Neue Dimension: Eisern Union ist die fünftstärkste Kraft

15.05.2022 Party in Köpenick. Europa kann sich auf die Fußball-Kumpels freuen. Im Urlaub werden es Trainer und Spieler richtig begreifen. Und was Max Kruse mit dem Erfolg zu tun hat, verrät Trainer Urs Fischer.

Die Mannschaft des 1. FC Union Berlin präsentiert sich den Fans auf dem Balkon an der Alten Försterei. © Andreas Gora/dpa

Urs Fischer verließ die rauschende Party gegen Mitternacht, selbst nach ein paar Stunden Schlaf konnte der Erfolgscoach den Einzug des 1. FC Union Berlin in die Europa League noch immer nicht fassen.

Auf dem Parkplatz des Stimmungstempels in Berlin-Köpenick wurden bei sommerlichen Temperaturen noch die Reste der Feier mit den Fans beseitigt, die Spieler machten sich auf den Weg in den Urlaub, die Führungsriege ordnete am Morgen mehr oder weniger ausgeschlafen die gerade mal dritte Saison der Eisernen in der Fußball-Bundesliga ein. «Wir stoßen in allen Bereich im Club in neue Dimensionen», sagte Vereinspräsident Dirk Zingler.

Aufstieg 2019, Tabellenelfter 2020 mit 41 Punkten, Tabellensiebter mit 50 Punkten, Einzug in die Conference League 2021, und nun Tabellenfünfter mit 57 Punkten, Europa League. Nur der FC Bayern, Borussia Dortmund, Bayer 04 Leverkusen und RB Leipzig sind besser. «Ich empfinde es als noch verrückter als gestern», sagte Fischer am Sonntag: «Ich kann es noch immer nicht richtig einordnen.»

Nicht auszudenken, was (noch) möglich gewesen wäre, hätten die Unioner nach dem überraschenden Weggang von Max Kruse Ende Januar nicht eine Schwächephase mit fünf Niederlagen, einem Remis und nur einem Sieg gehabt. Für ihn sei nach dem Wechsel von Kruse zurück zum VfL Wolfsburg entscheidend gewesen, «dass die ganze Mannschaft und der Verein akzeptiert haben, das Max nicht mehr da war», sagte Fischer. Das Team sei dabei noch mal enger zusammengerückt.

Starker Saisonendspurt

Die Folge: In den letzten sieben Saisonspielen holte Union 19 von 21 möglichen Punkten, keine Mannschaft war besser. «Ich kann ihnen die Stimmungslage sagen: Man muss sich kneifen, um es zu glauben», sagte Manager Oliver Ruhnert, der den Coach am Ende eines hochemotionalen Tages und nach mindestens zwei Bierduschen nach Hause gefahren hatte.

22.012 Fans erlebten am Samstag einmal mehr, was auch in der Europa-League-Saison den womöglich äußerst namhaften Gegnern versagt bleiben wird. Denn die mindestens drei Heimpartien wird Union wieder im Olympiastadion von Hertha spielen. Beim 3:2 gegen den VfL Bochum aber bebte die Alte Försterei wieder, befeuert vom Spielverlauf. Grischa Prömel schoss Union früh in Führung, Taiwo Awoniyi erhöhte per Handelfmeter. Dann aber glich Bochum aus. In der 88. Minute erlöste Awoniyi die Eisernen mit seinem 15. Saisontor.

Bierdusche für den Coach

Was folgte, war ein Platzsturm light, den die Ordnungskräfte schnell in den Griff bekamen und der von den anderen Fans mit Pfiffen quittiert wurde. Fischer bekam die erste Bierdusche noch auf dem Platz, die zweite während der Pressekonferenz. Gefeiert wurde mit 40 Fässern Freibier und immer wieder «Stadtmeister, Stadtmeister»-Rufe nach insgesamt drei Siegen über den Konkurrenten aus dem Westend. Dessen Abrutschen auf den Relegationsrang löste nach dem Schluss noch mal großen Jubel bei den Anhängern aus. Daumen drücken will Präsident Zingler auch nicht, das mache er nur bei einem Verein: Union. Und Union schaffte, wonach sich die Hertha so lange schon sehnt.

«Der ganze Verein ist aktuell dabei, sich allmählich damit abzufinden, dass das alles kein Traum ist», sagte Ruhnert. «Ich finde keine Worte», meinte Kapitän Christopher Trimmel. «Einfach alles aufsaugen, was noch geht. Denn das, was Union vorlebt, gibt es nur ganz selten», sagte Grischa Prömel und überlegte schon, ob er als Neuzugang der TSG 1899 Hoffenheim womöglich mal eine Donnerstagreise mit seinen Ex-Kollegen macht, «wenn ein geiles Los dabei ist».

© dpa

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