«Nicht gut genug»: Hertha weiter tief in der Krise

05.03.2022 Seit Wochen betonen die Verantwortlichen bei Hertha BSC positive Ansätze, auch wenn Punkte ausbleiben. Gegen Frankfurt sind die Berliner nun fast durchgängig unterlegen. Die Wut der Fans ist groß.

Der Frankfurter Ansgar Knauff (l) traf bei Hertha BSC zur Führung der Hessen. © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Vereinzelte Bierbecher segelten der Mannschaft von Hertha BSC nach dem enttäuschenden 1:4 (0:1) gegen Eintracht Frankfurt entgegen.

Das Team hörte sich die Wut der eigenen Fans erst aus der Ferne an und suchte dann kurz den Dialog. Auch Hertha-Trainer Tayfun Korkut war unzufrieden mit dem Spiel. «Enttäuscht bin ich, sauer bin ich.» Er müsse das Spiel erst einmal sacken lassen.

Der Abstiegskandidat bleibt nach der nächsten heftigen Heim-Niederlage in der Fußball-Bundesliga in diesem Jahr weiter sieglos. Die Berliner stehen nach dem 25. Spieltag auf dem Relegationsrang und haben zwei Punkte Rückstand auf Platz 15. Ansgar Knauff (17. Minute) erzielte vor 25.000 Zuschauerinnen und Zuschauern im Berliner Olympiastadion den Führungstreffer für die Hessen. Tuta (48.), Jesper Lindström (56.) und Rafael Borré (63.) schossen die weiteren Frankfurter Tore. Davie Selke gelang nur das zwischenzeitliche 1:3 (61.).

Hertha wirkt überfordert

Die Berliner wirkten im Spiel gegen den Ex-Club von Geschäftsführer Fredi Bobic offensiv und defensiv über weite Strecken überfordert. Es war die vierte Niederlage in Serie, seit acht Ligaspielen wartet der Hauptstadtclub auf einen Sieg.

«Im Vergleich zu den letzten Spielen, in denen wir auch nicht gepunktet haben, war unsere Leistung heute einfach nicht gut genug», sagte Korkut. Am Mikrofon bei Sky bekräftigte er jedoch, dass er bei der Hertha weitermachen wolle. Bobic wollte sich nach Angaben des Senders zunächst nicht zum Spiel äußern.

Frankfurt hofft auf Trendwende

Die Frankfurter und Trainer Oliver Glasner können dagegen auf die vor dem Spiel beschworene Trendwende hoffen. Seine Mannschaft habe die Vorgaben toll umgesetzt, sagte der Österreicher. «Ich bin heute sehr, sehr glücklich über unsere Leistung.» Die Eintracht bleibt Zehnter und spielt am Mittwoch (18.45 Uhr/RTL+) in der Europa League gegen Betis Sevilla. «Da müssen wir in puncto Leistung noch mal etwas draufpacken zu heute, um da mit einem guten Ergebnis zurückzureisen», sagte Glasner.

Der russische Krieg gegen die Ukraine war auch im Olympiastadion ein Thema. Zum Anpfiff wurden die Anzeigetafel und die Banden in den ukrainischen Landesfarben gefärbt. In mehreren Sprachen stand das Wort Frieden darauf.

Mehr Fans im Stadion

Ins Stadion durften deutlich mehr Fans als zuletzt. Korkut hatte von seiner Mannschaft gefordert, die Zuschauer mit einer engagierten Leistung mitzunehmen. Doch sein Team lud die Eintracht von Beginn an immer wieder mit leichten Ballverlusten zu Kontern ein.

In der 17. Minute störten der im Angriff unglücklich agierende Dongjun Lee und Peter Pekarik den Frankfurter Filip Kostic dann nicht konsequent. Der Serbe, einer der besten Vorbereiter der Liga, flankte und am rechten Pfosten köpfte Knauff ein.

Die offensivere Ausrichtung von Glasner zahlte sich für die Hessen aus, die zuvor 299 Minuten ohne Tor geblieben waren. Das gezielte Pressing und die schnellen Angriffe machten den Berlinern große Probleme. Mit lauten Pfiffen schickten die Hertha-Fans ihr Team in die Kabine.

Kurz nach der Pause umdribbelte Knauff nach einer schlecht geklärten Ecke auf dem Flügel Stevan Jovetic, der wenig Gegenwehr leistete. Die Flanke des 20-Jährigen köpfte Evan Ndicka auf Tuta, der einschoss. Und es wurde noch schlimmer für die Hertha: Nach einem langen Ball wurden sich Kapitän Dedryck Boyata und Marcel Lotka, der als nominell fünfter Keeper erneut im Tor stand, nicht einig. Lotka klärte den Ball vor die Füße von Lindström, der aus knapp 30 Metern eiskalt ins leere Tor traf. Mit einem fulminanten Volley sorgte der einwechselte Selke für kurzzeitige Hoffnung bei den Berlinern, die Borré nur 76 Sekunden später im Keim erstickte.

© dpa

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