Alonso-Einstand bei Bayer mit «Wow-Effekt»

Auf Anhieb schafft Xabi Alonso den erfolgreichsten Start eines Leverkusen-Trainers überhaupt. Das liegt vor allem am Gegner. Noch ist viel Luft nach oben für Bayer.
Leverkusens Trainer Xabi Alonso treibt seine Spieler an. © Marius Becker/Deutsche Presse-Agentur GmbH/dpa

Erst nach dem Spielende wurde Xabi Alonso ganz cool. Zum ersten Mal an diesem Nachmittag steckte der neue Chefcoach von Bayer Leverkusen die Hände lässig in die Hosentasche und atmete durch.

Trotz des einseitigen 4:0 (2:0) in der Fußball-Bundesliga gegen den erschreckend schwachen FC Schalke 04 hatte der spanische frühere Weltklasse-Profi zuvor während seines Bundesliga-Debüts als Trainer engagiert, angespannt und gestenreich gecoacht. «Das werde ich jetzt immer so machen», sagte der 40 Jahre alte Nachfolger des am Mittwoch beurlaubten Gerardo Seoane nach seinem tollen Einstand, der ihm ein Alleinstellungsmerkmal bescherte: Seit Samstag ist der Baske der Leverkusen-Trainer mit dem erfolgreichsten Start.

Alonso punktet mit Aura

Ein Weltstar als Bayer-Coach in der rheinischen Provinz - die mutige Entscheidung der Verantwortlichen um Clubchef Fernando Carro und Sportchef Simon Rolfes zeigte auch Wirkung bei den Spielern. «Das war schon ein kleiner Wow-Effekt», gestand Mittelfeldspieler Robert Andrich im Hinblick auf den ersten Moment mit dem Weltmeister von 2010 in der Kabine. «Aber man muss das auch relativieren. Der Spieler war der Spieler und der Trainer ist der Trainer.»

Und als Trainer kann Alonso bislang nur mit seiner Aura punkten, hat in dieser Funktion aber kaum etwas vorzuweisen. Zuletzt coachte der frühere Profi von Bayern München, Real Madrid und dem FC Liverpool die zweite Mannschaft von Real Sociedad San Sebastian. Sowohl für den 40-Jährigen als auch für das Krisenteam Bayer, das bis Samstag auf einem Abstiegsplatz stand, ist die Amtsübernahme ein Risiko gewesen. Erste Zweifel sind durch den klaren Sieg zum Einstand zerstreut, ganz verschwunden sind sie aber noch nicht. Und das liegt weniger an Bayer als am Gegner.

«Es ist immer noch Luft nach oben. Denn Schalke hat uns - ohne respektlos klingen zu wollen - schon viele Räume gegeben», sagte Andrich. Räume, die vor allem der starke Moussa Diaby mit einem Tor (38. Minute) und zwei Vorlagen zu den Treffern von Jeremie Frimpong (41./52.) dankend nutzte. Zum keineswegs zu hohen Endstand vollendete schließlich der eingewechselte Paulinho (90.).

Für den Schalke-Coach wird es eng

Anders als Andrich hätte man auch sagen können, dass Schalke schlichtweg kein Bundesliga-Format hatte. Ein desaströses Abwehrverhalten und eine nicht vorhandene Spielidee endet derzeit in einem unansehnlichen Gebolze. «Wir haben schon gemerkt, dass Schalke kein Fußball spielen wollte», sagte Andrich noch.

Dem erst im Sommer verpflichteten Schalke-Coach Frank Kramer stehen nun ungemütliche Tage bis zum nächsten Spiel am kommenden Freitag gegen die TSG 1899 Hoffenheim bevor. Die Stimmung droht zu kippen. Die vielen mitgereisten Schalker Anhänger skandierten deutlich «Kramer raus». Was den 50-Jährigen beunruhigen sollte ist, dass Sportchef Rouven Schröder gar keinen Versuch unternahm, ihn zu stärken. Schröder wollte am Samstag nicht mehr sprechen. Kramer indes wollte dies nicht kommentieren: «Meine Aufgabe ist es, zu analysieren und mit den Spielern Lösungen zu finden, damit wir es nächste Woche besser machen. Alles andere ist nicht mein Thema.»

Tatsächlich dürfte Kramer gegen Hoffenheim noch auf der Schalker Bank sitzen. Unmittelbar nach dem Spiel hatte Sportchef Rouven Schröder noch nicht sprechen wollen. Wenige Stunden später verbreitete der Club indes ein Statement der sportlichen Leistung, wonach Kramer zumindest kurzfristig nicht um seinen Job bangen muss. «Der Trainerstab um Frank Kramer, die Mannschaft, wir alle sind nun gefordert, gegen Hoffenheim eine in allen Belangen verbesserte Leistung zu zeigen», hieß es darin.

Besser machen sieht auch Alonso trotz des Sieges als seine Aufgabe an. Bayers Anspruch ist die erneute Champions-League-Qualifikation. Dort steht in der Gruppenphase am Mittwoch gegen den FC Porto ein wichtiges Spiel an. «Das war nur ein Spiel. Wir müssen weitermachen. Wir können noch viele Sachen verbessern», sagte Alonso, für den der Grundstein für den Umschwung aber gelegt ist.

© dpa ⁄ Carsten Lappe, dpa
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