WM-Sorgen für Bayern-Stars: Verletzte, Fehlschüsse, Frust

Die Stars des FC Bayern erleben eine ganz bittere WM. Die DFB-Truppe um Kapitän Neuer muss ein Start-Debakel hinnehmen, Hernández ist wie Mané schwer verletzt. Es droht ein bitterer Trip.
Die Sorgen von Bayern-Trainer Julian Nagelsmann könnten größer werden. © Sven Hoppe/dpa

Was Julian Nagelsmann und die Bayern-Bosse in diesen Tagen bei der Fußball-WM zu sehen bekommen, vergrößert praktisch täglich die Sorgen im Münchner Schmuddelwetter.

Verletzungen, Fehlschüsse, Niederlagen - wenn nicht ein großes WM-Comeback der Münchner DFB-Stars um Manuel Neuer oder ein Aufschwung von Alphonso Davies und Eric Maxim Choupo-Moting im sonnigen Doha gelingt, muss Nagelsmann nicht nur die verletzungsbedingten Ausfälle des Franzosen Lucas Hernández und des schon vor dem Turnier gestoppten Senegalesen Sadio Mané auffangen. Der 35-Jährige wäre dann zusätzlich auch in der mentalen Aufbauarbeit bei der Rückrundenvorbereitung gefordert.

Nach den zumindest zum Teil schweren Verletzungen von Verteidiger Hernández (Kreuzbandriss), des mit einer Trage vom Feld gebrachten marokkanischen Neuzugangs Noussair Mazraoui und dem als neuen Stürmerstar verpflichteten Mané (Verletzung am Wadenbeinköpfchen) durfte Nagelsmann die Rückkehr von Leroy Sané ins Training als ein Zeichen der Entwarnung werten. Nachdem der 26-Jährige im Anschluss an das Auftakt-Desaster der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Japan (1:2) mit einem getapten Knie durch die Interviewzone schritt, schickte ihn Bundestrainer Hansi Flick am Tag danach wieder zu einer individuellen Einheit. «Leroy ist auf dem Platz und trainiert für sich. Das ist positiv», berichtete Flick.

Sané könnte möglicherweise dabei mithelfen, dass DFB-Kapitän Neuer, Thomas Müller, Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Jamal Musiala und Serge Gnabry nicht doch schon mit jeder Menge WM-Frust Kandidaten für die erste Münchner Trainingsphase werden. Vom 28. November bis 9. Dezember lässt Nagelsmann eine Kleingruppe um Sven Ulreich und Marcel Sabitzer schwitzen; den Einbau früher WM-Rückkehrer hatte er sich offen gelassen. Mit Neuer & Co. hatte vor dem Turnier so früh keiner an der Säbener Straße gerechnet - aber noch ist ja alles drin für die deutsche Mannschaft.

Fehlschuss von Davies

Auch Davies schickt sich an, früher als ihm lieb ist von der WM abzureisen. Sein Fehlschuss vom Punkt beim 0:1 von Kanada gegen Belgien passte am Mittwoch ins Bild. «Es war nicht sein Abend», sagte Trainer John Herdman. «Wenn du auf der Gegenseite den Torhüter von Real Madrid im Tor hast, ist es natürlich nicht einfach, ein Tor zu erzielen.» Genauso schlecht lief es für den beim FC Bayern zuletzt gefeierten Stürmer Choupo-Moting, der mit Kamerun am Donnerstagmittag ein 0:1 gegen die Schweiz kassierte.

Am schwerwiegendsten bei allen Ergebnis-Enttäuschungen ist aber die bittere Verletzung von Rekordeinkauf Hernández. Nagelsmann kann nach dem Kreuzbandriss des 26-Jährigen für diese Saison nicht mehr mit dem einst für 80 Millionen Euro Ablöse verpflichteten Abwehrspieler planen. Nach dem «schweren Schlag», wie es Vorstandschef Oliver Kahn nannte, war zumindest zunächst ein Transfer im Winter aber kein Thema in München. Sportvorstand Hasan Salihamidzic hatte dies bereits vorzeitig ausgeschlossen. «Wir haben in diesem Transfersommer viel gemacht. Ich denke, dass wir für die Saison sehr gut gerüstet sind», hatte der 45-Jährige gesagt. Viel mehr sollte allerdings nicht mehr passieren.

Zwar dürfen sich die Münchner über eine siebenstellige Millionen-Summe von der FIFA für die 16 Abstellungen - nur der FC Barcelona hat mit 17 mehr - freuen. Doch das ist kein Trost, wenn die Stars verletzt oder völlig frustriert heimkehren. Vom 10. Dezember an haben alle Bayern-Profis Urlaub - und dann droht Anfang Januar ein zum aktuellen Stand ganz bitterer Trip. Denn die Vorbereitung auf die weitere Saison, in der Mitte Februar das Duell mit Paris Saint-Germain im Achtelfinale der Champions League der erste große Höhepunkt ist, findet genau dort statt, wo es für die meisten von ihnen gar nicht läuft: im WM-Ort Doha.

© dpa
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