Tränen, Schmerz und neue Ziele: Fürths ungewisse Zukunft

24.04.2022 Der Bundesliga-Abstieg trifft Fürth hart, obwohl er sich lange abzeichnete. Ein Jahr nach dem Fußball-Märchen fließen bei Sportchef Azzouzi Tränen. Trotzig wird der Wiederaufstieg anvisiert.

Auf den Fürther Sportdirektoren Rachid Azzouzi kommt im Sommer viel Arbeit zu. © picture alliance / Daniel Karmann/dpa

Rachid Azzouzi wischte sich immer wieder die Tränen aus dem Gesicht. In seinem bittersten Moment als Fürther Sportdirektor richtete der 51-Jährige den Blick schnell nach vorne.

«Wir greifen nächstes Jahr wieder an», versprach er nach dem vorzeitig feststehenden Bundesliga-Abstieg der SpVgg Greuther Fürth. Aus der Fankurve im Hintergrund hallten «Rachid, Rachid»-Rufe, die dem früheren marokkanischen Nationalspieler zumindest ein kurzes Lächeln entlockten.

Es wartet viel Arbeit auf Azzouzi

«Es tut weh. Aber die Tränen trocknen wieder. Es wird wieder weitergehen», sagte Azzouzi und tupfte sich mit einem Taschentuch die Wangen trocken. Auch Kapitän Branimir Hrgota, der nach Schlusspfiff sein Gesicht im Trikot vergrub und dann seine Mannschaft in die Fankurve führte, wollte sofort den «Wiederaufstieg anvisieren». Aber mit oder ohne Trainer Stefan Leitl? Und mit welchen Spielern?

Lange hatten sich die Franken auf diesen Moment vorbereiten können. Schließlich waren sie seit September Tabellenletzter und der Abstieg schien seit Wochen fix. Doch als der Gang in die 2. Liga nach dem 1:4 gegen Bayer Leverkusen feststand, «fühlte es sich einfach nicht gut an», wie Leitl berichtete. Seine Gefühlslage sei «einfach scheiße».

Leitl weiß, dass es um ihn in den nächsten Tagen nicht ruhiger werden wird. Schließlich ist die Frage nach seiner Zukunft weiter ungeklärt. Obwohl Leitls Vertrag bis 2023 läuft, hatte sich zuletzt ein vorzeitiges Ende der alles in allem erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Verein und Trainer angedeutet. Eine Ausstiegsklausel macht's möglich. Medienberichten zufolge muss Leitl diese Klausel bis Ende April ziehen. Schalke, Hertha und Hannover sollen interessiert sein.

Wie die Franken zu einer weiteren Zusammenarbeit stehen, machte Azzouzi am Samstag erneut deutlich. «Wir haben ihm einen langfristigen Vertrag angeboten», verriet der Sportchef. Doch wer Leitl kennt, weiß, dass der gebürtige Münchner ambitioniert ist. Warum also 2. Liga, wenn womöglich weiter erstklassiger Fußball möglich ist?

Fürth droht ein Kaderumbruch

Während die Trainerfrage vorerst ungeklärt blieb, gilt ein Kaderumbruch als sicher. Die Frage ist, wie groß dieser sein wird. Bei Mittelfeldspieler Paul Seguin (zu Union Berlin) und Verteidiger Maximilian Bauer (nach Augsburg) ist der Abgang fix. Geld spülen die beiden Stammkräfte nicht in die Fürther Kasse.

Eine größere Summe - im Optimalfall in Millionenhöhe - könnte Jamie Leweling einbringen. Geld, das Azzouzi in einen konkurrenzfähigen Zweiliga-Kader investieren könnte. Der U21-Nationalspieler, der mit fünf Treffern zweitbester Fürther Torschütze der Saison ist, gehört zu den heißen Wechsel-Kandidaten. Einige Anfragen sollen die Fürther bereits im Winter ereilt haben.

Und Kapitän Hrgota - mit acht Treffern Fürths Toptorjäger in dieser Saison? Der Schwede, der in Fürth noch einen Vertrag bis 2024 hat, äußerte sich zurückhaltend über seine Zukunft. «Keiner weiß, wie es im Sommer aussieht. Wir werden sehen, was der Verein plant», sagte der Stürmer. Aktuell sei er einfach froh, dass er in Fürth spielen und als Kapitän auftreten dürfe.

Fest steht: Auf Azzouzi kommt viel Arbeit zu. Stammkräfte werden Fürth verlassen. Wie schon vor dieser Saison, als in David Raum (Hoffenheim) und Anton Stach (Mainz) zwei jetzige Nationalspieler zur Konkurrenz wechselten. Aber die Planungen, so verriet Azzouzi, laufen schon.

© dpa

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