Chancenwucher ohne Ertrag: Leipzig verzweifelt an Frankfurt

20.03.2022 Erstmals seit November darf RB Leipzig sein Stadion wieder voll auslasten. Die Fans sahen gegen Eintracht Frankfurt viele Chancen ihrer Mannschaft, aber keine Tore.

Leipzigs Benjamin Henrichs hadert nach einer vergebenen Chance. © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Oliver Glasner und Domenico Tedesco diskutierten weit nach Abpfiff im Bauch des erstmals wieder vollen Leipziger Stadions, doch so richtig hob das die Stimmung des RB-Trainers nicht.

Der Chancenwucher von RB Leipzig beim 0:0 gegen die harmlose Frankfurter Eintracht war man so vom Bundesliga-Vizemeister nicht mehr gewohnt. «Das Spiel ist schnell erzählt. Wir hatten sieben richtig klare Chancen. Wenn du da eine machst, gewinnst du das Spiel», sagte Tedesco. Am Ende blieb nur ein Punkt im mit 43.058 Zuschauern fast vollen Haus - ein Rückschlag im Kampf um die Champions League.

Die durch den harten Europapokalabend am Donnerstag geschwächten Gäste waren durchaus glücklicher mit dem Ergebnis. «Wir hatten nicht ganz die Frische, haben aber mit unglaublicher Leidenschaft verteidigt», sagte Coach Glasner. Und die Hessen hatten im Tor einen überragenden Kevin Trapp. Doch Glasner warnte sein Team vor zusätzlichen Anstrengungen mit Blick auf dessen Leistung: «Sie müssen ihn jetzt nicht durch die Kabine tragen.»

Pyro-Vorfall

Feiern dürfen sie ihn schon ein wenig. Denn wenn nicht das Leipziger Unvermögen, der Pfosten oder die Latte einen durchaus verdienten Rückstand verhinderten, war es eben Trapp. Er selbst wollte sich natürlich nicht feiern. «Die Spiele zuletzt haben Körner gekostet, trotzdem sind wir sehr gut aufgetreten», sagte der Torwart.

Für den ersten Aufreger des Spiels sorgte allerdings keine Trapp-Parade, sondern das Verhalten der Frankfurter Fans. Praktisch mit dem Anpfiff wurden im Gästeblock Knallkörper und andere Pyrotechnik gezündet, eine rot-schwarze Rauchwolke zog auf das Spielfeld. Schiedsrichter Christian Dingert unterbrach daraufhin das Spiel für gut anderthalb Minuten, bis jeder wieder klare Sicht hatte.

Die große Aufregung auf den Rängen übertrug sich zunächst nicht auf den Platz, wo beide Teams gut organisiert ihr taktisches Programm abspulten. Gefährlich wurde es nur aus der Ferne oder nach individuellen Fehlern. Kevin Kampl (22. Minute) eroberte den Ball an der linken Strafraumseite, flankte zum Ex-Frankfurter André Silva - doch dessen Kopfball klärte Martin Hinteregger auf der Linie.

Trapp erneut stark

Leipzig erhöhte den Druck immer weiter und gewährte der Abteilung Gewaltschuss zwei Versuche. Mohamed Simakans Schuss aus 20 Metern (26.) lenkte Trapp irgendwie noch an den Pfosten. Beim Versuch von Laimer aus ähnlicher Distanz war Trapp nicht mehr dran, doch schließlich bewahrte ihn die Latte vor dem Rückstand. Der Treffer fiel dann in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit nach einem Konter, doch Christopher Nkunku befand sich im Abseits.

Nach dem Wechsel stieg die Aufregung nur kurz, als Dani Olmo (46.) im Strafraum zum Abschluss kam. Doch der Schuss des spanischen Nationalspielers, der in der Startelf den Vorzug vor dem zuletzt überragenden Emil Forsberg erhalten hatte, war zu harmlos. Danach blieb die Eintracht offensiv zwar weiter zögerlich, aber defensiv enorm gut organisiert. Leipzig hatte zunehmend Probleme, seine Überlegenheit in Möglichkeiten umzuwandeln.

Forsberg bringt Schwung

Tedesco erkannte das Problem, tauschte den offensiv unauffälligen Spielmacher Kampl gegen Forsberg aus. Das zahlte sich fast umgehend aus. Nkunku schickte Laimer (63.), der allein auf Trapp zuhetzte - doch der Frankfurter zeigte einmal mehr einen starken Reflex.

Leipzig drückte weiter erfolglos, also reagierte Tedesco erneut. In Yussuf Poulsen stellte er einen Brecher in den Angriff, nahm dafür Silva vom Platz. Der frühere Frankfurter erlebte wie schon im Hinspiel einen persönlich enttäuschenden Arbeitstag gegen seinen Ex-Club. Der wurde für RB dann fast doch noch erfreulich, als Lucas Tuta Nkunku (78.) den Ball per Kopf in den Lauf legte, doch der Franzose schloss zu überhastet aus 20 Metern ab.

© dpa

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