Max Eberl: «... weil ich keine Kraft mehr habe»

28.01.2022 Ausgewählte Aussagen von Max Eberl auf der Pressekonferenz zu seinem vorzeitigen Rückzug als Sportdirektor bei Fußball-Bundesligist Borussia Mönchengladbach.

Sportdirektor Max Eberl (l) erklärt seinen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen. Foto: Christian Verheyen/Borussia Mönchengladbach/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

«Das ist wahrscheinlich mit Abstand die schwerste Pressekonferenz, die ich bisher halten muss in der Zeit, in der ich Sportdirektor sein durfte. Ich bin aber auch ein ganz gutes Beispiel momentan, was auf der Welt passiert. Denn wir haben uns lange unterhalten, und ich habe mit dem Club sehr vertrauensvolle und gute Gespräche gehabt über meinen Entscheid, wie es mir geht. Was dann in 24 Stunden daraus gemacht wird und was alles gesprochen und spekuliert wird, ist genau das, was mich tatsächlich krank macht. Und das ist ein ganz simpler Grund, warum ich nicht mehr arbeiten kann. Weil ich einfach erschöpft bin, weil ich einfach müde bin, weil ich keine Kraft mehr habe, diesen Job auszuüben, so wie es dieser Job und dieser Verein benötigt. Kein verletzter Stolz, keine Wut, kein Frust, keine Liebe, kein irgendwas, sondern rein die Person Max Eberl ist erschöpft und müde.»

«Ich beende was, was mein Leben war. Ich beende etwas, was mir sehr viel Freude und Spaß bereitet hat. Weil Fußball mein Leben ist, Fußball ist mein Leben, Fußball ist meine Freude. Viele Dinge drumherum sind nicht mehr meine Freude und mein Spaß... Ich muss einen Schlussstrich ziehen, ich muss für mich den Punkt treffen, wo ich sage: Ich muss raus, ich muss auf den Menschen aufpassen. Und das ist die höchste Verantwortung, die ich habe... Ich habe mich wie um ein Kind gekümmert hier, mit aller Kraft, die ich habe, und die Kraft ist einfach jetzt nicht mehr da... Es geht gerade nicht um Fußball, es geht um mich.»

«Ich haben meinen Vertrag vor 13 Monaten verlängert und ich hätte vor 13 Monaten nicht gedacht, dass ich hier sitze und den Club um das bitte, um was ich ihn gebeten habe. Ich habe diese Auszeit genommen, weil ich da zum ersten Mal gemerkt habe, ich muss und möchte gerne raus aus dieser Mühle, die ich in diesem Club seit 23 Jahren habe... Ich will einfach raus, ich will einfach mit diesem Fußball gerade nichts zu tun haben. Ich sage es ketzerisch: Ich will mit Euch nichts zu tun haben... Ich will einfach mal die Welt sehen, ich will einfach Spaß haben, ich will Freude haben, ich will keine Verantwortung haben, ich will einfach Max Eberl sein... Ich bin sehr traurig, weil ich sehr, sehr viele Menschen liebgewonnen habe und jetzt zurücklassen möchte, muss, um einfach selber wieder klarzukommen.»

«Es ist schwer, sich einzugestehen als Mensch, der sich immer stark fühlt, dass man vielleicht auch mal nicht stark ist. Natürlich habe ich das gespürt, es war eher schleichend, aber ich habe auch für mich relativ klar Signale empfangen.»

«Ich kann momentan dem Job nicht das geben, was der Job bräuchte und was der Verein verdient hat. Also wenn du anfängst an deiner Leistungsfähigkeit zu zweifeln, das ist alles sehr, sehr intensiv und es ist jeden Tag intensiv in diesem Job, dann ist es mir bewusster geworden. Es gab nicht diesen einen Moment, sondern es gab viele, viele Gedanken... Ich habe auch keine Angst hier zu sitzen und es zu sagen. Es ist so, wie es ist... Ich werde wie Hape Kerkeling einfach mal weg sein.»

«Ich wünsche mir, dass dieser Fußball, dieses Spiel im Mittelpunkt steht und nicht so sehr die ganzen Geschichten drumherum... Ich finde dieses Beispiel sehr treffend, dass gestern Abend etwas besprochen wurde, was dann aber quasi schon kommentiert, beurteilt, verurteilt wird. In Social Media wirst du schon beleidigt, dafür dass du zu einem anderen Verein wechselst. Und die Person, die es trifft, die hat noch nicht mal ein Wort gesagt... Ich weiß, ich werde die Schnelllebigkeit nicht zurückholen, ich werde diese Rastlosigkeit, die um uns alle herum ist, nicht stoppen können. Ich kann sie für mich stoppen und das tue ich gerade im Moment. Das würde mich freuen, wenn jeder in seinem kleinen Mikrokosmos, ich weiß die große Welt wird man nicht verändern, das große Rad wird man nicht verändern, aber den Mikrokosmos kann man schon verändern.»

© dpa-infocom GmbH

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