Der Gegner als Vorbild: Schalke muss sich «besser wehren»

Die ersten drei Partien waren okay, doch am vierten Spieltag erlebt Aufsteiger Schalke ein Debakel. Noch bleiben Spieler, Verantwortliche und Fans ruhig.
Malick Thiaw erlebte mit Schalke ein Debakel und könnte den Club verlassen. © David Inderlied/dpa

Der Gang zu den Fans nach dem 1:6-Debakel war für die Schalker Spieler erstaunlich angenehm und harmonisch. Keine Pfiffe bekamen sie aus der Nordkurve zu hören, keine Wut prasselte auf sie ein.

«Auf geht's Schalke, kämpfen und siegen», schmetterten die Fans dem Team entgegen. Dazu gab es Applaus. Dass der Aufsteiger auch nach dem vierten Spieltag noch auf seinen ersten Sieg wartet, lässt in Gelsenkirchen noch niemanden hektisch werden.

Fans, Fußballer und Verantwortliche haben sich auf eine Saison im Abstiegskampf eingestellt. Die Ruhe tut dem Team gut. Die heftige Niederlage hat gezeigt, woran Schalke dringend arbeiten muss. Als Vorbild kann ausgerechnet der Gegner dienen.

Zwei Punkte aus vier Spielen

«Es ist ein gute Lektion für uns, wie Union Berlin spielt. Sie folgen ihrer Struktur sehr streng», sagte Innenverteidiger Maya Yoshida. Auch der 34-Jährige verfiel angesichts von nur zwei Punkten aus vier Partien in der Bundesliga nicht in Panik. Die Baustellen der Schalker benannte er aber mit klaren Worten.

«Wir waren zu schlampig und zu weich», sagte Yoshida. «Wenn wir bleiben wollen, müssen wir dafür kämpfen.» Trainer Frank Kramer sah das ähnlich. «Wir müssen uns besser wehren und durchsetzen - vor dem eigenen Tor und was die Effizienz vor dem gegnerischen Tor betrifft, sagte der 50-Jährige. «Wir haben gesehen, mit welcher Körperlichkeit Bundesligafußball gespielt wird. Das müssen wir ganz schnell wieder hinkommen.»

Neben dem Einsatz als Basis muss aber auch die Organisation der Spieler auf dem Platz besser werden. Yoshida ließ durchblicken, dass die Mannschaft die Spielphilosophie des neuen Coaches noch nicht komplett verinnerlicht hat. «Wir müssen der Struktur des Trainers folgen», sagte er.

Unsortierte Schalker

Tatsächlich wirkten die Schalker gegen Union zeitweise unsortiert und nicht gut abgestimmt. Vor allem im Abwehrzentrum leisteten sich die Königsblauen zahlreiche Fehler - individuell und im Zusammenspiel. Die Innenverteidiger Yoshida und Malick Thiaw, der Medienberichten zufolge kurz vor einem Wechsel zu AC Mailand steht, erwischten einen ganz schwachen Tag.

Zudem fehlte im Sturm die Durchschlagskraft. Während die Berliner effizient waren und kaum eine Torchance ausließen, vergab Schalke auch gute Gelegenheiten. Zweitliga-Rekordtorjäger Simon Terodde wartet auch nach seinem vierten Saisonspiel noch auf einen Treffer.

Der schmerzhaften klaren Niederlage gegen das aktuelle Spitzenteam Union folgen nun zwei Partien gegen Mannschaften, die eher auf Augenhöhe mit S04 sein sollten. Nächsten Samstag geht's zum VfB Stuttgart, dann folgt das kleine Derby gegen den VfL Bochum quasi als Generalprobe vor dem großen bei Erzrivale Borussia Dortmund. Es gilt, das Debakel möglichst schnell wegzustecken. Sonst sind die Aufstiegseuphorie und das Selbstvertrauen bald komplett weg.

«Wie wir nach diesem Spiel zurückkommen: Das ist der Schlüssel für die nächsten zwei Spiele», sagte Yoshida. Angesprochen auf die angesichts des Resultats beeindruckende Fan-Unterstützung forderte der Japaner: «Wir müssen ihnen etwas zurückgeben.»

© dpa
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