Nagelsmann feiert Torflut in Leverkusen - «Extreme Schritte»

17.10.2021 Fußball-Deutschland blickt mit Hochspannung auf das Topspiel Leverkusen gegen München. Doch der Herausforderer hat keine Chance. Wer soll Bayern auf dem Weg zum zehnten Meistertitel in Serie stoppen?

Stürmerstar Robert Lewandowski (2.v.r.) erzielt das Tor zur 2:0-Führung des FC Bayern bei Bayer Leverkusen. Foto: Marius Becker/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Julian Nagelsmann feierte die Tore seiner überragenden Stars am Spielfeldrand, als ob er sie selber erzielt hätte.

Doch als sich die Euphorie nach der Machtdemonstration des FC Bayern München beim 5:1 (5:0) im Topspiel bei Bayer Leverkusen ein wenig gesetzt hatte, analysierte der 34 Jahre alte Trainer des deutschen Fußball-Rekordmeisters recht trocken, was Beobachter und Verlierer mit Staunen und Fassungslosigkeit erlebten.

«Insgesamt haben wir in den Punkten, die gegen Frankfurt nicht so gut waren, extreme Schritte gemacht. Aber wir hatten noch die Chance auf das sechste, siebte oder achte Tor in der ersten Halbzeit», sagte Nagelsmann, nachdem sich sein Team mit 19 Punkten wieder an die Tabellenspitze vor Borussia Dortmund (18 Punkte) und Leverkusen (16) gesetzt hatte.

Überragende erste Halbzeit des FC Bayern

Der Bayern-Trainer gestand, dass die erste Saisonpleite gegen Eintracht Frankfurt (1:2) für ihn «mehr Auswirkungen» hatte als sonst. Die Bayern hatten vor der Länderspielpause Chance um Chance liegen lassen. Doch die gleiche Startelf nahm in eindrucksvoller Weise vor 29.542 Zuschauern in der BayArena die Chance zur Wiedergutmachung an. Der zuvor in zwei Bundesligaspielen torlose Robert Lewandowski traf per Hacke (4. Minute) und sorgte mit seinem zweiten Tor (30.) quasi für die Vorentscheidung. Fast im Minutentakt trafen dann Thomas Müller (34.) sowie Serge Gnabry per Doppelpack (35./37.). Patrik Schick (55.) sorgte immerhin für etwas Leverkusener Jubel mit seinem Treffer kurz nach dem Wechsel.

«Seine beste Saisonleistung», attestierte Nagelsmann derweil Lucas Hernández. Dem französischen Weltmeister droht in Spanien eine Haftstrafe wegen der Missachtung eines Gerichtsurteils. Am Dienstag - dem Tag vor der Champions-League-Partie in Lissabon - muss der 25-jährige Franzose vor einem Strafgericht in Madrid erscheinen. Stand jetzt muss Hernández in den Tagen danach eine sechsmonatige Haftstrafe antreten.

«Natürlich haben wir uns mit der Situation beschäftigt, aber auch hier muss man verstehen, dass das eine private Sache von Lucas ist. Darüber hinaus geht es um juristische Verfahren, und ich denke, es gibt auch ein großes Verständnis, dass wir uns im Rahmen dieser Verfahren nicht äußern werden», sagte Münchens Vorstandsvorsitzender Oliver Kahn im DAZN-Interview.

Beiden Teams stehen nun anstrengende Zeiten mit sechs Spielen in den kommenden 20 beziehungsweise 21 Tagen bevor. Der FC Bayern geht gestärkt in die Champions-League-Partie am Mittwoch bei Benfica Lissabon und danach in das Heimspiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim am Samstag. Leverkusen stehen knackige Aufgaben in der Europa League am Donnerstag bei Betis Sevilla und am Sonntag beim rheinischen Rivalen 1. FC Köln bevor.

Fans feiern dennoch die junge Bayer-Elf

Beide Teams gingen mit 16 Punkten auf Augenhöhe in den 8. Spieltag, ein Klassenunterschied offenbarte sich aber auf dem Feld. Die Bayern pressten bereits am Leverkusener Strafraum, die Bayer-Kicker hatten kaum Luft zum Atmen. Lewandowski sorgte nach Freistoß von Joshua Kimmich und Direktablage von Dayot Upamecano für die Führung und erhöhte trocken nach einem Solo im Strafraum von Alphonso Davies, dem aber wegen Problemen im Oberschenkel nun ein Ausfall droht.

Die Demütigung nahm nach Lewandowskis zweitem Tor dann erst richtig ihren Lauf. Müller fälschte einen Schuss von Niklas Süle nach Ecke zum 3:0 ab, Gnabry nach Müller-Vorlage und nach Doppelpass mit Leon Goretzka vollendete die Torgala der Bayern. «Das will ich nie wieder erleben», sagte Kapitän und Torwart Lukas Hradecky und fügte an: «Ich hoffe, dass das ein Ausrutscher bleibt.» Bayer-Coach Gerardo Seoane appellierte in der Pause an die «Ehre» seiner Spieler, die zuvor fünf Siege in Folge gefeiert hatten. Aber: «Die Bayern waren am heutigen Tag zu stark.»

Immerhin gelang Schick nach der Pause etwas Kosmetik, die Bayern hätten das eine oder andere Tor mehr machen können. Aber die vielen Wechsel störten auch den Spielfluss. Das Münchner Talent Jamal Musiala kam in der 64. Minute, Bayers Jungstar Florian Wirtz verließ nach tollen Wochen mit hängenden Schultern in der 79. Minute auf Bayer-Seite das Feld, gefeiert wurden er und seine Kollegen nach dem Schlusspfiff von den Fans trotzdem.

© dpa-infocom GmbH

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