingreifen. Da ist auch der für seine Aktivitäten oft kritisch beäugte Unternehmer nun an einer Schmerzgrenze angekommen. Seine Millionenzahlungen bezeichnet er mittlerweile sogar als Fehler.

Windhorst bezeichnet Einstieg als Fehler

«Ehrlich gesagt, aus heutiger Sicht ja, leider. Bislang hat mir das Investment bei Hertha, abgesehen von positiven Erfahrungen mit vielen Mitgliedern, nur Nachteile gebracht», sagte Windhorst. An einen Rückzug und die mögliche verlustreiche Veräußerung der 66,6 Prozent Anteile an der Hertha GmbH & Co. KGaA denkt der einstige Wunderknabe der deutschen Wirtschaft aber nicht. «Ich lasse mir von niemandem dort 375 Millionen Euro verbrennen und werde darum niemals aufgeben», beteuerte Windhorst.

Offensichtlich umgarnt der Geldgeber mit seinen Aussagen die Teile der Gegenbauer kritisch eingestellten Mitglieder. Viel deutet nun auf einen Machtkampf Richtung Mitgliederversammlung im Mai hin, der die Hertha vor eine Zerreißprobe stellen könnte.

Die Beziehung Windhorst/Hertha war nie einfach. Der Geldgeber stellte nach seinem Einstieg schnell einen massiven Kulturunterschied fest. «Zwei Mentalitäten» stießen aufeinander, sagte er vor einem Jahr in der Hoffnung, die Gräben überwinden zu können. Als seine Millionen-Raten im Vorjahr später als geplant gezahlt wurden, übten Verein und Investor bemüht den öffentlichen Schulterschluss. Beobachter witterten schon damals dicke Maskerade.

Hertha befindet sich erneut im Abstiegskampf

Sportlich stehen die Berliner seit dem Einstieg Windhorsts schlechter da als zuvor. Aktuell steckt die Mannschaft von Trainer Tayfun Korkut mit einem Zähler Vorsprung auf den Relegationsrang wie im Vorjahr im Abstiegskampf. Windhorst hatte durchaus zu erkennen gegeben, dass er sein Geld nicht für wirtschaftliche Konsolidierung, sondern für Investment in international befähigte Spieler gedacht hatte.

Klar ist längst, ohne die Windhorst-Millionen wäre die Hertha nicht so unbeschadet durch die Corona-Krise gekommen. Finanzchef Schiller hatte noch im Januar vor der digitalen Mitgliederversammlung gesagt: «Es ist eine Partnerschaft, die uns in eine vergleichbar gute Lage bringt und in einer stabilen Situation hält.»

© dpa

Weitere News

Top News

1. bundesliga

Bundesliga: «Kind der Kurve»: Ex-Ultra Bernstein neuer Hertha-Präsident

Musik news

England: Glastonbury-Festival mit Billie Eilish und Paul McCartney

Tv & kino

Krimireihe: «Tatort» macht Sommerpause - Das kommt noch dieses Jahr

Internet news & surftipps

Giffey-Telefonat: «Deep Fake»: Wenn man den eigenen Augen nicht trauen kann

Tv & kino

Featured: Game of Thrones: Neue GOT-Serie mit Kit Harington als Jon Schnee geplant

Auto news

Lithium-Knappheit : Bundesanstalt rechnet mit großer Verfügbarkeits-Lücke

Das beste netz deutschlands

Featured: Die Metaverse-Plattform Horizon Worlds startet in Europa

Internet news & surftipps

Internet: Instagram experimentiert mit Alterserkennung per Video

Empfehlungen der Redaktion

1. bundesliga

Windhorst schlägt in Klinsmanns Kerbe: Klüngelei bei Hertha

Regional berlin & brandenburg

Bundesliga: Hertha BSC widerspricht: Präsident Gegenbauer noch im Amt

1. bundesliga

Hertha BSC: Windhorst vs Gegenbauer: Machtkampf um Einfluss und Geld

Regional berlin & brandenburg

Millionen-Deal: Windhorst zu Gegenbauer: «Nachtreten nicht unser Stil»

Regional berlin & brandenburg

Rücktritt: «Moment gekommen»: Hertha-Präsident Gegenbauer tritt zurück

Regional berlin & brandenburg

Fußball: Hertha-Präsident Gegenbauer tritt zurück: Kandidatensuche

1. bundesliga

Bundesliga: Hertha widerspricht Rücktrittsmeldung: Gegenbauer im Amt

1. bundesliga

Bobic: Kein Windhorst-Gespräch nach Kritik