Hitze setzt Menschen zu: Rekordtemperaturen möglich

30, 31, 32, ... In Thüringen steigen die Temperaturen kontinuierlich an. Menschen und Tiere suchen nach Schatten und Abkühlung. Und dabei läuft sich die Sonne gerade erst warm.
Die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel auf die Insektenwiese der sogenannten Klimaoase in der Jenaer Schützenhofstraße. © Martin Schutt/dpa/Archivbild

Heiß, heißer, Hochsommer: Die Temperaturen in Thüringen klettern unaufhaltsam nach oben. Bereits am späten Vormittag wurden Temperaturen oberhalb der 30 Grad-Marke gemessen. Am heißesten war es am Dienstagvormittag nach Messungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Bad Berka (Weimarer Land) mit rund 32 Grad und in Martinroda (Ilm-Kreis) mit rund 33 Grad. Der DWD kündigte Tageshöchstwerte von 36 bis 38 Grad in Thüringen an. In Jena wurde die 30-Grad-Marke bis zum Mittag noch nicht geknackt - am Nachmittag zeigte das DWD-Messgerät dann schon 36,6 Grad.

«Morgen kann es sogar vereinzelt bis 40 Grad gehen», sagte der Wetter-Experte. 40 Grad seien bisher im gesamten Mitteldeutschen Raum noch nicht gemessen worden. Die historische Höchsttemperatur in Thüringen wurde demnach mit 39,3 Grad im Juli 1957 in Bad Blankenburg gemessen. Jena kam 2019 mit 38,8 nah dran. «Es könnte also der ein oder andere Rekord geknackt werden.» Verantwortlich für die Hitze ist das Hoch «Jürgen».

Die Stadt Erfurt ruft die Bevölkerung derweil zum Trinken auf. «Nutzen Sie rege die Erfurter Trinkbrunnen», steht im Hitze-Portal der Stadt geschrieben. Das Hitze-Portal ist ein Baustein des seit 2020 in Aufstellung befindlichen Hitzeaktionsplans für die Stadt. Insgesamt acht Brunnen mit Trinkwasser stehen in der Innenstadt, etwa am Anger, am Fischmarkt und am Domplatz. Alle Trinkbrunnen sind mit einem Hinweisschild oder einem Piktogramm als solche ausgewiesen.

In den Parks und in den Wäldern spendeten Bäume angenehmen Schatten. Wer in der Stadt weilen muss, soll sich zwischendurch in klimatisierten Bereichen abkühlen. Auch in Kirchen oder im Dom lasse sich gut der Hitze entfliehen und verschnaufen. «Konstante Temperaturen finden Sie auch in Museen, denn die Ausstellungsobjekte sind für deren Erhalt darauf angewiesen.» Diese Tipps greifen auch über Erfurt hinaus.

Zusätzlich rät die Stadt, «das kühle Nass der Badeseen, Freibäder und Schwimmhallen» zu nutzen. Längere Öffnungszeiten seien aber, anders als im Portal kommuniziert, einer Sprecherin der Stadtwerke Erfurt zufolge nicht möglich. Die regulären Öffnungszeiten seien aufgrund von Personalengpässen schon herausfordernd genug. Thüringenweit herrschte am Dienstag reger Betrieb in den Freibädern und Seen. Nicht nur Ferienkinder suchten hier Erfrischung.

Gleichzeitig stieg die Gefahr von Waldbränden in Thüringen erneut. In 29 der 32 von der Landesforstanstalt Thüringenforst ausgewiesenen Regionen lag die Waldbrandgefahrenstufe am Dienstag bei 4 und damit auf der zweithöchsten Stufe. Das Forstamt Heldburg meldete sogar Stufe 5 und damit «sehr hohe Waldbrandgefahr». Damit besteht dort nun die Möglichkeit, extrem gefährdete Waldgebiete zu sperren. Dies können laut Thüringenforst an sehr heißen Tagen beispielsweise die Sperrung von Badeseebereichen mit angrenzenden Kiefernwäldern auf trockenen Waldböden sein. Lediglich in zwei Regionen galt die mittlere Gefahrenstufe.

Der Erfurter Zoo bleibt am Mittwoch aufgrund von Waldbrandgefahr der Stufe 5 geschlossen. «Weil wir extrem viele Grünflächen haben, müssen wir zum Schutz aller schließen», sagte Zoosprecherin Anne Protzel am Dienstag. Mehr als elf Hektar Landschaftsfläche sowie mehrere Wald- und Weideflächen gehören zum Zoo. Seit Montag ist bereits der Waldweg im Zoo gesperrt. Dieser wird voraussichtlich erst kommende Woche wieder für Besucher zugänglich sein. Der Zoo plant am Donnerstag wieder zu öffnen.

Aktuell seien aufgrund der Hitze sowieso viel weniger Gäste als sonst in den Schulferien im Zoo unterwegs. Das könnte auch daran liegen, dass die Tiere in der Hitze nicht sonderlich aktiv sind. Den Tieren im Zoo, die vorrangig aus Afrika kommen, mache die Hitze nichts aus, sie suchten «aber natürlich auch mehr Schattenplätze auf oder gehen in die Häuser», sagte eine Sprecherin des Erfurter Zooparks. So lagen etwa die Löwen am Dienstag im Schatten und schliefen - wie die meisten anderen Tiere auch. Die Elefanten zogen sich ins Elefantenhaus zurück. Lediglich die Geier boten ein bisschen Action und gingen zur Erfrischung baden, denn «denen ist es zu heiß».

Für den morgigen Tag - ohne Besucherinnen und Besucher - können sich die Tiere nach Zooangaben auf «ein paar Eisbomben» freuen. In der Futtermeisterei liege das Futter teilweise schon vorbereitet im Gefrierfach. Vor allem für die Affen sei das eine feine Sache, die sicher für ein kleines Affentheater sorge.

© dpa
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