Kramers Klartext in der Gladbach-Krise

19.12.2021 Inmitten der Krise und der kurzen Winterpause könnte Borussia Mönchengladbach auch noch wichtige Spieler verlieren. «Die Nebengeräusche werden immer größer, wenn's nicht läuft», sagt Analyst und Mittelfeldspieler Christoph Kramer.

Gladbachs Christoph Kramer sprach nach dem Remis bei det TSG Hoffenheim Klartext. Foto: ---/Borussia Mönchengladbach/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Das verbale Feuerwerk, das Christoph Kramer nach dem Spiel von Borussia Mönchengladbach abbrannte, spiegelte so gar nicht die laue Vorstellung seiner Mannschaft wider.

Der von Adi Hütter als «Kommunikator» gelobte Ex-Weltmeister glühte fast vor Leidenschaft, als er minutenlang Klartext sprach. Sein Tenor nach dem glücklichen 1:1 (1:0) des Krisenclubs bei der TSG 1899 Hoffenheim: «Ich bewerte eigentlich nicht so gerne Ergebnisse, denn die Leistung muss stimmen. Vor allem muss die auf Dauer stimmen. Die hat die letzten Wochen nicht gestimmt, die hat heute nicht gestimmt.»

Ein Pünktchen nach zuletzt vier Niederlagen in der Fußball-Bundesliga, nur drei Zähler vor einem direkten Abstiegsplatz und außer Kampfgeist wenig Mutmachendes auf dem Platz. Der längst in die Kritik geratene Hütter, im Sommer für 7,5 Millionen Euro Ablöse aus Frankfurt gekommen, tat bei der Pressekonferenz natürlich nichts, was seine Position noch weiter schwächen könnte. «Das war sicher ein kleiner Schritt in die richtige Richtung», sagte er schmallippig.

Den Borussen drohen Abgänge

Der Österreicher muss sich nun auch noch mit drohenden Abgängen auseinandersetzen. «Zu solchen Dingen äußere ich mich mal gar nicht», antwortete er auf eine entsprechende Frage. Zu den Kandidaten gehört auch Nationalspieler Matthias Ginter, dessen Vertrag im Sommer ausläuft. «Ganz ausschließen kann man nichts», sagte der Innenverteidiger nach dem Abpfiff bei Sky auf die Frage nach einem möglichen Wechsel. «Ich glaube schon, dass heute nicht mein letztes Spiel war.» Denis Zakaria wird mit Borussia Dortmund in Verbindung gebracht. Marcus Thuram stand schon im Sommer mit Inter Mailand in Verhandlungen.

«Also Ginter und Zakaria, wenn die auf dem Feld stehen, dann sind das Fußballer wie jeder andere. Die beschäftigt null, was die im Sommer, im Winter nächstes Jahr, in fünf Jahren machen», erklärte Kramer in seinem Statement am Sky-Mikrofon. Der 30-Jährige, der in der Vergangenheit schon als pfiffiger ZDF-Experte überzeugte, weiß aber auch: «Die Nebengeräusche werden immer größer, wenn's nicht läuft.»

Lange lief es sogar ganz gut für Gladbach beim Hinrundenabschluss. Breel Embolo erzielte vor in Baden-Württemberg nur 750 erlaubten Zuschauern ein Tor (35. Minute), doch die gehemmt wirkenden Gäste ließen Chance um Chance der formstarken Hoffenheimer zu und konnten sich immer wieder bei Torhüter Yann Sommer bedanken. Kevin Akpoguma gelang erst spät der überfällige Ausgleich (90.+1).

«Es ist ganz schwer in solchen Phasen, einen Schritt nach vorne zu machen. Wir wissen, dass das ein verdammt hartes Brett wird, was wir bohren müssen, dass wir wieder so Fußball spielen, wie wir es gewohnt sind», sagte Kramer. Trotz aller Kritik verwies er darauf, dass am Ende der eine Punkt zählt: «Spätestens Heiligabend nach 22 Uhr weiß keiner mehr, wie wir gespielt haben.»

Gelb für Sportdirektor Max Eberl

Das Unentschieden war auf jeden Fall schmeichelhaft, so Kramer. Der Kurzzeit-Pressesprecher - Sportdirektor Max Eberl sah wegen Protesten am Spielfeldrand die Gelbe Karte und trat danach nicht mehr in Erscheinung - verwies aber auch auf den Perspektivwechsel angesichts der prekären Lage der Borussia: «Hätten wir die letzten vier Spiele gewonnen, dann würde ich hier stehen und sagen: Was wir hier für eine Scheiße gespielt haben... So schlecht haben wir noch nie gespielt... Wir haben jeden Ball nach vorne gebolzt.»

Man dürfe die Tabelle nie außer acht lassen, sagte Hütter - «dass die Situation nicht ungefährlich ist, sehe ich natürlich auch.» Zumal die Gladbacher die zweifelhafte Ehre haben, am 7. Januar die Rückrunde mit der Begegnung beim Spitzenreiter FC Bayern eröffnen zu dürfen.

© dpa-infocom GmbH

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